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    Elektronische Geräte wirken heute unnahbar.
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    Öffnen lassen sie sich oft nur noch mit Spezialwerkzeug.
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    Reparaturanleitungen geben Elektronikhersteller ihren Kunden meist nicht mehr mit auf den Weg.
15.01.2015|Bessermacher
iFixit Europe

Reparieren statt wegwerfen

iFixit Europe − Die Internetplattform macht Reparaturanleitungen frei zugänglich und verkauft die passenden Ersatzteile und Werkzeuge. Millionen Nutzer auf der ganzen Welt halten dadurch Geräte instand, die sie sonst wegwerfen würden.

„Reparieren ist aus der Mode gekommen“, stellen Matthias Huisken und Matthias Mayer fest. In den Neunzigern sei es noch selbstverständlich gewesen, einen Computer aufzuschrauben, um eine größere Festplatte oder eine bessere Grafikkarte einzubauen. „Aber heute wirken die elektronischen Geräte unnahbar: In den Gebrauchsanweisungen sind keine Reparaturanleitungen mehr enthalten, zum Öffnen ist meist Spezialwerkzeug nötig und an Ersatzteile zu kommen kaum möglich.“

Den beiden Stuttgartern gefällt diese Entwicklung überhaupt nicht: „Elektrogeräte enthalten oft Blei oder andere gefährliche Chemikalien. Vieles lässt sich bisher nicht vollständig oder überhaupt nicht recyceln. Gleichzeitig werden die seltenen Erden allmählich knapp, die zur Herstellung fast aller Geräte gebraucht werden“, geben sie zu bedenken. Der Ausweg: Reparieren statt wegwerfen.

Eine genial-einfache Geschäftsidee

Ähnliche Gedanken trieben schon 2003 Kyle Wiens und Luke Soules um. Die beiden US-Amerikaner, damals noch Studenten, kamen auf eine genial-einfache Geschäftsidee: Sie gründeten die Internetplattform iFixit (auf Deutsch etwa: „Ich repariere es.“), stellen darauf kostenlose Reparaturanleitungen für Elektrogeräte zur Verfügung und verkaufen die entsprechenden Spezialwerkzeuge und Ersatzteile.

Inzwischen ist iFixit zu einem Unternehmen mit über 50 Mitarbeitern herangewachsen. Die Zahl der Nutzer der gleichnamigen Internetplattform geht weltweit in die Millionen.

Der Europasitz im Hinterhaus

„Mehr als 10.000 fotobasierte Anleitungen für verschiedene Geräte sind dort abrufbar“, sagen Huisken und Mayer. „Leider sind die allermeisten nur auf Englisch zu haben. Für Nutzer aus Deutschland und anderen kontinentaleuropäischen Ländern ist das ein großes Hindernis.“ Das wollten die beiden ändern.

Huisken und Mayer nahmen Kontakt mit iFixit auf, besuchten den Firmensitz im kalifornischen San Luis Obispo, stellten dort ihren Plan vor und gründeten schließlich im März 2013 in einem kleinen Hinterhaus am Rande der Stuttgarter Innenstadt die 100-prozentige Tochterfirma iFixit Europe.

Einiges bewegt

Seitdem übersetzen sie die Internetplattform und die Reparaturanleitungen Stück für Stück in weitere Sprachen: Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch. Die Nutzerzahlen steigen: Allein in der Bundesrepublik riefen 2013 rund zwei Millionen Menschen die Seite auf. Parallel dazu wächst auch iFixit Europe: Huisken und Mayer beschäftigen inzwischen zehn Mitarbeiter und haben ein kleines Werkzeug- und Ersatzteillager eingerichtet. Die Pakete gehen von dort aus an Kunden in 30 europäischen Ländern.

„Zu unseren Abnehmern gehören auch Werkstätten und Recyclingbetriebe“, wissen Huisken und Mayer. Aber auch bei den Herstellern hat iFixit einiges bewegt: Beispielsweise ist Apple dazu übergegangen, in seinen Geschäften selbst Reparaturen anzubieten. haw

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