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    Karl-Ludwig Schweisfurth: „Verrückte Idee“
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    Luftbild der Herrmannsdorfer Landwerkstätten im oberbayerischen Kreis Ebersberg
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    Symbiotische Landwirtschaft: Gemeinsame Freilandhaltung von Schweinen und Hühnern.
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    Neben Fleisch und Wurst werden ...
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    ... in den Herrmanndorfer Landwerkstätten auch Käse, Brot und Bier hergestellt.
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    Lebensmittelgeschäft der Herrmannsdorfer Landwerkstätten: Heute ist der Betrieb anerkannt und arbeitet mit Gewinn.
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    Karl-Ludwig Schweisfurth mit Sohn Karl: Der Sinneswandel seines Vaters motivierte ihn dazu, doch noch in dessen Fußstapfen zu treten.
10.12.2015|Bessermacher
Herrmannsdorfer Landwerkstätten

Pionier im Doppelpack

Herrmannsdorfer Landwerkstätten – Vom Massenschlächter zum Öko-Bauern: Karl-Ludwig Schweisfurth, ehemaliger Wurstfabrikant, gründete 1986 den Öko-Hof Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Seine Vision: Lebensmittel wieder nach alter Handwerkstradition herstellen.

„Wir sind mit der intensiven Tierhaltung und automatisierten Verarbeitung von Tieren vom rechten Weg abgekommen" resümiert Karl-Ludwig Schweisfurth heute. Statt wie früher immer mehr und immer schneller Fleisch und Wurst über die Fließbänder laufen zu lassen, besinnt er sich auf eine langsame und nachhaltige Erzeugung – für einen geringeren, aber dafür bewussten Fleischverzehr. Dieser Sinneswandel ist beachtlich. Denn eigentlich wurde ihm eine ganz andere Weltsicht in die Wiege gelegt.

Viel Wurst für die Wirtschaftswunderjahre

Schweisfurth wurde 1930 in eine Metzgerfamilie hinein geboren und trat mit 15 Jahren in den elterlichen Betrieb in Herten ein. Ab 1947 hieß das wachsende Familienunternehmen Herta. Mitte der Fünfzigerjahre verbrachte Schweisfurth ein Jahr in den USA, um dort Ideen für eine moderne und effiziente Fleischproduktion zu sammeln. In Chicago lernte er die bis dahin in Deutschland unbekannte industrielle Fleischproduktion kennen und führte diese nach seiner Rückkehr bei Herta ein. Nun wurden an Fließbändern Schweine geschlachtet und Würste hergestellt, immer mehr und immer schneller.

In den Siebzigerjahren wuchs und expandierte die Fleischfabrik rasant. Die „Herta-Fleischwurst“ war ein Verkaufsschlager. Durch den Boom der Supermärkte nahm allerdings der Preisdruck zu. Schweisfurth stellte fest, dass er seinen eigenen Qualitätsanspruch nicht mehr verwirklichen konnte. In den frühen Achzigerjahren verstärkten sich seine Zweifel als er die Schweinemastanlagen seiner Zulieferer besichtigte und bemerkte, dass „mit den Tieren etwas nicht mehr stimmte“ und dass man aus ihnen „keine vernünftige Wurst mehr machen konnte“. Der Massenproduzent erkannte, dass er sich in einer Sackgasse befand. Seine drei Kinder hatten bereits vorher Bedenken geäußert und erklärt, den väterlichen Betrieb und seinen Lebensstil nicht übernehmen zu wollen.

Alles auf eine Karte gesetzt

So entschloss sich Schweisfurth schließlich 1984 zu einem radikalen Schritt: Er verkaufte das Herta-Werk an den Lebensmittelkonzern Nestlé und gründete 1986 den Öko-Hof Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Die neue Wirtschaftsweise sollte ökologisch, handwerklich und regional sein. Neben Fleisch und Wurst werden dort auch Käse, Brot und Bier hergestellt. Von Verwandten, Freunden und Nachbarn wurde dies zunächst als „verrückte Idee“ abgetan. Heute ist der Betrieb anerkannt und arbeitet mit Gewinn.

Seit 1996 führt sein Sohn, Karl Schweisfurth, den Betrieb. Der Sinneswandel seines Vaters motivierte ihn dazu, doch noch in dessen Fußstapfen zu treten.

So hat Karl-Ludwig Schweisfurth im Laufe seines rastlosen Lebens zwei Mal Pionierarbeit geleistet: zuerst bei der industriellen Fleischproduktion, dann bei der ökologischen Fleischerzeugung. Zur Ruhe hat er sich allerdings noch nicht gesetzt. Nach wie vor arbeitet er im Familienunternehmen und experimentierte in den vergangenen Jahren mit einer gemeinsamen Freilandhaltung von Schweinen und Hühnern. So führte er die so genannte Symbiotische Landwirtschaft ein, die inzwischen von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten und anderen Bio-Höfen übernommen wurde. Die Pionierarbeit kann er wohl einfach nicht lassen. rr

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