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    Waldemar Zeiler (links) und Philip Siefer haben mit viel Humor ein Start-up gegründet, das nachhaltig produzierte und fair gehandelte Kondome verkaufen will.
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    Siefer (Mitte) und Zeiler beim Testen von Kondomen: „Wir wollen in den nächsten Jahren in allen Bereichen einen Mehrwert für Mensch und Umwelt schaffen.“
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    Auf den Packungen warb Einhorn Kondome bis vor kurzem mit dem umstrittenen Slogan „1 Tüte à 7 Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen“. Nach einer einstweiligen Verfügung des Landgerichts Düsseldorf verschwand die fragwürdige Botschaft von den Tütchen.
14.04.2016|Bessermacher
Einhorn Kondome

Nachhaltiger Sex

Einhorn Kondome – Sex haben und dabei Gutes tun? Das könnte tatsächlich bald gehen. Zwei Männer aus Berlin haben mit viel Humor ein Start-up ins Leben gerufen, das nachhaltig produzierte und fair gehandelte Kondome anbieten will.

Über Crowdfunding haben es die beiden Berliner Waldemar Zeiler und Philip Siefer geschafft, den Grundstein für ihr Unternehmen zu legen. Mehr als 100.000 Euro sammelten die beiden bisher ein. Ihre Idee: „Wir wollen in den nächsten Jahren in allen Bereichen einen Mehrwert für Mensch und Umwelt schaffen – von fairen Löhnen über nachhaltige Anbaumethoden bis hin zur Erhöhung der Biodiversität. Dazu werden wir 50 Prozent unserer Gewinne in faire und nachhaltige Projekte reinvestieren“, sagt Zeiler.

Woher stammt das Latex für Kondome und wie werden sie hergestellt? Über diese Fragen machen sich die meisten Menschen allerhöchstens nach dem Gebrauch Gedanken – wenn überhaupt.

Der Weg eines Kondoms

Erstes Glied in der Wertschöpfungskette ist ein Baum aus den Tropen: der Kautschukbaum. Ritzt man dessen Rinde ein, läuft weiße Kautschukmilch heraus, der Rohstoff für die Herstellung von Autoreifen, Schaumstoff, Luftballons, Gummihandschuhe – und eben Kondome. Die größten Produzenten für Naturkautschuk sind die Staaten Südostasiens, allen voran Malaysia.

„Der weltweite Bedarf ist enorm gestiegen“, sagt Gerhard Langenberger. Der Wissenschaftler von der Universität Hohenheim beschäftigt sich schon seit Jahren mit nachhaltigem Kautschuk-Anbau und arbeitet mit den Einhorn-Gründern zusammen. Der Forscher weiß, welche Folgen der Nachfrageboom für die tropischen Länder Asiens hat: großflächige Monokultur-Plantagen breiten sich aus, die Artenvielfalt schwindet, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln belastet das Grundwasser und begünstigt die Erosion.

Die Chancen stehen gut

Genau da wollen Zeiler und Siefer mit ihrem Start-up ansetzen und die Forschungsergebnisse aus Hohenheim in die Tat umsetzen. Denn bislang sind die Einhorn Kondome weder aus wirklich nachhaltigem (engl. sustainable) Anbau noch fair gehandelt. Das geben Zeiler und Siefer auf der Internetseite ihres Unternehmens ganz offen zu: „Zu behaupten, wir wären jetzt, bei der Unternehmensgründung, bereits fairstainable wäre falsch. Wir sind ganz am Anfang. Wir haben aber das Ziel, Fairstainability-Kriterien im kompletten Lebenszyklus eines Einhorn Kondoms zu integrieren.“

Schließlich dauert es eine Weile, völlig transparente Wertschöpfungsketten zu schaffen, den CO2-Ausstoß auf dem langen Weg von der Plantage bis zum Supermarktregal möglichst gering zu halten und unnötiges Verpackungsmaterial zu vermeiden. Doch die Chancen, diese Lebensaufgabe in die Tat umsetzten zu können, stehen derzeit gut: „Durch die ökonomische Abschwächung in China sowie den niedrigen Ölpreis, der zu einer Verbilligung des Konkurrenzproduktes Synthesekautschuk führt, sind die Naturkautschukpreise dramatisch gefallen. Bauern sind daher deutlich offener für Experimente als vor dem Preisverfall“, erklärt Langenberger.

Einhörner im Gerichtssaal

Ärger haben sich Zeiler und Siefer unterdessen an einer ganz anderen Stelle eingehandelt: Auf der Packung warb Einhorn Kondome ausgerechnet mit dem Slogan „1 Tüte à 7 Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen“. Das hätte unerfahrene Verbraucher womöglich dazu verleiten können, die Gummis mehrfach zu verwenden.

Nach einer einstweiligen Verfügung des Landgerichts Düsseldorf vom August 2015 verschwand die humorvoll gemeinte Werbebotschaft von den Packungen, von der Crowdfunding-Seite Startnext und aus dem Youtube-Video. ph/haw

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