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    Lukas Baumann (rechts) und sein Vater Marco
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07.05.2015|Bessermacher
Kosmetikhersteller Rausch

Mit Pioniergeist erfolgreich

Kosmetikhersteller Rausch – Das Schweizer Unternehmen setzt fast ausschließlich auf natürliche Rohstoffe aus heimischem Anbau. Im Gespräch mit Lucas Baumann, Mitglied der Geschäftsführung, hat GWEN-Autorin Kirsten Metternich mehr darüber erfahren.

GWEN-mag: Herr Baumann, Ihr Unternehmen blickt auf eine 125-jährige Tradition zurück. Welche Dinge aus den Anfangsstadien fließen auch heute noch in die Produkte ein?

Baumann: Unser Unternehmen lebt vom Geheimnis der Kraft Schweizer Kräuter. Nicht umsonst ist Josef Wilhelm Rausch, ein Friseurmeister aus Konstanz, 1890 als das Unternehmen gegründet wurde, zum Haus- und Hoflieferant der Hohenzollern und anderer Adliger – heute würde man sagen VIPs – avanciert. Rausch brachte weltweit das erste Flüssigshampoo „Champooing“ auf den Markt. Die Kunst bestand darin, passende Kräuter in richtiger Menge und Kombination einzusetzen, so dass die Haare schön und gepflegt wurden. Deshalb ist so manche Rezeptur seit jeher nahezu unverändert.

GWEN-mag: Sie bezeichnen sich als Nischenplayer für natur- und pflegebewusste Menschen. Was macht Ihre Produkte so besonders?

Baumann: Die Produkte enthalten bis zu 40 Prozent naturreine Kräuterextrakte. Verwendet werden 87 Kräuter und Pflanzenstoffe, die in Form von Extrakten, Tinkturen und Ölen zum Einsatz gelangen. 43 dieser Kräuterextrakte stellen wir selbst im Hause her und lagern sie wie guten Wein in Fässern. Von der Kräuterernte bis zur Extraktgewinnung sind wir in alles voll eingebunden. Dann beginnt die eigentliche Arbeit. Welche Kräuter in welcher Kombination und Menge sind für welches Bedürfnis optimal – das macht unsere Produkte aus.

GWEN-mag: Wie kann man sich eine nachhaltige Produktion vorstellen?

Baumann: Mittlerweile ist die dritte Generation im Unternehmen. Alles wird nach wie vor mit einem hohen Maß an Fachkompetenz und in sehr viel Handarbeit entwickelt und produziert. Die Nähe zur Natur und deren Schutz sind sehr eng mit uns verwurzelt. Mein Vater hat uns oft erzählt, wie er als Bub dem Vater beim Kräuterjäten geholfen hat. Kamille, Zinnkraut, Spitzwegerich, Malve, Salbei: Das sind Pflanzen der ersten Stunde – und durch ihre hohe Wirksamkeit auch Pfeiler unserer Zukunft. Wo immer es uns möglich ist, holen wir uns Wirk-, Roh- und Verpackungsstoffe aus der Natur. Kunden bekommen das, was sie sehen und lesen.

GWEN-mag: Sie produzieren mit ökologisch gutem Gewissen. Was ist der Unterschied zur klassischen Naturkosmetik?

Baumann: Am Beispiel eines Shampoos lässt sich das gut erklären: Wie schon erwähnt kommen naturreine Kräuterextrakte zum Einsatz, ebenso Öle. Wenn ein natürliches Biershampoo nicht gründlich reinigt, dafür aber Öko ist, nutzt es nicht wirklich etwas. Unsere Waschtenside beispielsweise haben einen natürlichen Ursprung, werden aber teilweise chemisch nachbehandelt. Daher fallen sie nicht mehr unter die erlaubten Inhaltsstoffe für zertifizierte Naturkosmetik. Ohne diese Behandlung verlieren sie aber ihre gründliche Reinigungskraft. Diese wiederum ist nötig, damit Haar und Kopfhaut entfettet und von Rückständen gründlich gereinigt werden. Sonst hätten Kräuterextrakte und Öle, in sämtlichen unserer Produkte, keine Chance ihre volle Wirksamkeit zu entfalten. Zertifizierte Naturkosmetik, speziell im Bereich der Haarpflege, hat noch Potential in Bezug auf Wirksamkeit und Pflege. Es ist ein ganz bewusster Entscheid von uns, diesen Schritt nicht zu tun. Credo: Soviel Natur wie möglich – so wenig chemische Hilfsstoffe wie nötig.

GWEN-mag: Kräuter spielen eine große Rolle. Wie finden Sie passende Lieferanten und gute Qualitäten?

Baumann: Hier sind natürlich über viele Jahre hinweg intensive Beziehungen zu unseren Schweizer Vertragsbauern entstanden. Nur was nicht in der Schweiz wächst, beschaffen wir auch mal im Ausland. Dennoch sind wir anspruchsvoll, insbesondere was die Qualität betrifft. Unsere Lieferanten teilen deshalb unsere Philosophie zu 100 Prozent. Wenn es doch einmal zu einem Lieferantenwechsel kommen sollte, suchen wir zunächst immer erst einmal in unserer allernächsten Umgebung. „Think global, act local“ lautet schon länger unsere Devise. Und da sind wir in der Regel – wenn es nicht gerade um Kokospalmen, Avocados oder Kaktusblüten geht – bisher auch immer fündig geworden.

GWEN-mag: Herzsamen, Kamille und Co. sind klimatischen Veränderungen ausgesetzt. Was passiert, wenn die Ernte der Nachfrage nicht gerecht wird?

Baumann: Die Klimaveränderungen sind schockierend. Wo immer es uns möglich ist, machen wir Mitarbeiter, externe Partner und Kunden sensibel für diese Veränderungen. Wir haben beispielsweise in einem unserer Produkte reinstes Gletscherwasser aus den Alpen. Wer weiß, wie lange es die Schweizer Gletscher noch geben wird? Bisher konnten wir unseren Bedarf an Kräutern immer decken. Den einen oder anderen Engpass in der Rohstoffversorgung, mussten natürlich auch wir in 125 Jahren schon erleben. Und im schlimmsten Fall haben wir dann den Verkaufspreis angepasst.

GWEN-mag: Eines Ihrer Steckenpferde ist die Behandlung gereizter Kopfhaut. Warum leiden immer mehr Menschen an diesem Problem?

Baumann: Leider ist es so, dass die heutigen Lebensumstände mit zu viel Stress, zu wenig Ruhe, falscher Ernährung und mangelnder Achtsamkeit für den eigenen Körper dazu führen, dass Haut und Kopfhaut aus dem Gleichgewicht geraten. Gepaart an ein falsches Pflegeverhalten und Produkte mit zu vielen aggressiven Substanzen, ist das Ergebnis leider sehr oft eine Kopfhaut die Ekzeme bildet, chronisch juckt, zu viele Schuppen produziert, zu fett oder trocken wird. Der Leidensdruck von Betroffenen ist hoch. Leider können nur wenige ihr Problem wirklich identifizieren und noch weniger suchen sich Hilfe bei Herstellern, Apothekern oder Ärzten.

GWEN-mag: Natur versus konventionell: Volumen, Glanz oder Griffigkeit – reichen Pflanzenwirkstoffe aus, um diese Effekte zu erreichen?

Baumann: Es gibt Frauen, die so stark geschädigtes Haar haben, dass sie keinen Rat mehr wissen, außer abschneiden. Wir haben Kuren und Spülungen, die gekoppelt an das richtige Shampoo stark geschädigtes Haar wieder glänzend, geschmeidig und schön machen, dünnem Haar wieder Volumen und Griffigkeit verleihen.

GWEN-mag: Herr Baumann, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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