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    Fairphone-Gründer Bas van Abel
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    Kupferabbau in Kolwezi, Demokratische Republik Kongo: Fairphone bezieht seine Rohstoffe bewusst aus instabilen Regionen, um die lokale Wirtschaft zu stärken und der Bevölkerung vor Ort eine Perspektive zu bieten.
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    Abbau von Wolfram in Ruanda
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    Chongqing, China: Hier wird das Fairphone zusammengeschraubt.
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    Die Arbeiter beim Fairphone-Zulieferer Guohong vedienen etwas mehr als ihre Kollegen bei der Konkurrenz und dürfen ihren Arbeitnehmervertreter wählen.
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    Fairphone: Das aktuelle Modell ist derzeit vergriffen, ein neues ist voraussichtlich im September lieferbar.
21.05.2015|Bessermacher
Fairphone

Hehre Ziele, bittere Pillen

Fairphone – Die Wirtschaft von innen heraus zu verändern: Mit dieser Idee ist Bas van Abel 2013 angetreten, um ein fair produziertes Smartphone zu entwickeln. Damit schlug er international große Wellen. Allerdings bleibt fraglich, ob sich das hehre Ziel jemals erreichen lässt.

Fast 60.000-mal hat sich das Fairphone seit seiner Markteinführung verkauft, wobei fast die Hälfte aller Bestellungen aus Deutschland kam. Mit solchen Verkaufszahlen wird van Abel Samsung und Apple freilich nicht gefährlich. Aber das will der Niederländer auch gar nicht. Wichtiger ist es ihm, konfliktfrei an Rohstoffe zu kommen, Lieferketten transparent zu gestalten und zu gewährleisten, dass auch Arbeiter außerhalb der Europäischen Union den Mindestlohn erhalten.

Extrem langer Atem

Hehre Ziele. Sie zu erreichen erfordert einen extrem langen Atem – und dessen ist man sich bei Fairphone bewusst: „Wir wissen, dass wir nicht von heute auf morgen ein Smartphone herstellen können, das sozial und ökologisch komplett unbedenklich ist“, gibt Account-Managerin Tina Trinks zu bedenken. „Um ein wirklich faires Mobiltelefon produzieren zu können, müsste man zuerst Kriege beenden, in allen Staaten konsequente Mitbestimmung für Arbeiter durchsetzen, den Konsum transparent und verantwortungsbewusst gestalten, funktionierende Recycling-Systeme einführen und vieles, vieles mehr.“

Deshalb konzentrieren sich van Abel und sein Team derzeit auf die Kernbereiche der langen und hochkomplexen Wertschöpfungskette:

  • Rohstoffbeschaffung: Einkaufstouren bei bewaffneten Milizen, die Abbaugebiete und Minen in ihre Gewalt gebracht haben, sind tabu. Gleichwohl bezieht Fairphone die Rohstoffe Kupfer, Zinn, Wolfram und Tantal ganz bewusst aus instabilen Regionen in Ruanda oder im Kongo. Ziel: die lokale Wirtschaft stärken, den Menschen vor Ort eine Perspektive bieten, Kinderarbeit beenden.
  • Herstellung: Zusammengeschraubt wird das Fairphone bei der Firma Guohong in Chongqing, einer Millionenstadt im Südwesten Chinas. Die Arbeiter dort dürfen Arbeitnehmervertreter wählen und verdienen etwas mehr als ihre Kollegen bei anderen Herstellern.
  • Langlebigkeit: Das Fairphone ist so konstruiert, dass es möglichst lange hält, repariert werden kann und recyclebar ist. Ersatzteile und Reparaturanleitungen stellt Fairphone seinen Kunden zur Verfügung. Es gibt aber auch kostenlose Tutorials bei bei der Internetplattform iFixit. Ziel: Das Smartphone soll kein austauschbares Konsumprodukt sein, das auf dem Müll landet, sobald etwas Neues und vermeintlich Besseres auf dem Markt ist. Sondern ein persönlicher Gegenstand, der die Wertvorstellungen seines Nutzers widerspiegelt.
  • Transparenz: In einer frei zugänglichen Aufstellung zeigt Fairphone, wie sich die Kosten für das Handy zusammensetzen. Auch eine Liste aller Zulieferer ist im Internet abrufbar.

Trotz all dieser selbst gestellten Anforderungen, kann sich der Preis durchaus sehen lassen: Das Fairphone kostet mit 525 Euro deutlich weniger als das aktuelle iPhone – und dass, obwohl die Produktion auf höchstens 200.000 Exemplare pro Jahr begrenzt ist. Genau deshalb ist das aktuelle Fairphone-Modell derzeit allerdings ausverkauft. Ein neues ist in Arbeit und soll voraussichtlich im November ausgeliefert werden.

Unvermeidlicher Wermutstropfen

Hinzu kommt noch ein anderer, leider unvermeidlicher Wermutstropfen: Nicht alles, was sich van Abel und sein Team vorgenommen haben, lässt sich genauso umsetzen, wie sie es gerne hätten: „Kompromisse gehören zu unserem Alltag und fallen uns oft nicht leicht“, bekennt Trinks. Ob es jemals ein völlig fair produziertes Handy geben wird, steht deshalb in den Sternen. Aber einen Versuch ist es allemal wert. ph/haw

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