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    Katja von Helldorff und Simone Kellerhoff handeln in Berlin mit Reststoffen, die sie von Unternehmen und Einrichtungen bekommen.
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    Ihre Lagerhütte im Kreuzberger Prinzessinnengarten wird langsam aber sicher zu klein.
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    Die beiden Frauen verkaufen in ihrem Laden im Stadtteil Prenzlauer Berg aber auch Selbstgebasteltes, wie diese „Flaschen-Tasche“, ...
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    ... diesen Hocker aus Altholz und ausgedienten Fahrradschläuchen, ...
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    ... oder diese Leuchte aus Eislöffeln.
13.10.2014|Bessermacher
Material Mafia

Geschäfte mit dem Müll

Material Mafia - So nennen sich Katja von Helldorff und Simone Kellerhoff. Die beiden Berlinerinnen handeln mit Reststoffen, die sie von Unternehmen und Einrichtungen bekommen. Noch können sie nicht davon leben, aber die Geschäfte laufen gut.

„Wir sind günstiger als jeder Baumarkt! Dafür aber vielleicht nicht ganz so praktisch“, sagt Katja von Helldorff. „Unsere Kunden müssen damit leben, dass wir nicht immer alles auf Lager haben und oft auch nicht in den gewünschten Abmessungen.“ Sie betreibt im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg zusammen mit ihrer Freundin Simone Kellerhoff eine Art Gebrauchtwarenladen für die Kreativszene.

Das Sortiment der Material Mafia kann von Woche zu Woche sehr verschieden sein, denn es besteht aus dem, was Unternehmen, Museen, Theater oder Filmsets nicht mehr gebrauchen können: Hölzer, Schaumstoffe, Textilien, Plexiglas. Aber auch allerlei Exotisches, was Künstlerherzen höher schlagen lässt: „Eine Zeitlang hatten wir Formscheiben auf Lager, mit denen in der Industrie Brillengläser geschliffen werden“, erzählt von Helldorff. „Das hat viele unserer Kunden inspiriert.“

Ein Gebrauchtwarenmarkt mit kreativen Produkten und Workshops

Die Mittdreißigerin ist selbst freischaffende Künstlerin und hat während ihres Studiums an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee viel mit Materialien experimentiert, die sie am Straßenrand gefunden hat. Auch Kellerhoff hat Erfahrungen mit dem Upcycling gesammelt: Sie lebte jahrelang in einem ausrangierten Zirkuswagen und baute ihn mit Reststoffen aus.

Auf die Idee, die Material Mafia zu gründen, sind die beiden trotz ihrer Vorgeschichte nicht von selbst gekommen: Den Impuls gab eine australische Freundin, die von Helldorff besuchte und von Reverse Garbage erzählte, einem Gebrauchtwarenmarkt mit Galerie und Bildungsangeboten in Sydney.

Nach einem ganz ähnlichen Prinzip funktioniert auch die Material Mafia: Neben dem Handel mit Reststoffen veranstalten von Helldorff und Kellerhoff Workshops für Schulklassen und Heimwerker, die erfahren möchten, wozu der Müll anderer Leute noch gut sein kann. Kreative Ideen haben die beiden Unternehmerinnen genug: In ihrem Laden verkaufen sie selbstgebastelte Hocker aus Holz und alten Fahrradschläuchen, Taschen aus Plastiktüten, alten Flaschen oder Stoffresten, Hängematten und Geldbeutel.

Die Zukunft liegt im Handel mit Reststoffen

Über fehlende Reststofflieferanten und ausbleibende Kundschaft können sich von Helldorff und Kellerhoff nicht beklagen: „Unsere kleine Lagerhütte im Kreuzberger Prinzessinnengarten wird langsam aber sicher zu klein“, stellt Kellerhoff zufrieden fest. Ihre Zukunft sieht sie ganz klar im Handel mit Reststoffen. Ihre langjährige Festanstellung als Theaterpädagogin hat sie jedenfalls aufgegeben. Nebenher jobbt sie unter anderem als Fund Raising Managerin.

Auch von Helldorff kann noch nicht von der Material Mafia leben. Zusätzliches Geld verdient sie mit ihren Grafiken, Zeichnungen und Radierungen. Die Müllvermeidung im Alltag beschäftigt sie aber auch privat: In ihrer Freizeit baut sie zusammen mit anderen Aktivisten die Internet-Plattform Zero Waste Germany auf. haw

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