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    Etepetete-Geschäftsführer Carsten Wille, Georg Lindermair und Christopher Hallhuber: „Krumme Formen sind ein Zeichen von natürlichem Wachstum.‟
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    Gemüseretterbox: Anders als der Handel haben die Verbraucher keine Scheu vor den krummen Ackerfrüchten.
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    Nicht normgerechte Karotten: „Wenn im Boden ein Stein liegt, wächst die Möhre eben drum herum.‟ (Carsten Wille)
19.05.2016|Bessermacher
Etepetete

Die Gemüseretter

Etepetete – Sind Gurken, Tomaten oder Radieschen nicht schön genug, werden sie aussortiert. Obwohl sie trotzdem gut schmecken. Gegen diese Verschwendung wollten die Gründer des Start-ups Etepetete etwas unternehmen – und erfanden die Gemüseretterbox.

In der Gemüseecke im Supermarkt herrscht ziemliches Einerlei. Wie ein Ei dem anderen gleichen sich Salatköpfe, Rettiche und Knollen. Dabei ist die Natur eigentlich viel bunter: Auf dem Feld gedeihen auch hakenförmige Kartoffeln, dreibeinige Möhren und Zwillingspaprika. Die verwachsenen Exemplare werden aber einfach aussortiert – obwohl sie genauso gut schmecken, wie ihre normgerechten Artgenossen. Anstatt in den Regalen zu landen, werden sie an Tiere verfüttert, wandern in die Biogasanlage oder werden als Dünger untergepflügt.

Schade drum, fanden die Gründer des Start-ups Etepetete. Sie entschlossen sich, krummes Gemüse vor dieser Verschwendung zu retten. Bei Bio-Bauern kaufen sie Ausschussware und vertreiben sie über das Internet. Für 19,90 Euro werden fünf Kilogramm frei Haus geliefert. Mit in der Box: Rezeptideen für ein gesundes Gemüsegericht.

Gesunde Lebensmittel frei Haus

„Unser Geschäftsmodell schafft eine Win-Win-Situation‟, sagt Etepetete-Gründer Carsten Wille. Die Bauern seien froh, die aus der Norm fallende Ware loszuwerden. Etepetete kann das Gemüse gewinnbringend weiterverkaufen. Die Verbraucher bekommen gesunde Lebensmittel frei Haus und können sich außerdem darüber freuen, Essen vor der Vergeudung zu retten.

Carsten Wille ist grade mal 25 Jahre alt, genau wie seine beiden Freunde Georg Lindermair und Christopher Hallhuber, mit denen er das Unternehmen leitet. Die Idee mit der Gemüserettung stammt von ihm. Ursprünglich wollte er Supermärkten ihre Ausschussware abnehmen. Dann wurde ihm klar, dass es besser wäre, sich direkt an die Erzeuger zu wenden.

19 Stunden lang schnibbeln

Um sich ein genaueres Bild von der Lage zu machen, besuchte er einen Bauernhof bei München. Und tatsächlich: In einer Halle lagerten dort Berge von Karotten, die nicht perfekt genug für den Handel waren. Der Landwirt hätte ihm sofort 17 Tonnen davon überlassen. Gemeinsam mit Georg Lindermair beschloss Wille 2014 Etepetete zu gründen.

Nun stellte sich nur noch die Frage, wie das Gemüse zu den Verbrauchern gelangen sollte. Zunächst versuchten die Gründer, es zu gesunden Produkten zu verarbeiten. Die Freunde mieteten eine Großküche an und bestellten 400 Kilogramm Gemüse. 19 Stunden lang schnibbelten die jungen Männer, um einen „kreolischen Kichererbseneintopf‟ zuzubereiten, den sie in Gläser abfüllen wollten. „Leider hatten wir absolut keine Ahnung davon, wie man so etwas haltbar macht‟, erzählt Wille. Nach wenigen Tagen war alles verschimmelt.

Keine Scheu vor krummen Ackerfrüchten

Sie überlegten sich einen neuen Ansatz: Die Kunden sollten direkt in Kontakt mit dem besonderen Gemüse kommen. Sie sollten Gelegenheit haben, herzförmige Auberginen, Zucchinis mit Nase und verdrehte Pastinaken selbst in der Hand zu halten und zuzubereiten. So war die Gemüseretterbox geboren, die im Abo nach Hause geliefert wird.

Schnell war klar – anders als der Handel hatten die Verbraucher keine Scheu vor den krummen Ackerfrüchten, im Gegenteil. Als die Etepetete-Crew vor einigen Wochen auf dem Streetlife Festival in München ihren Stand aufbaute, konnte Wille es selbst beobachten: Die Besucher hatten Freude daran, sich die krummsten und ungewöhnlichsten Formen von allen aus den Kisten herauszupicken.

Keine Abstriche beim Geschmack

Beim Geschmack müssen die Fans des Wildwuchses keine Abstriche machen. Das Gemüse bezieht Etepetete ausschließlich aus biologischem Anbau, wo in der Regel mehr auf die Qualität geachtet werde, sagt Wille: „Es sind absolute Premiumprodukte und das merkt man auch am Geschmack.‟

Allerdings machen kleinere Makel wie aufgeplatzte oder gequetschte Stellen das Gemüse etwas schlechter haltbar, weil es so schneller schimmelt. Schwierig kann sich auch die Zubereitung gestalten – zum Beispiel lässt sich eine mehrzipfelige Möhre nicht so sauber schälen, wie die genormte Variante. Wegen des kontrollierten Anbaus ist das aber auch nicht unbedingt nötig, sagt Wille. „Bei uns gilt: Bitte rein beißen!‟

Bei Biobauern geht’s ursprünglicher zu

Dass grade die Bio-Bauern Gemüse mit ungewöhnlichem Aussehen produzieren, sei übrigens kein Zufall. Während die konventionelle Landwirtschaft hochgezüchtete, schnell sprießende Sorten kultiviert, geht es bei den Biobauern ursprünglicher zu, sagt Wille: „Krumme Formen sind ein Zeichen von natürlichem Wachstum. Wenn im Boden ein Stein liegt, wächst die Möhre eben drum herum.‟

Auch geschäftlich ist die Gemüseretterbox ein Erfolg. Fast von Beginn an habe sich das Unternehmen getragen. Genaue Summen will Wille nicht nennen, als Barometer für den Erfolg gibt er aber gerne die Menge Gemüse an, die bereits durch Etepetete gerettet wurde. Über 25.000 Tonnen kommen seit dem Versandstart der Boxen Mitte Juli 2015 zusammen.

Gemüsebox deutschlandweit erhältlich

Inzwischen ist die Gemüsebox deutschlandweit erhältlich, wobei versucht wird, jeden möglichst mit Gemüse aus seiner Region zu versorgen. Und auch die Convenience-Sparte, die mittlerweile ein Koch betreut, wächst. Derzeit werden neue Produkte entwickelt: Chips aus roter Beete und Pastinaken, Pestos, Suppen und Vinaigretten.

Etepetete läuft so gut, dass es schneller als gedacht zum Vollzeitjob für Carsten Wille wurde. Dank des Geschäftserfolgs liegt sein BWL-Studium nun auf Eis. Kein Problem, sagt Wille, auch wenn er den letzten fehlenden Schein irgendwann einmal nachholen möchte. „Aber es ist eben so: Jetzt verkaufe ich erst einmal krummes Gemüse.‟ irh

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