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    Weil es keine Einwegverpackungen gibt, fallen auch keine Kosten dafür an. Diese Ersparnis gibt Original Unverpackt an die Kunden weiter.
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    Sara Wolf und Milena Glimbovski (von links) vor ihrem Geschäft in Berlin: „Einfach loslegen. Am Ende kommt eh immer alles anders.“
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    Täglich besuchen im Schnitt 120 Kunden den verpackungslosen Supermarkt Original Unverpackt.
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    Bald will Original Unverpackt auch Produkte aus eigener Herstellung anbieten.
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    Linsen in einem Behälter: „Es hat sich gezeigt, dass in der Lieferkette mancher Produkte leider doch Müll anfällt.“
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    Die Kunden kommen mit Gläsern, Mehrwegflaschen oder Dosen in den Laden und füllen diese mit Müsli, Nudeln, Linsen, Säften, Ölen oder Milch aus Plexiglasbehältern.
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    Wer sich genau die Menge aus den Behältern rauslassen kann, die er braucht, kauft nie zu viel.
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    Verschiedene Bestandteile von Müsli in Behältern: „Skurril war, dass einmal ein Kunde Müsli in seine Mütze abgefüllt hat.“
01.10.2015|Bessermacher
Original Unverpackt

„Einfach loslegen“

Original Unverpackt – Ein Jahr ist es her, dass Milena Glimbovski zusammen mit Sara Wolf in Berlin ihren verpackungslosen Supermarkt Original Unverpackt eröffnet hat. Nun zieht Glimbovski erstmals Bilanz, blickt in die Zukunft und verrät, was sie heute anders machen würde.

Ein Einkauf bei Original Unverpackt (OU) läuft etwas anders ab als gewohnt: Die Kunden kommen mit Gläsern, Mehrwegflaschen oder Dosen in den Laden und füllen diese mit Müsli, Nudeln, Linsen, Säften, Ölen oder Milch aus Plexiglasbehältern. Weil es keine Einwegverpackungen gibt, fallen auch keine Kosten dafür an. Diese Ersparnis gibt OU an die Kunden weiter, weshalb viele Produkte günstiger sind als anderswo. Ziemlich genau ein Jahr nach der Gründung scheinen die Geschäfte gut zu laufen. Das Telefon-Interview mit GWEN-Redakteur Hannes Weik muss Glimbovski mehrmals kurz unterbrechen, um sich um die Anliegen ihrer Kunden zu kümmern.

GWEN Magazine: Frau Glimbovski, wenn Sie die Zeit zurückdrehen und OU noch einmal gründen könnten, was würden Sie dann anders machen?

Glimbovski: Sara und ich hätten uns weniger an der Theorie festbeißen, sondern einfach loslegen sollen. Am Ende kommt eh immer alles anders. Wir haben zum Beispiel völlig unterschätzt, wie wichtig ein Frischesortiment mit Obst und Gemüse ist. Das haben wir lange ziemlich stiefmütterlich behandelt, weil das ja jeder konventionelle Supermarkt auch hat. Und jetzt zeigt sich, dass das mit am besten läuft. Wir sollten einfach mehr auf unser Bauchgefühl hören.

GWEN Magazine: Welches waren die schönsten, schlimmsten und skurrilsten Erlebnisse seit der Eröffnung im September 2014?

Glimbovski: Das Schönste ist natürlich, dass die Leute tatsächlich in unseren Laden kommen. Das freut uns jeden Tag! Zuvor ist zwar das Crowdfunding gut gelaufen, aber das heißt ja nicht automatisch, dass am Ende tatsächlich jemand zum Einkaufen kommt.

Ein wirklich schlimmes Erlebnis hatten wir bisher zum Glück nicht. Es hat sich aber gezeigt, dass in der Lieferkette mancher Produkte leider doch Müll anfällt. Das ist uns erst bei der Anlieferung klar geworden. Da schauen wir jetzt genauer hin. Eine Studentin erstellt gerade eine Ökobilanz für alle Produkte in unserem Sortiment.

Skurril war, dass einmal ein Kunde Müsli in seine Mütze abgefüllt hat. Er hatte kein Einmachglas oder sonst ein passendes Behältnis dabei und die Stoffbeutel, die wir für solche Fälle anbieten, wollte er auch nicht haben.

GWEN Magazine: Im Schnitt kommen täglich etwa 120 Kunden in Ihr Geschäft. Können Sie davon leben?

Glimbovski: Ja, können wir. Es kommt zwar kein großes Plus raus, aber es reicht für die Miete und alle Gehälter.

GWEN Magazine: Welches sind die beliebtesten Produkte?

Glimbovski: Generell alles, was es woanders nicht gibt, zum Beispiel Zahnputztabletten, Bambus-Zahnbürsten oder Tofu aus Kreuzberg. Sehr gut laufen auch Eier, Müsli oder Nüsse, weil das bei uns günstiger ist. Chia-Samen werden gerne genommen. Die sind sehr gesund, da sie unter anderem Omega-3-Fettsäuren enthalten. Man kann sie unters Müsli mischen oder als Zutat für Smoothies verwenden.

GWEN Magazine: Sie haben OU als Franchise-Unternehmen gegründet. In welchen Städten gibt es inzwischen Niederlassungen?

Glimbovski: Bisher gibt's nur unseren Laden in Berlin-Kreuzberg. Das Projekt Franchise pausiert, weil OU langsamer wächst als angenommen. Wir warten lieber noch, bis wir groß genug sind und unser Sortiment vollständig ist. In der Zwischenzeit geben wir in Seminaren unser Wissen an Leute weiter, die ebenfalls ein Geschäft ohne Verpackungsmüll eröffnen möchten. Sieben solche Läden sind bisher in Deutschland nach dem OU-Vorbild eröffnet worden – nicht alle mit unserer Hilfe. Sieben weitere folgen in den kommenden Monaten.

GWEN Magazine: Was haben Sie für die Zukunft sonst noch alles vor?

Glimbovski: Wir wollen bald auch Produkte aus eigener Herstellung anbieten. Schon in wenigen Wochen werden wir unsere eigene Sojamilch ins Sortiment aufnehmen. Geplant sind auch eine hauseigene Tomatensoße und ein Nutella-Ersatz. Das wird aber beides noch etwas dauern. Langfristig wollen wir auf andere Supermarktketten zugehen, damit sie OU-Produkte in ihr Sortiment aufnehmen.

GWEN Magazine: Frau Glimbovski, vielen Dank für dieses Gespräch.

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