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10.03.2017|Bücher
Rezension

Einfach zuviel Schrott

Rezension – Stefan Schridde prangert in seinem Buch „Murks? Nein danke!“ Hersteller an, die angeblich absichtlich Verschleißteile in ihre Produkte einbauen, damit bald eine Neuanschaffung nötig ist. Außerdem zeigt er, wie Verbraucher sich gegen solche Machenschaften wehren können.

Jeder hat diese Erfahrung schon einmal gemacht: Der Drucker streikt – nur wenige Tage nach Ablauf der Garantie. Die Waschmaschine gibt den Geist viel zu früh auf und beim Stabmixer brechen schon bald die ersten Kunststoffverbindungen.

Schridde ist Initiator und Vorstand einer Verbraucherschutzorganisation, die den Titel seines Buches trägt: Murks? Nein danke! In seinem gleichnamigen Internetportal darf jeder Produkte auflisten, mit denen er schlechte Erfahrungen gemacht hat – eine Art digitaler Pranger für Murks-Hersteller. Mittlerweile sind dort tausende Einträge hochgeladen. Schridde meint, die Hersteller trieben durch die kurze Lebendauer ihrer Produkte die Umsätze in die Höhe. Andere hingegen sind der Ansicht, die Industrie reagiere nur auf ihre Kundschaft, die nach immer billigeren Produkten verlange. Welche Erklärung die richtige ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Das Ergebnis aber ist immer dasselbe: Millionen Tonnen Elektroschrott, die nicht selten auf Müllkippen in Entwicklungsländern landen. Und genau hier, so Schridde, habe er eine Verantwortung gegenüber seinen Kindern und Enkeln. Er nennt das „Enkelfähigkeit“.

Charmante Ideen

Im Grunde, so Schridde, übertrage die Industrie die Idee der geplanten Produktobsoleszenz auf alles, was wir kaufen: Updates seien häufig unnötig, führten aber dazu, dass das Smartphone irgendwann nicht mehr funktioniere. Die Mode treibe ständig die Umsätze in die Höhe: Wir schaffen ständig neue Kleider und Schuhe an – und schmeißen sie weg, sobald sie nicht mehr ganz en vogue sind. Dabei können längst ungeliebte Kleidungsstücke im Internet getauscht werden. Und für (fast) alles andere gibt es inzwischen überall im Land Repair Cafés.

Und auch Schridde entwickelt in seinem Kampf gegen die geplante Produktobsoleszenz charmante Ideen: Er will einen Negativpreis „Murks des Jahres“ ausrufen und in Berlin ein „Murkseum“ eröffnen – eine Schrottsammlung, die anschaulich auf die Folgen der Billigkultur hinweist. tk

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