Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung » OK
13.01.2015|Bücher
Rezension

Ölverschmiert nachdenken

Viele (Büro-)Menschen erleben ihre Arbeit als sinnentleert und entfremdet. Ob der Griff zum Schraubenzieher dem etwas entgegensetzten kann, das erkundet Matthew B. Crawford in seinen Buch „Ich schraube, also bin ich“.

Crawfort erlebt eine Sinnkrise und rechnet in seinem Buch mit unserem Schulsystem und unseren gesellschaftlichen Verhältnissen ab – und analysiert sie schonungslos. In Schulen und Universitäten, die gesellschaftliche Aufgaben übernehmen, gehe es nicht mehr um „gemeinsame inhaltliche Leistungen“, sondern um „symbolische, selektive Unterscheidungen“. Was heute in der Berufswelt zählt, sei der Titel, nicht mehr das Können. Die heutige Arbeitswelt hindere den Menschen daran, sich zu entfalten, sich selbst zu entdecken.

„Ich versuche, ein guter Motorradmechaniker zu sein, ich will das eigene Handeln bis zu seinen Ursprüngen zurückverfolgen, will etwas über das gute Leben lernen“, schreibt der Autor. Und wir folgen Ihm gerne, genauso wie schon vor vierzig Jahren der Abhandlung von Robert M. Pirsig „Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten“.

Ein paar Wermutstropfen

Es ist die Mischung aus Autobiografie und philosophischer Abhandlung, eine Auseinandersetzung mit den Folgen unseres modernen Lebens und der Frage, welche Werte im Leben eigentlich wichtig sind, die dieses Buch absolut lesenwert machen.

Allerdings gibt es ein paar Wermutstropfen: In Deutschland gibt es ein duales Ausbildungssystem, und es gibt eine lange, tief verwurzelte Handwerkstradition – vom Geigenbauer bis zum Mechatroniker. Und es gibt viele Tendenzen, diese Berufe aufzuwerten und junge Leute in einen Handwerksberuf zu führen. Das ist in den Vereinigten Staaten, Crawfords Heimat, ganz anders gelagert und schon daher nur schwer mit den hiesigen Verhältnissen vergleichbar. tk

© 2014 - 2020 GWEN Magazine