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    Eine Stampflehnwand als tragende Wand im Neubau
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    Ricola-Kräuterzentrum in Laufen, eines der größten Gebäude aus Lehm
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    Pisé-Hochhaus in Weilburg
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    Lehm kommt fast überall auf der Welt vor.
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    Lehmziegel werden gepresst
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    Fertige Lehmziegel
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    Unterschiedliche Lehmarten
12.03.2019|Wohnen + Leben
Lehmarchitektur

Wohnen in Sand und Schluff

Lehmarchitektur – Der älteste Baustoff der Welt wird wiederentdeckt: Lehm ist fast überall zu finden, kostengünstig, energiesparend und gut zu recyceln.

Das „Pisé-Haus“ in Weilburg an der Lahn hat eine schlichte Fassade. Eigentlich war es bloß eine Notlösung: Die Herzöge dort hatten für ihr Schloss die Wälder der Umgebung geplündert – und deshalb die Untertanen zum Holz-Sparen verdonnert. Heute ist die hessische Kleinstadt stolz auf den „höchsten Lehmstampfbau Europas“: Die sechs Stockwerke halten sich schon seit gut 200 Jahren tadellos aufrecht. Das müssen Beton-Konstruktionen erst einmal nachmachen. Insgesamt stehen in Weilburg 20 historische Gebäude aus Lehm. Mittlerweile interessieren sich dafür nicht nur Denkmalschützer, sondern auch moderne Baumeister. 

Häuser aus der Erde zu bauen, auf der sie stehen, ist „ein wichtiger Beitrag zum ökologischen und gesellschaftlichen Wandel“, findet die französische Architektin Dominique Gauzin-Müller: „Lehm kommt fast überall auf der Welt vor. Lehm reguliert die Luftfeuchtigkeit und speichert Wärme; Verarbeitung und Transport benötigen kaum Energie. Dieser ökologische, lokale und kostengünstige Baustoff kann unseren Bedarf an günstigen und komfortablen Unterkünften zumindest teilweise abdecken.“ Neue Lösungen seien dringend nötig, denn „das Bauen ist für ein Drittel des globalen Ressourcenverbrauchs und fast die Hälfte des Energieverbrauchs verantwortlich“. 

 

Ausgezeichnete Erde

Zusammen mit dem Forschungszentrum CRAterre organisierte Gauzin-Müller im Jahr 2016 den „Terra Award“, den ersten internationalen Preis für zeitgenössische Lehm-Architektur. Die Kriterien: architektonische Qualität und Ortsspezifität, aber auch Einsatz und Weiterentwicklung traditioneller Techniken. Die Jury unter Vorsitz des Pritzker-Preisträgers Wang Shu konnte 357 Bewerbungen aus 67 Ländern begutachten. Eine Wanderausstellung mit der Präsentation der 40 Finalisten hat im Frühjahr 2019 im Berliner „Aufbau Haus“ ihre letzte Station.Der nächste Terra-Award ist für 2020/21 geplant.

Mischungen aus Ton, Schluff und Sand ergeben nicht nur in trockenen Wüsten, sondern auch in nördlichen Industrieländern formschöne Kreationen. Das beweisen zum Beispiel Projekte wie das „Wohnhaus J“ in Darmstadt: Wände aus Stroh und Lehm bewahren in Sommernächten die Kühle und speichern im Winter die Sonnenwärme. In Sempach wurde aus vorgefertigten Stampflehm-Bauteilen das Besucherzentrum der Schweizer Vogelwarte gefertigt. Beim städtischen Hallenbad im spanischen Toro stabilisieren Zement und Kalk die Lehmwände. Das Archäologiemuseum im elsässischen Dehlingen kombiniert Elemente aus Stroh- und Stampflehm, die mit Kork verdämmt sind. Der indische Architekt Satprem Maini fügt gepresste Lehmsteine zu Gewölben von mehr als 10 Meter Spannweite. 

 

Stampflehm statt Beton

Das derzeit größte Stampflehm-Gebäude Europas ist eine Lagerhalle, die das Architekturbüro Herzog & de Meuron für den Schweizer Bonbon-Hersteller Ricola in Laufen entworfen hat: 111 Meter lang, 29 breit, 11 hoch. Kiesige Erde, Mergel und Lehm dafür wurden in der Nähe gewonnen. Für den Bau der 3.000 Quadratmeter großen, selbsttragenden Fassade errichtete der Unternehmer Martin Rauch bei der Baustelle eine Anlage, in der die Lehmschichten in einer Schalung gestampft wurden. Rauch, der selbst in einem von ihm gebauten Lehmhaus wohnt, schwärmt vor allem vom „positiven Raumklima“.  Außerdem sei Lehm „das einzige Baumaterial, das unbeschränkt und ohne Qualitätseinbußen wiederverwendet werden kann“. 

In Darmstadt hat Rauch auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne am „Alnatura Campus“ mitgearbeitet. Der neue Unternehmenssitz der Bio-Supermarktkette wird im Frühjahr 2019 bezogen und als „Europas größtes Bürogebäude aus Lehm“ beworben: 13.500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche für 500 Mitarbeiter. Für die Aussenfassaden aus Stampflehm-Fertigteilen mit innenliegender Kerndämmung wurde unter anderem Tunnelaushub von Stuttgart 21verwendet.  

 

Neubauten aus Abfall

Am liebsten würde Rauch überall Aushub verarbeiten. „Die heute üblichen kurzen Bauzeiten lassen aber oft eine Vor-Ort-Produktion nicht zu“, bedauert der umtriebige Vorarlberger. Daher setzt er auf Vorfertigung: „Fertigteilbauweise ermöglicht eine wetterunabhängige Produktion, ist terminlich genau kalkulierbar und verkürzt die Arbeitszeit auf der Baustelle. Die Trocknungsphase findet komplett im Werk statt. Die Koordination auf der Baustelle ist einfacher und genauer planbar. Arbeitsgänge können durch Modulsysteme optimiert und rationalisiert werden.“ 

Lehmbau erreicht nun zunehmend industrielle Dimensionen. In Sevran am Rand von Paris ist Ende 2018 das Projekt „Cycle Terre“ gestartet mit dem Slogan: „Gestern Abfall, heute Ressource. Die Erde, eine neue Natur in der Stadt.“ Eine Pilotfabrik soll pro Jahr 25.000 Tonnen Aushub zu Lehm-Bauelementen und Putz verarbeiten – und Fachleute für möglichst viele Nachahmer ausbilden. Der Nachschub wird dieser Demonstrationsanlage für Kreislaufwirtschaft nicht so schnell ausgehen: Auf Baustellen im Großraum Paris fallen jährlich 20 bis 35 Millionen Tonnen Erde an. Bislang wird der Aushub auf gigantischen Müllkippen deponiert; er macht etwa 90 Prozent aller städtischen Abfälle aus. In Zukunft sollen daraus Bausteine für neue Stadtviertel werden. Martin Ebner

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