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    Transition Town Freiburg nutzt Baumscheiben im gesamten Stadtgebiet für Urbanes Gärtnern.
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    Ziel der Anhänger von Transition Town Freiburg ist die Selbstversorgung mit Lebensmitteln.
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    Deshalb hat die Initiative auf innerstädtischen Flächen - wie hier vor dem Stadttheater - Beete angelegt.
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    Im WandelGarten im Stadtteil Vauban hat Transition Town Freiburg Hochbeete angelegt.
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    Seit 2008 bezahlen die Freiburger mit ihrer eigenen Währung, dem Freitaler. Die Geldscheine zeigen Motive aus der Stadt, zum Beispiel das Münster ...
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    ... oder das Stadttheater.
19.11.2014|Wohnen + Leben
Transition Towns

Sanfter Entzug vom Erdöl

Transition Towns − Das Fördermaximum liegt hinter uns – und damit auch die Zeit des bezahlbaren Erdöls. Seither steigen die Preise. Immer mehr Menschen schließen sich deshalb zu Transition Towns zusammen und bereiten sich auf die erdöllose Zukunft vor.

Wir sind alle süchtig. Nach einer zähflüssigen, bräunlich-schwarzen Flüssigkeit: Erdöl und seine Veredelungsprodukte treiben die meisten unserer Fahrzeuge an, heizen unsere Wohnungen, schmieren unsere Maschinen und lassen sich zu Kunststoffen verarbeiten.

Erdöl ist ein endlicher Rohstoff. Das wissen wir alle. Aber die meisten von uns wollen es nicht wahrhaben. „Es gibt Anzeichen, dass wir bereits um 2006 das Fördermaximum erreicht haben“, sagt Paul Nellen, Gründer und erster Vorsitzender des PostFossil Instituts in Hamburg. „Die Zeit des billigen Öls ist seither vorbei. Es wird zu einer immer stärker umkämpften Ressource. Deshalb müssen wir Abschied nehmen, solange das noch ohne Zwang möglich ist.“

Gemeinsame Vorbereitung auf eine erdölärmere Zukunft

Zu dieser Einschätzung scheinen derzeit immer mehr Menschen zu kommen. Engagierte Bürger auf der ganzen Welt schließen sich zu Transition Town Initiativen, zu „Städten im Wandel“, zusammen und vollziehen systematisch den sanften Entzug von der Droge Erdöl und anderer fossiler Energieträger. Ihr Ziel ist eine lebenswerte, klimaneutrale und relokalisierte Wirtschaft, die in keine Krise stürzt, wenn der Motor der Weltwirtschaft ins Stocken gerät.

„Die Transition Town Bewegung wächst in Deutschland und weltweit zur Zeit recht schnell“, stellt Gerd Wessling erfreut fest. Er engagiert sich schon seit 2009 bei Transition TownBielefeld, beim Transition Netzwerk D/A/CH und nimmt immer wieder europaweit an einschlägigen Tagungen und Workshops teil.

Selbstversorgung durch Obst- und Gemüseanbau im Stadtgebiet

Mehr als 100 Transition Towns gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits. Freiburg ist seit 2011 dabei. „Unser Ziel ist die Selbstversorgung“, sagt Hannes Steinhilber von Transition Town Freiburg. Zu diesem Zweck haben rund 300 engagierte Freiburger eine Gartenkooperative ins Leben gerufen. Gemeinsam bezahlen sie fünf angestellte Gärtner, die für sie auf neun Hektar Land Obst und Gemüse anbauen.

„Mit diesem Finanzierungsmodell umschiffen wir sämtliche Marktzwänge“, erklärt Steinhilber. „Die Ernte wird unter den Mitgliedern der Gartenkooperative verteilt.“ Der Anbau ist weitgehend klimaneutral, weil die Genossenschaft auf Kühlhäuser und Lastwägen verzichtet. Die kurzen Wege zu den Verbrauchern machen beides überflüssig.

Das zweite Standbein der Selbstversorger ist das sogenannte Urbane Gärtnern: „Wir bauen Lebensmittel auf innerstädtischen Flächen an“, sagt Steinhilber. „Ursprünglich haben wir das mehr oder weniger illegal als Guerilla Gärtner gemacht.“ Die Stadt habe die nächtlichen Pflanzaktionen aber geduldet. Daraus ist inzwischen eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden geworden. „Tief- und Gartenbauamt überlassen uns Flächen in Parks und auf Grünflächen, wo wir dann Beete anlegen.“

Sieben Solaranlagen liefern sauberen Strom

Gemeinschaftlich organisiert ist auch die Solar-Bürger-Genossenschaft, die zwar nicht direkt mit Transition Town Freiburg verbunden ist, aber die gleichen Ziele verfolgt: Die über 160 Mitglieder arbeiten an einer dezentralen Versorgung aus erneuerbaren Energiequellen.

Seit 2006 haben sie sieben Solaranlagen realisiert, die zusammen etwa 650 Megawattstunden Strom ins Netz einspeisen. „Ende 2013 haben wir außerdem ein Blockheizkraftwerk in Gundelfingen eröffnet“, berichtet Sprecherin Kaj Mertens-Stickel. „Ein weiteres planen wir direkt in Freiburg.“

Freiburg hat eine eigene Währung

Seit 2008 hat Freiburg außerdem seine eigene Währung, den Freitaler. „Er ist durch den Euro gedeckt“, erklärt Steinhilber, „und soll die regionale Wirtschaft fördern.“ Über 120 Geschäfte im Stadtgebiet nehmen den Freitaler an.

2013 haben die Freiburger Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 55.000 Euro mit der eigenen Währung bezahlt. „Weil der Freitaler anfangs eine reine Papierwährung war, waren größere Ausgaben in bar gar nicht möglich“, sagt Steinhilber. Deshalb könne seit Anfang 2014 auch online mit dem Freitaler bezahlt werden.

Es ist also vieles in Bewegung in der Transition Town Freiburg. „Wir haben viele Ideen, die wir zusammen umsetzen möchten“, sagt Steinhilber, „und tauschen uns mit anderen Transition Towns im deutschsprachigen Raum aus.“ haw

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