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14.10.2019|Wohnen + Leben

Leben ohne Müll

Müllfrei leben - Die Plastikflut in unseren Meeren ist in aller Munde. Dabei kann jeder Einzelne etwas tun, um seinen Müll zu reduzieren. Ein Besuch in Köln bei einer vierköpfigen Familie.

Wie viel Müll produziert eigentlich eine vierköpfige Kölner Durchschnittsfamilie? „Keine Ahnung“, sagt Julia Hennen achselzuckend und geht zu ihrem Mülleimer, den sie hinter der Küchentür deponiert hat. „Unseren gelben Müll müssen wir mittlerweile nur alle zwei Monate leeren. Restmüll haben wir kaum noch“, sagt sie. Ein Klebestreifen am Deckel des Behälters ist der Nachweis, wie häufig sie oder ihr Mann Wendel Hennen den Müll entsorgen müssen. Akribisch hält sie es nach. Auch, um selbst den Überblick über die Müllmenge zu erhalten. „Anfangs waren die Abstände wesentlich kürzer, jetzt werden sie länger“, erklärt sie. Ob sie es irgendwann ganz schaffen müllfrei zu leben, kann sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten. Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls geschaffen.

 

Das Auto wurde abgeschafft

Julia Hennen, ihr Mann Wendel und ihre Tochter Martha und Sohn Nepomuk sind das, was man eine bewusst und ressourcenschonend lebende Familie nennt. Ein Auto besitzen sie nicht. „Das war schon mit Moos besetzt, als wir es endgültig abgegeben haben“, sagt Wendel Hennen lachend. Sie fahren Fahrrad oder Bahn. „Wir wohnen hier in Sülz ja sehr zentral, da erübrigt sich ein Auto“, sagt seine Frau. In den Urlaub fahren sie mit dem Zug, auf Fliegen verzichten sie ganz.

 

Klamotten im Second Hand Laden kaufen

Klamotten kaufen sie häufig Second-Hand, auch für die Kinder. Nicht weil sie sich Neuware nicht leisten könnten, Julia Hennen empfindet es nachhaltiger so einzukaufen. Sie lebt bewusster, kauft, wenn sie Neuware kauft, fair und nachhaltig und einfach weniger. Ihr Mann, ein „klassischer Klamottenmännermuffel“ wie er selbst von sich sagt, habe quasi von je her, zumindest in diesem Punkt nachhaltig gelebt. Schuhe werden beim Schuhmacher repariert und Kinderklamotten auch mal umgeändert, wenn sie nicht mehr passen oder gefallen. „Guck mal hier, das hat Mama mir umgenäht“, sagt Martha und zeigt auf ihr T-Shirt, das für passend gemacht wurde. Für Martha und Nepomuk ist dieses Leben normal. Sie müssen auf nichts verzichten. „Natürlich kaufe ich ihnen auch mal ein Eis am Büdchen, auch wenn es mir im Hörnchen in der Eisdiele lieber wäre. Auch Spielzeug bekommen die beiden Geschwister. Das sind dann die Dinge, bei denen Müll anfällt.

Es war im November 2017 als Julia Hennen begonnen hat, darauf zu achten, möglichst wenig Müll zu produzieren. „Bei Tante Olga fing es an“, so Hennen. Tante Olga ist nicht etwa eine nahe Verwandte mit ökologischem Bewusstsein. Tante Olga ist einer der ersten Unverpacktläden in Köln. Eher aus Neugierde kaufte Julia Hennen damals dort ein. Nudeln, Reis, Mehl sogar Zahnputzmittel, Haarwaschmittel und andere normalerweise in Plastik verpackte Waren werden dort ohne lästige Umverpackung anbeboten. Auch Süßigkeiten und Knabbereien. Nicht ganz preiswert, wie auch Hennen schnell feststellte, aber effektiv für diejenigen, die keinen oder kaum Müll produzieren wollen. Trotzdem sind die Lebenshaltungshaltungskosten von Familie Hennen nicht in die Höhe geschnellt. „Wir geben definitiv nicht mehr Geld aus. Das funktioniert nur, weil ich wesentlich geplanter einkaufen muss. So fallen Spontankäufe im Supermarkt komplett weg“, erklärt Julia Hennen. Der Griff nach etwas, worauf sie oder die Kinder spontan Lust haben, fällt weg.

 

Einkauf muss geplant werden

Der Einkauf muss geplant werden. Gemüse und Obst kauft sie auf dem Markt. Milch wird nur in Mehrwegflaschen mitgenommen und auch Säfte kauft sie ausschließlich im Glas. Das Wasser kommt aus der Leitung und wenn es sprudelig sein soll, wird es mit Kohlensäure versetzt. Kaffee kochen sie mit frischen Bohnen, die Wendel Hennen per Hand mit einer kleinen Mühle mahlt. Das Pulver wird dann ohne Filter aufgebrüht. Und sogar Putzmittel mischt sich Julia Hennen selbst zurecht. Griffbereit stehen drei Fläschen mit Zerstäuber auf der Ablage im Bad, wo sich Martha gerade die Zähne mit einer Zahnbürste aus Bambus putzt. In einem Glas vor ihr stehen kleine weiße Pillen. „Das ist unsere Zahnpasta“, sagt Hennen und erklärt: „Wenn sie mit Wasser in Berührung kommen, lösen sie sich auf, so dass ich mit der Zahnbürste ganz normal putzen kann.“

Shampooflaschen oder Duschgel sucht man vergebens im Haushalt von Familie Hennen. Kleine Seifen, die eine für den Körper, die andere für die Haare, liegen auf einer Holzablage an der Badewanne. „Das habe ich alles mit der Zeit gelernt, wie man welche Produkte ersetzen kann. Wir haben klein angefangen und unser Konsumverhalten nach und nach verändert“, blickt sie zurück, während sie den Einkauf vorbereitet. Auf dem Balkon holt sie einen Korb mit Leergut und leeren Marmeladengläsern hervor. Dann holt sie größere Einmachgläser aus dem Regal und platziert alles in ihren Rucksack.

 

Routinen aufgeben

Früher, da haben sich Wendel und Julia Hennen die Einkäufe aufgeteilt. Heute ist sie diejenige, die es allein erledigt. „Man muss Routinen aufgeben, um einen müllfreien Lebenstil in den Alltag zu integrieren“, sagt sie. Die Geschäfte liegen nun nicht mehr auf dem Arbeitsweg von ihrem Mann, deshalb hat sie es übernommen. Und mittlerweile ist ihr der neue Lebensstil fast in Fleisch und Blut übergegangen, auch wenn der Weg dorthin zugegebenermaßen anstrengend gewesen sei, wie sie sagt. (sw)

 

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