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    Wir hätten oft gerne, was andere haben, können es aber neu nicht bezahlen. Das lässt sich ändern – mit Tauschbörsen.
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    Tauschen verbindet.
02.01.2015|Wohnen + Leben
Tauschringe

Konsum mit sozialer Ader

Tauschringe – Wir werfen vieles auf den Müll, was eigentlich noch ganz in Ordnung ist. Und was andere liebend gerne hätten, aber neu nicht bezahlen können. Online-Tauschbörsen bringen diese beiden Parteien zusammen – völlig ohne Geld.

Im Sommer 2008 reisten Sophie Utikal und Susanne Richter, zwei Freundinnen aus Schulzeiten, per Couchsurfing durch Osteuropa. In der litauischen Hauptstadt Wilna war Justas Janauskas ihr Gastgeber. Er erzählte ihnen, dass er gerade an einer Online-Plattform namens vinted.lt arbeite, auf der Nutzer gebrauchte Kleider untereinander tauschen oder weiterverkaufen können. Utikal und Richter waren von dieser Idee sofort begeistert.

Die zwei Freundinnen brachten die Vision vom digitalen Secondhand-Laden nach Deutschland. Ein halbes Jahr später war der deutsche Ableger online, der Kleiderkreisel. Heute zählt er mit 1,6 Millionen Mitgliedern und über 9,5 Millionen umgesetzten Artikeln zu den größten Online-Tauschbörsen Deutschlands. Vor allem junge Frauen tummeln sich dort. Mit ein paar Klicks erstellen sie sich ein eigenes Profil und laden Fotos ihrer angebotenen Kleidungsstücke hoch. Über einen Chat können sie mit andren Nutzerinnen in Kontakt treten, um Tauschgeschäfte anzubahnen oder Preise auszuhandeln.

Zeit als Tauschobjekt

Rund 300 Tauschbörsen und -ringe gibt es derzeit in Deutschland. Nicht nur für Kleidung und Waren aller Art und nicht immer ausschließlich im Internet. Sogar Zeit ist dort zum Tauschobjekt geworden.

Es gibt inzwischen zahlreiche lokale Plattformen, auf denen Anwohner ihren Nachbarn zum Beispiel Hilfe bei der Gartenarbeit anbieten. Die Zeit, die sie aufwenden, um den Rasen zu mähen oder Hecken zu schneiden, wird ihnen anschließend auf ihrem Zeitkonto gutgeschrieben. Ein ganz einfaches Prinzip, das die Gemeinschaft stärkt. Einige Städte und Gemeinden haben das erkannt – und inzwischen eigene Tauschbörsen eingerichtet. Stuttgart zum Beispiel oder Bondorf, etwa 40 Kilometer südlich der Schwabenmetropole.

Auch das Verschenken ist über die Tauschringe wieder zu neuem Leben erwacht, etwa auf Websites wie AWA.

Punkte als Währung

Aber der Tauschhandel hat nicht nur das Internet erobert, sondern bevölkert zusehends auch die Straßen. Unlängst fand einer der ersten professionell ausgerichteten Swap-Markets in Berlin statt. Die Besucher brachten mit, was sie selbst nicht mehr brauchten, und bekamen dafür Punkte gutgeschrieben – je nach Zustand und Wert der Ware. Von dieser Punkte-Währung konnten sie sich anschließend selbst etwas aussuchen.

Von der Naturalwirtschaft, die bis weit ins Mittelalter hinein existierte, sind diese Swap-Markets und Online-Tauschbörsen gar nicht weit entfernt – und Mitmachen lohnt sich auf jeden Fall: Sie senken die Ausgaben, stärken die Gemeinschaft, dämmen die grassierende Ressourcenverschwendung ein und vermeiden Unmengen Müll. ph

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