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    Im Keller des Werkstadthauses Tübingen ist unter anderem eine Fahrradwerkstatt untergebracht.
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    Auch bei Problemen mit Software und Hardware ist das Repair Café die richtige Adresse.
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    Etwa 20 Reparateure bieten im Tübinger Repair Café ihre Dienste an – Tendenz steigend.
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    In Repair Cafés wird Nachhaltigkeit greifbar.
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    Für Ruheständler wie Wilfried Böhmler (links) sind Repair Cafés ein willkommenes Betätigungsfeld.
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    Bis spät abends ist im Tübinger Repair Café Betrieb.
13.10.2014|Wohnen + Leben
Repair Cafés

Gegen die Wegwerfkultur

Repair Cafés - In ganz Deutschland schießen gerade Repair Cafés wie Pilze aus dem Boden. Leidenschaftliche Tüftler setzen dort defekte Gerätschaften aller Art kostenlos instand – und vermeiden so unnötigen Müll.

Wilfried Böhmler schraubt einen alten Fön auf. Ein paar kleine, schwarze Plastikteile fallen dabei auf den Tisch. Sie bildeten offenbar die Halterung für den Motor, damit dieser die vielen Kabel nicht versengt und keinen Kurzschluss verursacht. „Dieses Gerät kann ich leider nicht mehr retten“, stellt der pensionierte Mechatroniker ernüchtert fest. „Das ist nicht schlimm“, beruhigt ihn die Besitzerin. „Ich habe noch einen anderen Fön.“

Immer am letzten Mittwoch im Monat verbringt Böhmler einige Stunden damit, defekte Haushaltsgeräte möglichst wieder flott zu kriegen. Dann nämlich hat das Repair Café im Werkstadthaus Tübingen geöffnet. Um Böhmler herum setzen weitere ehrenamtliche Helfer störungsanfällige Computer instand, legen Hand an beschädigte Fahrräder an oder flicken löchrige Kleidungsstücke – oft bis spät abends.

Repair Cafés schießen wie Pilze aus dem Boden

Seit das Repair Café im November 2013 erstmals seine kostenlosen Dienste angeboten hat, ist die Nachfrage groß. „Wir überlegen schon, ob wir zusätzlich einmal im Monat samstags öffnen sollen“, sagt Christina Just vom Werkstadthaus Tübingen. „Denn viele Besucher kommen aus den umliegenden Gemeinden und für die wäre es am Wochenende einfacher.“

Der Erfolg des Tübinger Repair Cafés lässt sich mit Klischees von sparsamen Schwaben und chronisch klammen Studenten nicht erklären. Denn auch in der übrigen Bundesrepublik schießen seit etwa einem Jahr Repair Cafés wie Pilze aus dem Boden. Tom Hansing von der Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis kommt mit dem Zählen kaum noch hinterher: „Ende Mai 2014 gab es circa 80“, schätzt er, „und etwa genauso viele waren in der Entstehungsphase.“

Ein Umdenken hat eingesetzt

Von seinem Münchner Büro aus berät Hansing in ganz Deutschland Menschen, die ein Repair Café gründen wollen. „In Teilen unserer Gesellschaft hat ein Umdenken eingesetzt“, fasst er seine Beobachtungen zusammen. „Viele Menschen wollen keine billigen Produkte mehr, die schon kurze Zeit nach dem Kauf auf dem Müll landen. Sie wenden sich gegen die Wegwerfkultur der Konzerne und legen wieder selbst Hand an.“ In Repair Cafés werde Nachhaltigkeit greifbar.

Für Ruheständler wie Wilfried Böhmler sind Repair Cafés ein willkommenes Betätigungsfeld: „Ältere Menschen sind in einer Zeit aufgewachsen, in der es selbstverständlich war, Kaputtes zu reparieren. In Repair Cafés sind ihre Fähigkeiten und ihr Wissen auf einmal wieder gefragt“, sagt Hansing.

Aber der Grund für den Erfolg der Repair Cafés liegt auch in deren einfachem Format: „Sie lassen sich überall schnell und einfach gründen“, weiß Hansing. Denn nachdem die niederländische Journalistin Martine Postma 2009 das weltweit erste Repair Café veranstaltet hatte, verfasste sie ein Manifest und gründete eine Stiftung. Wer ein Repair Café gründen will, kann dort ein Handbuch mit Tipps sowie Vorlagen für Logo, Flyer und Poster bestellen.

Tübinger Repair Café finanziert sich selbst

Christina Just vom Werkstadthaus Tübingen hatte das aber gar nicht nötig. „Wir hatten schon die passenden Räumlichkeiten“, sagt sie „und wie man ehrenamtliche Helfer findet, dafür müssen wir doch keine Ratgeber lesen.“

Etwa 20 Reparateure bieten im Tübinger Werkstadthaus inzwischen ihre Dienste an – Tendenz steigend. Und auch die Besucherzahlen stimmen: Gut 30 Gäste kommen jeweils mit ihrem defekten Hausrat ins Repair Café, setzen ihn zusammen mit den Helfern wieder instand – und hinterlassen als Dank eine kleine Spende. „Unser Repair Café finanziert sich fast von Anfang an selbst“, stellt Just zufrieden fest. haw

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