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    Gemeinsam ist man auch bei Versicherungen stark
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    Wie ein Puzzle: Gemeinsame Versicherungen
28.02.2018|Wohnen + Leben
Peer to peer

Einer für alle, alle für einen

Peer-to-Peer-Versicherungen – Solidarität und soziale Kontrolle in kleinen Gruppen könnten Krankenkassen und andere Absicherungen besser und billiger machen.

Im vergangenen Jahr haben InsurTech-Firmen mehr als zwei Milliarden US-Dollar von Investoren eingeworben, davon über 82 Millionen in Deutschland. Als Kampfansage reicht das, um die behäbige Welt der Assekuranz in helle Aufregung zu versetzen. Ohne Absicherung gegen Risiken wird es auch in Zukunft nicht gehen – doch braucht es dazu Drückerkolonnen und Versicherungskonzerne? Kommerzielle Herausforderer, aber auch idealistische Vereine entdecken erneut ein altbewährtes Modell: Gegenseitigkeit und Solidarität. 

„Gebt Euer Geld lieber für die schönen Dinge im Leben aus anstatt für überteuerte Makler, schicke Hochhäuser und fette Provisionen“, wirbt zum Beispiel Crowdheroes. Diese neue Online-Auktionsplattform will demnächst Versicherungswünsche bündeln, durch schiere Marktmacht die Policen-Preise purzeln lassen und letztlich Erstversicherer ausschalten, um direkt selbst mit Rückversicherern zu verhandeln. „Das Potential zur Kostenreduzierung ist sehr groß“, rechnet Johannes Matthias vor, der Gründer des Berliner Startups: Gerade einmal 15 Prozent der Versicherungsprämien würden derzeit für Schäden ausgegeben, der ganze übergroße Rest gehe drauf für Vertrieb und Verwaltung, Kontrolle und Gewinne. Die Branche sei reif für eine „digitale Revolution“.

 

Nervöse Platzhirsche

Versuche, den Versicherungsmarkt aufzurollen, werden gebremst durch hohe Eintrittsbarrieren: alteingeführte Marken, viele staatliche Vorschriften, langjährige Verträge, hoher Kapitalbedarf für Rücklagen. Die alten Platzhirsche profitieren vorerst auch davon, dass sie Geld anlegen konnten, als es dafür noch Zinsen gab. Und vom verbreiteten Unwillen des Publikums, sich mit Versicherungsthemen zu beschäftigen. 

Auf Dauer wird das alles aber Newcomer mit hippen Namen wie Schutzklick, Fairr.de, AppSichern oder Versicherix nicht aufhalten. Weltweit scharren schon mehr als 1.000 InsurTech-Firmen mit den Hufen, davon rund 90 in Deutschland. Der Kuchen ist einfach zu groß und verlockend: Allein in Deutschland kassieren Versicherungen über 193 Milliarden Euro pro Jahr an Prämien, mehr als sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts; sie verwalten auch ein Drittel des gesamten Vermögens.

 

Blockchain statt Papier

Eine Blockchain ist eine Reihe von Computer-Datensätzen, die mit kryptografischen Verschlüsselungsverfahren miteinander verkettet werden. Bei diesem dezentralen Registrierungssystem, dessen Teilnehmer sich gegenseitig überwachen, ist es unmöglich, nachträglich unbemerkt Einträge zu manipulieren oder zu löschen.

Genutzt wird die Blockchain-Technologie zum Beispiel für Kryptowährungen wie Bitcoin. Bei Versicherungen könnte sie den Verwaltungs- und Verifizierungsaufwand drastisch senken. Um Pilotprojekte voranzutreiben, haben 15 Versicherungsunternehmen aus aller Welt, darunter die größten Konzerne, im Jahr 2016 gemeinsam eine „Blockchain Insurance Industry Initiative (B3i)“ gestartet.

Die Zukunft beginnt wieder einmal im Meer: Eine der ersten praktischen Blockchain-Anwendungen für Versicherungen ist eine Plattform, die gemeinsam von EY, der estnisch-holländischen Sofwarefirma Guardtime, Microsoft, der Reederei Maersk und den Versicherungen MS Amlin und XL Catlin für den 30 Millarden US-Dollar schweren Markt der Schiffsversicherungen eingerichtet wird.

 

Grün und solidarisch

Keine neue Technologie, aber eine neue Idee hat die Versicherungsgenossenschaft Ver.de, die nach einer Crowdfunding-Kampagne seit November 2016 in München aufgebaut wird. Die Gründerin Marie-Luise Meinhold, die in einem früheren Leben für Allianz neue Produkte entwickelte, hat sich das „Modell einer wirklich nachhaltigen Sachversicherung“ so gedacht: Das eingesammelte Kapital wird nach ethisch-ökologischen Kriterien anlegt. Kunden, die sich im Alltag umweltbewusst verhalten, werden mit Öko-Punkten belohnt und zahlen niedrigere Beiträge. Und wenn der Kühlschrank oder anderer Hausrat kaputt geht, bekommen sie nicht irgendeinen Ersatz, sondern ein neues Produkt mit dem höchsten Ökostandard. Also im Schadensfall ein Öko-Upgrade. Die Tarife sollen dabei nicht teurer als herkömmliche Versicherungen sein. Ermöglicht werden soll das Wunder durch Policen mit Selbstbeteiligung. Ver.de nimmt noch neue Genossenschafter auf: www.unser-ver.de

 

Google kennt deinen Blutdruck

Der Ton schwankt zwischen Hype und Hysterie. Etablierte Versicherungen haben demnach drei Optionen: Entweder sich selbst kannibalisieren und mit Blockchain oder anderen Technologien ihre Kosten drastisch drücken. Oder beliebig austauschbare Dienstleister werden für Software-Konzerne und Betreiber von Internet-Plattformen, die den eigentlichen Reibach machen. Oder pleitegehen.

Versicherungsgesellschaften haben nicht nur ein schlechtes Image, sondern oft auch keine Ahnung, wer ihre Kunden sind und was sie wollen. Digital-Firmen wie Amazon oder Facebook wissen dagegen über Gesundheitszustand und Lebensumstände ihrer Nutzer bestens Bescheid: Sie können Risiken viel genauer berechnen. Datenschutz ist ohnehin nur eine liebenswerte europäische Marotte: In Südafrika zum Beispiel arbeitet Discovery Health daran, Genom-Analyse mit Versicherung zu verknüpfen. Wohl nicht zum Spaß hat sich Google bereits für mehrere US-Staaten Versicherungslizenzen besorgt.

 

Besser gemeinsam

Um hergebrachte Wertschöpfungsketten zu sprengen, setzen viele InsurTechs auch auf eine ebenso einfache wie altehrwürdige Idee: solidarische Absicherung. Sich in kleinen, überschaubaren Gruppen gegenseitig unter die Arme zu greifen, erspart Verwaltungskram und vermeidet Betrug.

Beispiele für die sogenannten „Peer-to-Peer-Versicherung“ sind InsPeer aus Paris und Friendsurance aus Berlin: Eine Gruppe schmeißt Geld zusammen, um bei einer traditionellen Versicherung etwa Kfz- oder Haftpflicht-Policen mit hoher Selbstbeteiligung zu kaufen. Das dabei gesparte Geld wird genutzt, um kleine Schäden unbürokratisch innerhalb der Gruppe zu regulieren – und ansonsten rückerstattet. 

 

Freunde betrügen nicht

Die bereits in fünf US-Bundesstaaten aktive Peer-to-Peer-, Blockchain- und auch sonst coole Sachversicherung Lemonade wirbt mit „Instant everything. Killer prices. Big heart.“ Einen Teil der rückzuerstattenden Gelder vergibt sie an gemeinnützige, von den Versicherten ausgesuchte Organisationen. Wer falsche Rechnungen einreicht, betrügt also nicht nur die Versicherung und die Freunde aus seiner Gruppe, sondern auch Greenpeace und das Rote Kreuz. Nicht uninteressant für eine Branche, in der Schummelei und Kontrolle wesentliche Kostenpunkte sind. Zu den größten Investoren von Lemonade gehört übrigens die Allianz SE. Durchaus denkbar, dass diese Beteiligung einmal mehr wert sein wird als das Stammhaus.

 

Solidarische Vereine

Viele Unterstützungsvereine wie Artabana , Solidarkunst, Solidago und Samarita sind für den Krankheitsfall dezentral in lokalen Gruppen mit jeweils 5 bis 30 Mitgliedern organisiert. Diese legen die Beiträge selbst fest (bei Solidago fix 10 Prozent des versteuerten Einkommens). Für Großfälle wie Krebsbehandlung sichern sie sich mit überregionalen Fonds ab (Samarita hat auch eine herkömmliche Rückversicherung). Über Auszahlungen entscheiden die Mitglieder bei ihren regelmäßigen Treffen. Arzt- und Therapiewahl sind weitgehend frei. Um Staatsgrenzen scheren sie sich auch nicht. Die Mitglieder haben keinen Rechtsanspruch auf bestimmte Leistungen, stattdessen versprechen sie sich gegenseitig tatkräftige Hilfe. Das kostet Zeit und Engagement und funktioniert nur mit solidarisch eingestellten, eigenverantwortlichen Menschen, die sich vertrauen.

 

Angst um Pfründe und Jobs

Obwohl die kleinen Solidargemeinschaften keine aktive Werbung machen und neue Mitglieder nur nach monatelanger Probezeit aufnehmen, sind sie den Gesetzlichen und Privaten Krankenkassen ein Dorn im Auge: Die Alternativen ziehen besonders Angehörige von Heilberufen an – überwiegend Gesundheitsbewusste, auch Gutverdiener, also „gute Risiken“. Außerdem könnte ihr subversives Beispiel Schule machen.

Da es in Deutschland eine Krankenversicherungspflicht gibt, können etablierte Versicherungen ihren Kunden den Wechsel zu einer Solidargemeinschaft verweigern. Rechtlich operieren Solidargemeinschaften daher oft weiterhin in einer Grauzone; manche Finanzämter genehmigen nicht, die Beiträge steuerlich abzusetzen. 

Die staatliche Skepsis gegenüber Revolutionen ist verständlich: Immerhin zahlt die Versicherungswirtschaft viel Steuern und bietet gute Versorgungsleistungen für Politiker. Allein in Deutschland beschäftigen derzeit rund 550 Versicherungsunternehmen auch noch insgesamt mehr als eine halbe Million Angestellte. 

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