Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung » OK
  • Solawi.jpg
    Foto: cine rebelde
22.11.2019|Wohnen + Leben
Ökologische Landwirtschaft

Du und dein Bauer

Regional, fair und Bio: "Solidarische Landwirtschaft" sucht Partnerschaft mit Verbrauchern und Umwelt.

Mais bis zum Horizont, allenfalls noch Erdbeeren oder Spargel: Monokulturen prägen die Rheinebene. Südlich von Freiburg aber wuchert ein bunter Fleck voller Zucchini, Roter Beete,  Fenchel, Petersilie. Eigens zur Düngung werden dort auch ein paar Dexter-Kühe gehalten. "Wir sind eine kleine Insel", sagt Luciano Ibarra stolz, ein "Trittstein zwischen Schwarzwald und Vogesen", zum Beispiel für Schmetterlinge.

Mischkultur auf kleinstem Raum

Über 70 Sorten Gemüse auf bloß 19 Hektar Ackerfläche: Betriebswirte schlagen da die Hände über dem Kopf zusammen. Mit der Logik der industriellen Landwirtschaft steht die Gartencoop Freiburg allerdings ohnehin auf Kriegsfuß: Verbraucher sollen nicht für einzelne Produkte bezahlen, sondern Geld für den Produktionsbetrieb zusammenschmeißen und auch mal selbst Hand anlegen. Das Konzept nennt sich Solawi: "Solidarische Landwirtschaft" soll umweltfreundlich sein, kleine Bauernhöfe retten, Stadt und Land näherbringen und überhaupt die Welt verbessern.

Mit dieser Art der Direktvermarktung liebäugeln immer mehr Landwirte. Meist bauen sie #gemüse, Kräuter, Beeren oder Pilze an; auch Imker überlegen, gemeinsam mit einem festen Abnehmerkreis zu produzieren. Wer teure und fixe Infrastruktur braucht, etwa wie Ställe oder Obstplantagen, tut sich damit schwer. Auf dem Ährenhof in Bergatreute, der jüngsten und bereits vierten Solawi im Landkreis Ravensburg, wollen nun aber zwei Familien nicht nur mit Gewächshaus und Hühnerzucht ihr Glück versuchen, sondern auhc mit 40 horntragenden Kühen.

Funktioniert das?

"Solidarisch" wirtschaften - geht das überhaupt? "Komplett gegen den Strom und nicht so bequem wie im Supermarkt. Bei uns funktionert das aber größtenteils.", berichtet Luciano Ibarra. Bei den Naturschutztagen in Radolfzell stellte er die Solawi vor, die er ab 2009 mitbegründete: 250 Mitglieder des Vereins Gartencoop Freiburg beschließen im November das Jahresbudget ihrer Grünzeug GmbH, die sieben Gärtner beschäftigt. Derzeit sind das 300.000 Euri, also pro Hauhalt etwa 100 Euro im Monat. Die Ernte wird geteilt.

Die Öko-Ziele werden ganz gut erreicht, findet Ibarra: "Bio-Gemüse, 100 Prozent samenfeste Sorten". Wegen Planung und Produktion nach Bedarf gebe es kaum Ausschuss oder Verschwendung, Kaum Ausgaben für Werbung und Marketing. Verteilung auf kurzen Wegen mit Latenfahrrädern. Unbeheizte Folientunnel und "strenge Saisonalität". Der Winter sei dabei nicht das Problem: "Da ist der Keller voll. Die große Herausforderung ist das Frühlingsloch. Sachen haltbar zu machen klappt bisher nur bedingt: viel Energieverbrauch, wenig Ertrag."

Probleme für die Solawi

Der Gegensatz zwischen Produzenten, die hohe Preise wollen, und Verbrauchern, die es gerne billig haben, hält sich hartnäckig, muss Ibarra zugeben: "Faire Löhne schaffen wir nicht wirklich." Die Gärtner von Gartencoop kommen auf rund 1.200 Euro - dabei brauche es für eine Solawi "eine gute Ausbildung und soziale Kompetenzen, die man in der Schule nicht lernt". Trotzdem bekomme der Verien viele Anfragen von Jugendlichen, die mitmachen wollen.

Am schwierigsten sei die Mitarbeit der Verbraucher, erläutert Ibarra: "Die Mitgliedschaft ist kein Gemüsekisten-Abo. Pro Jahr sind eigentlich fünf Arbeitseinsätze vorgesehen. Das funktioniert bis her nur so lala." Romantische Vorstellungen treffen dabei auf "Knallharte Realität": Setzlinge brauchen Wasser, Tiere müssen gefüttert werden, auch wenn Mensch gerade lieber ein freies Wochenende hätte. Städter sind schon mal irritiert, dass auch Bio-Bauern mit Maschinen arbeiten. Den Profis dagegen ist nicht immer geholfen, wenn Laien herumtapsen und versuchen, Salatköpfe abzusägen. So eine Solawi sei eben "ein Pionierort" und nicht nur für Gemüse gut: "Wir machen viel Wissensvermittlung."

Info: Die Freiberger Gemüse-Kooperative ist eine der bekanntesten Solawis, denn Luciano Ibarra ist auch Filmemacher: www.gartencoop.org

Biogas-Anlagen im Miniformat

Nachhaltige Energie - Biogasanlagen müssen nicht groß sein. Dass sie durchaus in kleine Gärten passen, zeigen zwei nachhaltige Unternehmen. Ihre Anlagen sind für den Hausgebrauch konzipiert.

Zurück zu den Wurzeln

Früher war alles besser. Was die ältere der jüngeren Generation gerne mit auf den Weg gibt, trifft für unseren Konsum allemal zu. Alte Gemüse- und Obstsorten aber auch alte Tierrassen erleben ein Comeback. 

Visionäre Ideen

Grüne Erfindungen - Am Anfang steht eine Vision. Am Ende vielleicht ein gut durchdachtes neues und vor allem nachhaltiges Produkt. Gwen-mag hat drei Jungunternehmer besucht und ihre Ideen unter die Lupe genommen.

© 2014 - 2020 GWEN Magazine