Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung » OK
  • Plantagon_Illustration_Sweco.jpg
    So soll das geplante Gewächs-Hochhaus im schwedischen Linköping aussehen. Bisher fehlt aber die Baugenehmigung.
  • Reis-Hochhaus_Gundula_Schieber.jpg
    Agrarwissenschaftler von der Universität Hohenheim wollen in so einem Hochhaus künftig Reis anbauen.
  • Asch_Reis_Hochhaus_Hannes Weik.jpg
    Bisher gibt es von dem Reis-Hochhaus aber nur ein hüfthohes Modell, das Agrarwissenschaftler Folkard Asch im Mai 2012 auf einer Pressekonferenz vorstellte.
  • KitchenFarming.jpg
    Mit "Kitchen Farming" zeigt der Designer Werner Aisslinger, dass Vertical Farming auch ganz ohne gläserne Hochhäuser funktioniert.
13.10.2014|Wohnen + Leben
Vertical Farming

Die grosse Vision scheitert

Vertical Farming - Wissenschaftler, Architekten und Unternehmer wollen in  Hochhäusern ressourcenschonend und hocheffizient Lebensmittel produzieren. Ihre Visionen scheitern an der Realität. Dabei funktioniert das Grundprinzip in jeder Küche.

Bis 2050 ist die Weltbevölkerung voraussichtlich auf etwa zehn Milliarden Menschen angewachsen. „Landwirte müssten eine Milliarde Hektar Land zusätzlich unter den Pflug nehmen, um derart viele Menschen ernähren zu können. Das ist eine Fläche 20 Prozent größer als Brasilen. Dabei sind heute schon über 80 Prozent der weltweiten Landfläche, auf der Getreideanbau möglich ist, kultiviert“, warnt Dickson Despommier von der Columbia University in New York.

Der bärtige Mikrobiologe sieht die Zukunft der Landwirtschaft deshalb in der Großstadt. Despommier gilt als geistiger Vater des Vertical Farming. Die Nahrungsmittelproduktion soll demnach künftig in gläsernen Wolkenkratzern stattfinden, die genau auf die Bedürfnisse der jeweiligen Pflanze zugeschnitten sind. Längst haben sich weltweit Forscher und Unternehmer dieser Vision verschrieben.

Reis aus dem Hochhaus

So könnte Reis in 30-stöckigen Hochhäusern angebaut werden. Das jedenfalls sehen Pläne der beiden Agrarwissenschaftler Joachim Sauerborn und Folkard Asch von der Universität Hohenheim vor: Die Pflanze könnte in diesem gigantischen Gewächshaus 365 Tage im Jahr völlig unabhängig von Jahreszeiten und Wetter wachsen – geschützt vor Schädlingen und Krankheiten. Auf einem Transportband würde der Reis durch das Gebäude wandern. Im Sekundentakt mit einer Nährlösung besprüht, kämen sie nach 120 Tagen reif in der obersten Etage an.

Aber sehr viel mehr als ein hüfthohes Hochhaus-Modell haben die beiden Forscher bisher nicht in die Tat umgesetzt. Zu viele Fragen sind noch offen. „Einen ersten Prototyp könnten wir frühestens in zehn bis 15 Jahren bauen“, sagt Sauerborn.

Kartoffeln aus dem Atomkraftwerk

Im schwedischen Linköping geht es anscheinend schneller voran. Dort feierte die Firma Plantagon Anfang 2012 den Spatenstich für das weltweit erste Gewächs-Hochhaus. Die Firma will in dem 60 Meter hohen Gebäude Blätterkohl anbauen, ein Gemüse aus Fernost. Mit den Arbeiten geht es aber nicht voran. Die Baugenehmigung fehlt.

Ohne teure Neubauten kommen hingegen die Vorstellungen anderer Wissenschaftler aus: So will der Gemüsebau-Professor Fritz-Gerald Schröder von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden leerstehende Hochhäuser und Fabrikhallen bepflanzen. Projektgelder hat er dafür aber bisher nicht bewilligt bekommen.

Auch die Vision von Susanne Hügel ist bisher nicht in die Tat umgesetzt. Die angehende Architektin von der Universität Stuttgart ist in ihrer Diplomarbeit der Frage nachgegangen, wie Kartoffeln in stillgelegten Atomkraftwerken angebaut werden können.

Kombinierte Fisch- und Tomatenzucht

Dass der Pflanzenbau auch ohne die Natur funktionieren kann, beweist ein Forschungsprojekt am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Dort hat Werner Kloas ein Verfahren entwickelt, mit dem Buntbarsche und Tomaten in einem Gewächshaus ressourcensparend und unter nahezu emissionsfreien Bedingungen gezüchtet werden können.

In dem geschlossenen Kreislauf nehmen die Tomaten das nährstoffreiche Abwasser aus der Fischzucht als Dünger auf. Dabei reinigen sie das Wasser, das dann wieder ins Fischbecken geleitet wird. Eine Kühlfalle fängt das Wasser ab, das durch die Pflanzenporen verdunstet. Deshalb kommt die Anlage mit einem Minimum an frischem Trinkwasser aus.

Gemüsebau in Küche und Bad

Aquaponik heißt diese Kombination aus Aquakultur (Fischzucht) und Hydroponik (Pflanzenzucht mit nährstoffreichem Wasser) – und eigentlich sind dafür weder gläserne Hochhäuser noch verlassene Fabrikhallen nötig. Aquaponik funktioniert in jeder Küche.

Wie, hat Star-Designer Werner Aisslinger im Frühling 2013 im Haus am Waldsee in Berlin vorgeführt. Seine Vision „Kitchen Farming“ war damals Teil seiner Ausstellung „Home of the Future“: In einem gewächshausartigen Regalbiotop baut Aisslinger verschiedene Gemüsesorten an, die mit Fischexkrementen gedüngt werden. Pilze züchtet er auf Kaffeesatz.

Auch das Bad könnte zu einem Ort der nachhaltigen und ressourcenschonenden Lebensmittelproduktion werden. Mit Feuchtigkeit absorbierenden, umkrempelbaren und weichen textilen Bad-Elementen speichert Aisslinger den Wasserdampf, der beim Duschen entsteht. Er wird dann an Pflanzen weitergeleitet. haw

Am besten aus zweiter Hand

Nachhaltig einkaufen – Flohmärkte und Verkaufsportale für Second Hand Ware sprießen aus dem Boden wie Pilze. Längst ist das Tragen gebrauchter Kleidung zum Trend geworden. Und nachhaltig ist er dazu auch noch. 

Top-Früchte, Top-Brände

Schnaps trinken für die Umwelt – Nirgendwo sonst gibt es so viele Schnapsbrenner wie im Schwarzwald. Schnaps ist aber nicht Schnaps: Bei Obstbränden geht es darum, den Ge­schmack der Früchte möglichst rein im Alkohol zu bewahren.

Wohnen in Sand und Schluff

Lehmarchitektur – Der älteste Baustoff der Welt wird wiederentdeckt: Lehm ist fast überall zu finden, kostengünstig, energiesparend und gut zu recyceln.

© 2014 - 2019 GWEN Magazine