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    Seit 2011 gibt es wieder Alblinsen zu kaufen.
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    Alblinsen verlangen ihren Erzeugern viel ab: Sie brauchen eine Stützpflanze, um in die Höhe wachsen zu können und die Erträge schwanken von Jahr zu Jahr stark.
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    Das einstige Arme-Leute-Essen hat längst Eingang in die Haute Cuisine gefunden.
27.10.2015|Wohnen + Leben
Alblinse

Comeback einer Spezialität

Alblinse – Jahrzehntelang galt die Hülsenfurcht als verschollen. Doch nach langer Suche und mühsamer Zuchtarbeit steht sie seit 2011 wieder in den Regalen von Feinkostläden und Bio-Märkten. Die Erfolgsgeschichte einer schwäbischen Spezialität.

Die „Alb-Leisa“ (Hochdeutsch: Alblinsen) sind kleiner als der Daumennagel eines Erwachsenen und verlangen ihren Erzeugern viel ab. 2014 kultivierten 70 Bio-Bauern auf der Schwäbischen Alb die Hülsenfrucht auf insgesamt rund 230 Hektar Ackerland und ernteten zusammen etwa 120 Tonnen. Der Anbau ist riskant und aufwändig: Die Alblinse braucht eine Stützpflanze, um in die Höhe wachsen zu können. Und die Erträge schwanken von Jahr zu Jahr stark.

In den Vierzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts war das noch ganz anders. Damals züchtete der Landwirt Fritz Späth spezielle Linsensorten, die an das raue Klima der Schwäbischen Alb angepasst waren und gut gediehen. Dennoch verschwand die Kulturpflanze in den Jahren darauf allmählich von den Feldern – und galt schließlich Anfang der Sechzigerjahre als verschollen.

Zufallstreffer beim Wawilow-Institut

Aber vergessen war die Alblinse nicht. Woldemar Mammel, ein bärtiger Bioland-Bauer aus Lauterach bei Ulm, und andere Landwirte versuchten ab 1985, den Linsenanbau auf der Schwäbischen Alb wieder zu beleben. Gar nicht so einfach, wie sich herausstellen sollte. Denn die zu diesem Zeitpunkt verfügbaren französischen „Vert du Puy“-Linsen mussten in jahrelanger Zuchtauswahl erst an das örtliche Klima angepasst werden.

Gleichzeitig wussten die Bauern aber noch von der Alblinse und den früheren Anbauerfolgen. Sie beschlossen, sich auf die Suche zu machen – und wurden schließlich 2006 eher zufällig fündig: in den online einsehbaren Datenbanken des Wawilow-Instituts in Sankt Petersburg.

Die Saatgutsammlung in der einstigen Hauptstadt des russischen Zarenreiches geht auf den Biologen Nikolai Iwanowitsch Wawilow zurück. Dieser hatte in den Zwanzigerjahren damit begonnen, Pflanzensamen aus der ganzen Welt zusammenzutragen und zu archivieren. Damit legte er den Grundstein für eine einmalige Sammlung, deren Wert die Weltbank auf über acht Billionen Dollar schätzt. 340.000 Samen lagern im Wawilow-Institut.

Viel Nachholbedarf bei der Linsenzucht

„Lens culinaris Nr. 2076. Spaths Alblinse I“ lautete der Datenbank-Eintrag, der Mammel und seine Mitstreiter euphorisch stimmte. Zusammen mit Vertretern von Slow Food machten sich die Landwirte auf den Weg nach Sankt Petersburg, um die so lange gesuchten Samen persönlich abzuholen.

Mit 250 Linsensamen kehrten die Bauern in die Heimat zurück und machten sich daran, die historische Alblinse zu vermehren – zuerst im Gewächshaus, später im Freiland unter genau festgelegten Boden-, Luft- und Wasserverhältnissen. „Es hatte in den vorangegangenen 50 Jahren keine Forschung mehr zur Linse gegeben“, erklärt Sabine Gruber, Professorin am Institut für Pflanzenbau der Universität Hohenheim. „Da mussten wir einiges nachholen.“ In einem Gemeinschaftsprojekt mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen und der Öko-Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa entstanden sorgfältig erstelle Anbaupläne, die mehrere Ernten pro Jahr ermöglichen.

Vom Arme-Leute-Essen zur Haute Cuisine

2011 war es schließlich soweit: Nach fast einem halben Jahrhundert gab es erstmals wieder Alblinsen zu kaufen, bisher nur regional. „Bevor wir die Alb-Leisa in einem größeren Umkreis verkaufen, wollen wir die Nachfrage in der Region bedienen. Denn wir finden es wichtig, dass die Verbraucher Nahrungsmittel bekommen, die vor der eigenen Haustüre wachsen“, sagt Lutz Mammel, der Sohn von Woldemar Mammel.

Die Zahl der Betriebe, die die Alblinse wieder anbauen, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Dennoch kommen die Landwirte mit der Produktion kaum hinterher. Denn das einstige Arme-Leute-Essen hat längst Eingang in die Haute Cuisine gefunden. tk/haw

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