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    Reiseblogger Sebastian Canaves in Glenorchy, Neuseeland: „Die Landschaft dort ist der Wahnsinn.“
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    Milford Sound, Neuseeland: „Ich selbst bin ein Befürworter von Einschränkungen und Kontrollen, um Reiseziele zu schützen, die regelrecht überrannt zu werden drohen.“
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    Mirror Lake, Neuseeland: „Erst abseits der Hauptreiserouten lernt man Land und Leute wirklich kennen.“
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    Canaves auf der Südinsel Neuseelands: „Von Bruce Chatwin sollte sich niemand den Spaß am Reisen verderben lassen.“
13.08.2015|Reisen
Tourismus

„Auf die Balance kommt’s an“

Tourismus – Sebastian Canaves erkundet Länder abseits der Hauptreiserouten und schreibt in seinem Blog „Off The Path“ über seine Erlebnisse. Im Gespräch mit GWEN-Autor Hannes Weik tritt er für Einschränkungen und Kontrollen ein, um überlaufene Reiseziele zu schützen.

Sebastian Canaves, 1988 auf der Ferieninsel Mallorca geboren, trat seine erste Flugreise schon im zarten Alter von drei Monaten an – und entwickelte sich im Laufe seines Lebens zum Weltenbummler. Nach dem Abitur wanderte er nach Australien aus, wo er 2008 bei einem Unfall schwer verletzt wurde. Unter diesem Eindruck kündigte Canaves schließlich seinen Job und machte sein Hobby zum Beruf: Er gründete den Reiseblog Off The Path. Gerade ist sein gleichnamiges Buch erschienen, eine „Reiseanleitung zum Glücklichsein“, in der er Tipps für einen gelungenen Urlaub fernab ausgetretener Touristenpfade gibt.

GWEN-mag: Herr Canaves, von dem britischen Schriftsteller Bruce Chatwin stammt die Feststellung „Tourismus ist eine Todsünde“. Kann das Reisen dann überhaupt noch glücklich machen?

Canaves: Von Chatwin sollte sich niemand den Spaß am Reisen verderben lassen. Der Tourismus hat sicherlich seine Nachteile, besonders an sehr beliebten und überlaufenen Destinationen: verschwenderischer Umgang mit knappen Ressourcen, übermäßig viel Müll und genervte Einheimische, die in ihrem Lieblingsrestaurant keinen freien Platz mehr finden, weil da jetzt Touristen sitzen. Allerdings kann Tourismus auch viel Gutes mit sich bringen.

GWEN-mag: Zum Beispiel?

Canaves: Abgesehen davon, dass er die Wirtschaft vor Ort ankurbelt und Arbeitsplätze schafft, erweckt der Tourismus auch alte Bräuche zu neuem Leben oder bewirkt, dass sie erhalten bleiben. Einfach, weil Urlauber sie sehenswert finden. Die lokale Bevölkerung lernt ihr eigenes Land wieder mehr zu schätzen. Außerdem fördert der Tourismus den Austausch zwischen den Kulturen. In Entwicklungsländern bessern sich die Hygienebedingungen, weil die Gäste andere Standards gewöhnt sind. Oftmals ist der Tourismus sogar Helfer im Kampf für Menschen- und Tierrechte. Wichtig ist nur, eine Balance zu finden – und das ist das Schwierige. Hier trägt jeder Reisende eine Verantwortung, genauso wie die Reiseveranstalter, Hotels und Fluggesellschaften. Aber auch die Reiseländer selbst.

GWEN-mag: In Ihrem Buch geben Sie Tipps für Reisen abseits ausgetretener Touristenpfade. Das ist so eine Sache: Einerseits sind es viele Urlauber leid, fernab der Heimat ständig auf die eigenen Landsleute zu treffen. Andererseits lenkt man mit solchen Ratschlägen den Tourismus aktiv in Gegenden, die davon bisher weitgehend verschont geblieben sind.

Canaves: Auch hier kommt es auf die Balance an. Ich weiß, dass ich und andere Reiseblogger viele Menschen mit unseren Geheimtipps erreichen. Wir müssen also mit der Gefahr leben, dass unsere sonst so leeren Lieblingsziele auf einmal von anderen Reisenden besucht werden. Aber Touristen, die massenweise anreisen, erreiche ich mit meinem Blog gar nicht.

GWEN-mag: Sie unterscheiden zwischen Reisenden und Touristen?

Canaves: Ganz genau. Reisende sind Menschen, die andere Staaten besuchen, um in deren Kultur einzutauchen und die Natur bewusst zu erleben. Ein Tourist hingegen besichtigt schnell die gängigen Sehenswürdigkeiten eines Landes und hakt es dann auf seiner Liste ab.

GWEN-mag: Lässt es sich irgendwie verhindern, dass der Massentourismus in abgelegene Gegenden vordringt?

Canaves: Ich selbst bin ein Befürworter von Einschränkungen und Kontrollen, um Reiseziele zu schützen, die regelrecht überrannt zu werden drohen. Da wäre also die Politik im jeweiligen Reiseland gefragt – und natürlich die Tourismuswirtschaft, die eigentlich sehr viel mehr an der Erhaltung von Natur und kulturellen Sehenswürdigkeiten interessiert sein müsste als am eigenen Profit.

GWEN-mag: Wie wichtig ist Ihnen selbst umweltverträgliches Reisen?

Canaves: Wenn ich in ein Land reise, achte ich immer darauf, möglichst wenig Müll zu verursachen. Ich verschwende nicht unnötig Wasser, wenn das dort knapp ist. Und ich verzichte darauf, Fleisch von bedrohten Tierarten zu essen, egal wie gut es angeblich schmecken soll. Das sind zwar nur Kleinigkeiten aber auf die kommt es am Ende an.

GWEN-mag: Wozu raten Sie Reisenden, die abseits ausgetretener Touristenpfade unterwegs sein wollen?

Canaves: Sie sollten auf alles gefasst und offen sein. Denn erst abseits der Hauptreiserouten lernt man Land und Leute wirklich kennen, trifft die echten Einheimischen und entdeckt leckere, landestypische Gerichte. Die schmecken dann auch nicht mehr wie zuhause. Die Menschen verständigen sich auf ganz andere Weise, sowohl verbal als auch über Gestik und Mimik. Die gewohnte Infrastruktur ist wohlmöglich nicht vorhanden. Und man muss sich auf Fremde verlassen. Dazu braucht es Vertrauen und Einfühlungsvermögen. Aber auch Geduld.

GWEN-mag: Welches war bisher Ihr schönstes Reiseziel?

Canaves: Neuseeland! Meine Freundin und ich waren im vergangen April dort und sind mit einem kleinen Wohnmobil über die Südinsel gefahren. Ich habe noch nie so viel auf einer Reise erlebt: schwimmen mit wilden Delfinen, Kajak fahren neben süßen Robben, stundenlang durch Schluchten wandern. Die Landschaft dort ist der Wahnsinn. Mal sieht es aus wie in Schottland, dann kommen auf einmal riesige Berge und ein uriger Dschungel. Im Norden der Insel gibt es Sandbuchten und dichten Regenwald. Die Einheimischen sind total nett – und kochen richtig leckeren Kaffee.

GWEN-mag: Herr Canaves, vielen Dank für dieses Gespräch.

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