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    Eine steile These: „Gegenüber einem normalen Fahrrad ist das E-Bike eine Umweltsauerei"
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    Ist auch grün drin, wo Grün draufsteht?
07.01.2019|Mobilität
E-Mobilität

Wie grün ist emobility wirklich?

E-Mobilität - Ist auch grün drin, wo grün draufsteht? Diese Frage nach der Ökobilanz von E-Mobilität darf erlaubt sein, und sie fällt, je nach Standpunkt, ziemlich ernüchternd aus.

E-Bikes produzieren keine Abgase und gelten allein deshalb schon als umweltfreundlich. Auch Autos mit Elektromotor scheinen ein Allheilmittel gegen den CO2 Ausstoß. Doch so einfach ist diese Gleichung nicht. Bei der Produktion liegen die Akkus bei den Emissionswerten nur knapp hinter Diesel- und Bezinfahrzeugen. Und die Rohstoffe müssen auch der gesteigerten Nachfrage stand halten.

„Gegenüber einem normalen Fahrrad ist das E-Bike eine Umweltsauerei. Ersetzt das E-Bike jedoch ein Motorrad oder gar einen SUV mit Benziner, spart es selbst bei der reinen Nutzung von Strom aus Braunkohle sehr viel CO2 ein.“ Das sagt Professor Rainer Merz, Leiter der Fakultät für Erneuerbare Energiesysteme an der Hochschule Karlsruhe. Merz schränkt aber auch ein, dass das Thema viel zu komplex sei, um es mit diesem einen Satz auf einen Nenner zu bingen.

 

Die Forschung beschäftigt sich mit der Elektromobilität

Es gibt mittlerweile einige Forschungsinstitute, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Am Fraunhofer Institut in Stuttgart etwa beschäftigt sich Michael Heldt, Leiter der Arbeitsgruppe Energie und Mobilität am Institut für Bauphysik mit der Ökobilanz von Mobilitätssystemen und somit auch der Elektromobilität. Eine Frage, die ihn und sein Team umtreibt, ist die nach der Bedürfniserfüllung von E-Autos für den Menschen und seinem Wunsch nach grenzenloser Mobilität. „Wir leben in einer Zeit, in der wir uns Gedanken machen müssen, wie wir langfristig Ressourcen schonen und mit ihnen haushalten können“, sagt Heldt. „Ein Auto etwa hat viele Komponenten, die wir im Rahmen der Ökobilanzierung bewerten. Wir schauen uns den Fahrzeugbau, die verwendeten Materialien sowie die Art ihrer Verwendung bis hin zur Entsorgung des Autos an – also von der Wiege bis zur Bahre“, so Held.

Eine der verwendeten Komponenten, die den Fraunhofer-Forscher interessiert, ist zum Beispiel die Batterie. Sie stellt derzeit eine Schlüsseltechnologie der Elektromobilität dar. Also auch die der E-Bikes. Die Herstellung der eingesetzten High-Tech Werkstoffe erfordern oftmals einen aufwendigen Abbau seltener Rohstoffe und eine energieintensive Verarbeitung. Das macht sich wiederum in der Ökobilanz der Elektrofahrzeuge bemerkbar.

 

Ein Akku mit 100 Kilowattstunden stößt bis zu zwei Tonnen CO2 bei der Produktion aus

Eine weitere Studie stammt aus Schweden. So hat das schwedische IVL-Institut die Emissionen von Ion-Lithium-Batterien untersucht. Darin betrachteten die Autorinnen vorhandene Datensätze etwas genauer. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass die Produktion der Batterien für jede Kilowattstunde Speicherkapazität des Akkus 97 bis 180 kWh an Energie verbraucht und dabei zwischen 150 und 200 Kilogramm CO2 ausstösst. Eine größere Batterie von 100 Kilowattstunde hat bis zu 20 Tonnen CO2 ausgestoßen allein durch die Produktion. Die Emissionen hängen dabei sehr stark von der Art und Größe des Autos ab.

 

Strom stammt immer noch hauptsächlich aus der Kohle und Kernenergie

Das Thema ist kompliziert und vielschichtig wie Dieter Teufel vom Umwelt und Prognose-Institut Heidelberg in einem Vortrag an der Hochschule Karlsruhe dargestellt hat. Strom stammt nämlich vorrangig aus der Steinkohle- und Braunkohle, gefolgt von der Kernenergie. Auch dies müsse bei der Debatte berücksichtigt werden. Und die Batterieentwicklung ist angesichts des Hypes um E-Mobilität in die Höhe geschnellt. „Die durch Elektroautos verursachten CO2-Emissionen liegen, anders als häufig angenommen, ungefähr auf gleicher Höhe wie bei Benzin- und Diesel-PKW. Elektroautos haben zwar am Fahrzeug selbst keine Emissionen, durch den Verbrauch von Strom verursachen sie jedoch bei der Stromerzeugung Emissionen, die ihnen zugeschrieben werden müssen. Außerdem verursachen sie bei der Herstellung einen höheren Ressourcenverbrauch als herkömmliche PKW“, so Teufel.

 

Es fehlen Langzeiterfahrungen mit der E-Mobilität

Während das Umweltbundesamt vor allem den geringen CO2 Ausstoß bei Fahrten mit dem Pedelec oder E-Bike anführt und diese alternativen Mobilitätsmöglichkeiten dem Pkw vorzieht, halten Skeptiker bislang mit der Herstellung dagegen. Was in jedem Fall fehlt, sind Langzeiterfahrungen, denn die E-Mobilität ist noch recht jung. Mindestens acht Jahre lang und 100 000 Kilometer weit müsste ein E-Bike oder Auto gefahren werden, um die Umweltbilanz verlässlich zu überprüfen. Das sagt ein Kollege der schwedischen Wissenschaftlerinnen.

In der gesamten Debatte um die Vorzüge der Elektromobilität bleibt ein wichtiger Aspekt oft unberücksichtigt. Der der Herstellung der Lithium Ionen Akkus. Oft mehrere hundert Kilogramm schwer, bestehen sie aus etlichen Kilos Nickel, Mangan und Kobalt. Stoffe, die meist in Bolivien, Argentinien und Chile gewonnen werden. Wenn nun die Nachfrage nach Elektromobilität steigt, steigt auch die Nachfrage nach genau diesen Rohstoffen. Die lagern bislang nahezu unberührt in Salzseen. Man kann sich ausmalen, was passiert, wenn die Nachfrage nach E-Bikes und -Autos weiter steigt. Der weitere Raubbau an der Natur wird die Folge sein. Und dies wirft wiederum die Frage auf, wie nachhaltig die Produktion von Elektro-Autos und Bikes dann wirklich ist. (sw)

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