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    Leider Realität in vielen deutschen Großstädten: Auf schmalen Bürgersteigen drängen sich die Fußgänger - viel zu nah am brausenden Verkehr.
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    Mütter mit Kinderwägen oder Rollstuhlfahrer haben es besonders schwer.
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    Ebenfalls weit verbreitet: viel zu kleine Verkehrsinseln.
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    Ebenerdige Überwege mit langen Grünphasen machen Städte attraktiver für Fußgänger.
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    Auch Wegweiser können Städte fußgängerfreundlicher machen, so wie hier in Stuttgart-Bad Cannstatt.
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    Mitte September 2013: Der damalige Münchner Bürgermeister Hep Monatzeder (2. v. l., Grüne) unterzeichnet die Internationale Charta für das Gehen.
13.10.2014|Mobilität
Fussgängerverkehr

Schwachstellen im Konzept

Fußgängerverkehr - Schmale Bürgersteige, schmutzige Unterführungen und schlecht beleuchte Parkanlagen sind in allen deutschen Großstädten verbreitet – noch. In Stuttgart und München soll sich das ändern.

„Fußgänger sind die flexibelsten Verkehrsteilnehmer und genau das wird ihnen immer wieder zum Verhängnis“, sagt Manfred Wacker, Verkehrswissenschaftler an der Universität Stuttgart. „Stadtplaner sind bisher oft davon ausgegangen, dass sich Fußgänger irgendwie ihren Weg durch den Großstadtdschungel schlagen.“ Deshalb mute man ihnen viel mehr zu als den unflexiblen Autofahrern.

Diese Einsicht hatte offenbar auch der britische Aktivist John Butcher. 1999 gründete er den Weltfußgängerverband Walk21. In seiner „Internationalen Charta für das Gehen“ fordert der Verband „die physischen, sozialen und institutionellen Barrieren zu überwinden, die oft die Menschen daran hindern, sich zur Fortbewegung für die eigenen Füße zu entscheiden.“ Durchgesetzt hat sich Butcher mit dieser und weiteren Forderungen bisher aber nicht. Weltweit haben nur 4.259 Menschen ihre Unterschrift darunter gesetzt, etwa ein Viertel davon sind Briten.

Stuttgart: Aktionsplan will Stadt attraktiver für Fussgänger machen

Aus Deutschland stammen 217 Unterschriften. Hat der Weltfußgängerverband hierzulande keine Lobby? „So kann man das nicht sagen“, winkt Wacker ab. „Immerhin sind die meisten Unterzeichner einflussreiche Leute.“ Und tatsächlich: Der frühere Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) hat im Sommer 2011 unterschrieben.

Seither ist die Stadtverwaltung langsam in die Gänge gekommen. Mit Haushaltbefragungen und Stadtteilbegehungen verschafften sich Gemeinderat und Verwaltung zwischen Oktober 2012 und März 2013 einen Überblick über das Verhalten der Fußgänger und die bestehenden Schwachstellen im Verkehrskonzept.

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fasst der Aktionsplan „Nachhaltig mobil in Stuttgart“ von Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) zusammen: „Wegstrecken werden häufiger zu Fuß zurückgelegt, wenn sie als attraktiv wahrgenommen werden. Insofern kann die Gestaltung des öffentlichen Straßenraumes die Art der Fortbewegung beeinflussen.“

Wegweiser, längere Grünphasen, ebenerdige Wege

Mit welchen Maßnahmen Stuttgart für Fußgänger attraktiver werden kann, hat sich Wolfgang Forderer, Leiter der Abteilung Mobilität im Stuttgarter Rathaus, zusammen mit Verkehrswissenschaftler Wacker überlegt. „Bei den Stadtteilbegehungen hat sich gezeigt, dass Sitzgelegenheiten und öffentliche Toiletten oft rar oder gar nicht bekannt sind.“ Abhilfe: bessere Wegweiser und Stadtpläne.

„Bei den Rundgängen ist uns aufgefallen, dass Fußgänger oft Umwege hinnehmen müssen, weil an entscheidenden Stellen Zebrastreifen oder Ampeln fehlen“, berichtet Forderer. „Bei vierspurigen, verkehrsreichen Straßen sind die Grünphasen für Fußgänger oft zu kurz. Dann müssen sie in der Mitte auf schmalen Verkehrsinseln warten. In Stoßzeiten ist das gefährlich“, ergänzt Wacker. Abhilfe: längere und häufigere Grünphasen.

Oft gibt es in Stuttgart gar keine Fußgängerampeln über vielbefahrene Straßen. „In der Vergangenheit wollten die Stadtplaner den fließenden Verkehr nicht unterbrechen. Deshalb haben sie Unterführungen gebaut“, erklärt Wacker. „Aus heutiger Sicht war das ein Fehler, weil Treppen für Mütter mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und alte Leute ein Hindernis sind“, sagt Forderer. Abhilfe: neue Überwege, ebenerdige Wegenetze.

Das alles hat sich die Stadt Stuttgart für die Zukunft vorgenommen. Es gibt aber ein Problem: „Die Zuständigkeiten sind unklar und es gibt auch noch kein Budget für den Fußgängerverkehr“, räumt Forderer ein. Immerhin sieht der Aktionsplan vor, einen Fußgängerbeauftragten einzusetzen.

München: Startschuss für die fussgängerfreundliche Stadt

Auch München will in Zukunft fußgängerfreundlicher werden: Mitte September 2013 richtete die bayerische Hauptstadt als erste deutsche Stadt die „International Conference on Walking and Liveable Communities“ aus, die Jahreskonferenz von Walk21. Drei Tage lang tauschten sich 520 Experten aus Verwaltung und Politik, Planungsbüros, Forschungseinrichtungen und Nichtregierungsorganisationen aus.

„Wir sollten unsere Anstrengungen, die Verkehrsplanung fußverkehrsfreundlicher zu gestalten, rasch verstärken“, kündigte Münchens damaliger Dritter Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) auf der Abschlussveranstaltung an – und unterschrieb die „Internationale Charta für das Gehen“. Die Bürger wünschten sich „Stadtviertel, in denen man viele Geschäfte und Angebote in fußläufiger Entfernung findet, die einen attraktiven öffentlichen Raum bieten und in denen man sich sicher, bequem und barrierefrei bewegen kann“, so Monatzeder weiter.

Auf konkrete Maßnahmen werden die Münchner aber noch einige Zeit warten müssen: „Wir müssen zuerst die nötigen Strukturen dafür schaffen“, gibt ein Sprecher der Stadt zu bedenken. „Mit dem Fußverkehr beschäftigen sich viele verschiedene Abteilungen der Stadtverwaltung. Die müssen wir zuerst wirkungsvoll miteinander vernetzen.“ haw

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