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    Mieterpaar: In der Regel ist privates Carsharing preiswerter als die Angebote klassischer Anbieter wie car2go, teilAuto oder Flinkster. Das gilt vor allem für regelmäßige oder Langzeitnutzungen.
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    Übergabeprotokoll: Das eigene Auto zu vermieten, birgt für deutsche Autofahrer großes Potenzial, schließlich wird es im Schnitt 23 Stunden am Tag nicht genutzt.
19.11.2015|Mobilität
Privates Carsharing

Mein Auto, Dein Auto

Privates Carsharing – Immer mehr Unternehmen drängen auf den Carsharing-Markt, darunter Online-Vermittlungsplattformen, auf denen Privatleute ihre Autos vermieten. Ihr Vorteil: Sie sind oft günstiger als die klassischen Anbieter und nutzen bestehende Fahrzeuge.

Von der Idee her ähnelt privates Carsharing dem guten alten Nachbarschaftsauto. Mieter und Vermieter lernen sich bei der Schlüsselübergabe persönlich kennen und oft wohnen sie im selben Ortsteil, manchmal sogar nur ein paar Straßen voneinander entfernt. Während die Mieter die günstigen Preise und die Auswahl aus einer großen Bandbreite an Fahrzeugen schätzen – vom kleinen Smart über die edle Limousine bis hin zum Lieferwagen –, freuen sich die Vermieter über sinkende Fixkosten.

„Viele Pkw-Besitzer haben ihren Wagen viele Stunden am Tag ungenutzt irgendwo geparkt. In dieser Zeit kann er von anderen Personen genutzt werden“, sagt Malte Behrendt, Geschäftsführer von tamyca, was die Kurzform für „take my car“ ist. Mit derzeit rund 6000 verfügbaren Autos in 750 deutschen Städten ist tamyca nach eigenen Angaben derzeit Deutschlands größte Plattform für privates Carsharing. Fest steht: Der Markt wächst.

„Für die Umwelt sicherlich von Vorteil“

„Wir schaffen keine neuen Autos an, damit unser Geschäftsmodell funktioniert. Wir greifen auf Privatfahrzeuge zurück, die sonst nur herumstehen würden“, sagt Behrendt und ist überzeugt: „Für die Umwelt ist das sicherlich von Vorteil. Denn die Autos gibt’s ja längst.“

In der Regel ist ein privater Anbieter preiswerter als seine Mitbewerber. Dies gilt vor allem für regelmäßige oder Langzeitnutzungen. Den Preis legt der Vermieter dabei selbst fest, erhält aber je nach Fahrzeugklasse Anhaltspunkte von bereits eingestellten Fahrzeugen. Ein Peugeot ist dann inklusive Versicherung für acht Stunden ab 27 Euro zu haben, ein Porsche Boxter für 225 Euro. Tamyca erhält 15 Prozent für seine Vermittlungsdienste.

Autos stehen 23 Stunden täglich unnütz herum

Das eigene Auto zu vermieten, birgt für deutsche Autofahrer großes Potenzial, schließlich wird es im Schnitt 23 Stunden am Tag nicht genutzt. Warum sollte man es also nicht an andere Nutzer verleihen? Laut einer aktuellen Studie der EBS-Universität für Wirtschaft und Recht in Hessen sind die Gründe, sich an privatem Carsharing zu beteiligen, vielfältig: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass für Vermieter neben monetären Anreizen auch die Möglichkeit, anderen Menschen Mobilität zu ermöglichen, wichtig ist. Außerdem ist ein gewisser Nachhaltigkeitsgedanke erkennbar, da das eigene Auto durch die Teilnahme am privaten Carsharing effizienter genutzt werden kann“, erläutert Mark-Philipp Wilhelms, Co-Autor der Studie und Mitarbeiter am Lehrstuhl für Konsumentenverhalten und Verkauf.

Vermietet wird auf den Plattformen alles, was nicht zu alt ist und nicht zu viele Kilometer auf dem Tacho stehen hat. Mieter suchen sowohl die preiswerteste Mobilitätslösung als auch besondere Autos für spezielle Anlässe wie Cabrios, SUVs und Autos mit einer besonderen Ausstattung – ob ein starker Motor oder ein weißes Auto mit roten Ledersitzen für Hochzeiten. „Das zeigt, dass Mieter auf diesen Portalen nicht nur Mobilität suchen, sondern auch Erlebnisse“, erklärt Wilhelms.

Mehrtägige Nutzung

Drivy, ein weiterer Anbieter im privaten Markt, bietet vor allem für den Wochenendausflug oder eine Urlaubsreise das richtige Automodell an. „Drivy benutzt man vor allem für die mehrtägige Anmietung“, sagt Unternehmenssprecherin Christiane Jakobs. Einen Kleinwagen erhält man dort für 23 oder 25 Euro pro Tag. Auch drivy lebt von der Provision. Von dem Mietpreis behält das Unternehmen 30 Prozent ein, davon wird allerdings auch die Versicherungsgebühr bezahlt. 70 Prozent des Preises gehen an den Vermieter.

Drivy funktioniert nach Angaben von Sprecherin Jakobs vor allem dort, wo eine Person ein Auto besitzt, dass sie nicht jeden Tag benutzt. Gerade auf dem Land hätten viele Menschen mehr als ein Auto, sodass eines sehr gut mehrere Tage vermietet werden könne. Und noch einen weiteren Vorteil haben die privaten Anbieter wie drivy und tamyca: Auch Hundebesitzer können bei ihnen in den Genuss eines Autos kommen. Ob ein Vierbeiner transportiert werden darf, wird einfach zwischen den Parteien auf direktem Wege abgeklärt. „Wir haben viele Mieter, die einen Tag am Meer mit ihrem Hund verbringen. Die meisten Vermieter haben nichts dagegen. Wenn jemand das nicht möchte, findet man meist ein anderes Auto, bei dem das kein Problem ist“, sagt Jakobs.

Carsharing könnte sechs Millionen Tonnen CO2 einsparen

Der Bundesverband Carsharing beobachtet das Treiben auf dem privaten Markt. „Insbesondere ist es momentan schwer, die tatsächliche Zahl der Buchungen in diesem Markt zu ermitteln, da die agierenden Firmen alle Start-ups sind und noch nicht umfassend über Anbieter, Nutzer und Buchungen berichten“, sagt Gunnar Nehrke vom Bundesverband Carsharing. Ob private oder klassische Carsharing-Anbieter, beides geht seiner Meinung nach in dieselbe Richtung und sorgt dafür, dass sich nicht jeder, der einen Führerschein besitzt auch ein eigens Auto anschafft. „Sharing-Konzepte tragen dazu bei, die Zahl privater Fahrzeuge zu reduzieren. „Für den Carsharing-Markt ist dies schon gut untersucht, da ersetzt ein Carsharing-Fahrzeug bis zu zehn Privatfahrzeuge“, so Nehrke.

Eine Studie für das Umweltbundesamt (UBA) ergab im vergangenen September, dass ein koordinierter Ausbau von Carsharing und öffentlichem Nahverkehr die klimaschädlichen CO2-Emissionen um mehr als sechs Millionen Tonnen pro Jahr senken könnte. Das entspräche rund vier Prozent der verkehrsbedingten CO2-Emissionen in Deutschland. Dafür müssten allerdings Carsharing-Angebote „viel besser mit dem öffentlichen Personennahverkehr verzahnt werden, zum Beispiel durch eine höhere Zahl von Carsharing-Stellplätzen an Verkehrsknotenpunkten“, sagt UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. swa/haw

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