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    Lufthansa-Maschine: Nachlässige Berechnungsmethode
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    Seit es Fernbuslinien gibt hat der Verkehr auf Deutschlands Straßen noch weiter zugenommen hat – und damit auch der Ausstoß von Feinstaub, Stickoxiden, Treibhausgasen.
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    Fernbusreisende bei der Gepäckverladung: Bei MeinFernbus beläuft sich der Umweltbeitrag nach eigenen Angaben auf ein bis drei Prozent des Reisepreises.
08.12.2015|Mobilität
CO2-Kompensation

Kein Ablasshandel

CO2-Kompensation – Wer mit dem Flugzeug oder Fernbus verreist, kann seinen CO2-Fußabdruck über eine Spende an Klimaschutzorganisationen ausgleichen. Das Verfahren ist kompliziert. GWEN-Autor Hannes Weik hat Antworten auf die wichtigsten Fragen gesammelt.

Die Anbieter von Fernbusreisen buhlen auch um umweltbewusste Kunden. Es sei „die umweltfreundlichste Art zu Reisen“, schreibt zum Beispiel DeinBus in nicht ganz fehlerfreiem Deutsch auf seiner Homepage und fügt hinzu: „Das sagt sogar die Wissenschaft.“ Bei solch verheißungsvollen Sätzen könnte man schon mal schwach werden und eine Fahrt buchen. Könnte. Denn so ganz hundertprozentig korrekt ist diese Aussage nicht.

Zwar ergab eine Studie, die das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung 2009 im Auftrag des Internationalen Bustouristik Verbandes angefertigt hat, tatsächlich, dass Reisebusse nur 0,7 Liter Dieseläquivalente pro Sitzplatz auf 100 Kilometern verbrauchen und damit sogar „vor der Bahn mit 0,9 Litern“ liegen. Aber was für einen Reisebus gilt, ist laut Umweltbundesamt „nicht direkt auf den Fernlinienbus übertragbar“, weil dieser in der Regel schlechter ausgelastet sei.

Hinzu kommt, dass mit den Fernbussen der Verkehr auf Deutschlands Straßen noch weiter zugenommen hat – und damit auch der Ausstoß von Feinstaub, Stickoxiden, Treibhausgasen. Letztere lassen sich glücklicherweise kompensieren. Aber wie funktioniert das? Wie seriös wird gerechnet? Was passiert mit dem Geld? Und vor allem: Ist so ein CO2-Ausgleich überhaupt sinnvoll? Die GWEN-Redaktion hat diese Fragen geklärt:

  • Wie funktioniert die CO2-Kompensation?
    Da gibt es nicht viel zu beachten. Wer im Internet eine Fernbus- oder Flugreise bucht, muss nur an der richtigen Stelle einen Haken setzen. Der Aufschlag auf den Fahrpreis wird dann automatisch berechnet und an eine Klimaschutzorganisation überwiesen. Bei MeinFernbus beläuft sich der Umweltbeitrag nach eigenen Angaben auf ein bis drei Prozent des Reisepreises.

  • Wie genau sind die Emissionsberechnungen?
    Da gibt es große Unterschiede. Berechnungsgrundlage sind in allen Fällen die Angaben, mit denen der Emissionsrechner gefüttert wird. Faustregel: Je mehr Daten der Rechner abfragt, desto aussagekräftiger das Ergebnis. Annahmen und Durchschnittswerte gehen zulasten der Genauigkeit. Ein Beispiel: Wer bei der Kompensation einer Autofahrt nur nach der zurückgelegten Strecke gefragt wird, bekommt kein genaues Ergebnis. Denn schließlich macht es einen Unterschied, ob man im sparsamen Kleinwagen oder im spritsaufenden SUV unterwegs war.

    Bei Flugreisen kann noch ein weiterer Faktor die Rechnung verfälschen: „Bei Mittel- und Langstreckenflügen wirken sich neben dem Kohlendioxid unter anderem auch noch Rußpartikel und Wasserdampf auf das Klima aus“, sagt Judith Bader vom Umweltbundesamt. „Viele Fluggesellschaften lassen das aber nicht in ihre Berechnungen einfließen.“ Eine davon ist die Lufthansa.

    Von der GWEN-Redaktion auf die nachlässige Berechnungsmethode angesprochen, schreibt das Luftfahrtunternehmen in einer Stellungnahme: „So lange [...] noch große Unsicherheiten über den genauen Einfluss dieser non-CO2-Emissionen [...] bestehen, sieht Lufthansa davon ab, in ihrem Emissionsrechner [...] weitere Emissionen zu berücksichtigen.“ Jeder Kunde habe jedoch die Möglichkeit, über das Auswahl-Feld „Einen anderen Betrag spenden“ seine Zahlung beliebig zu variieren.

    Ein Fernreisender mit schlechtem Gewissen, sollte seinen Flug besser direkt bei einer Klimaschutzorganisation kompensieren. Denn diese berücksichtigen die „non-CO2-Emissionen“ in ihren Berechnungen und liefern damit ein realistischeres Ergebnis.

  • In welche Klimaschutzprojekte fließt das Geld?
    Der Geldbetrag, den der Emissionsrechner ermittelt, fließt in Klimaschutzprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern. Dazu arbeiten Luftfahrt- und Fernbusunternehmen mit Organisationen wie MyclimateArktik oder Atmosfair zusammen. Diese fördern zum Beispiel die Wiederaufforstung der Wälder in Panama und Uganda oder den Bau von Windkraftanlagen in Nicaragua. Andere Projekte erleichtern der Bevölkerung von Honduras oder Kambodscha mit speziellen Aufbereitungsanlagen und Filtern den Zugang zu sauberem Trinkwasser. Das schont das Klima, weil das Wasser dann nicht mehr auf rußenden Holz- oder Kohleöfen abgekocht werden muss.

    „Wichtig ist, dass die unterstützten Klimaschutzprojekte einen Zusatznutzen für die lokale Bevölkerung haben“, gibt Judith Bader vom Umweltbundesamt zu bedenken, „also deren Lebensbedingungen verbessern“. Das ist der Fall, wenn das jeweilige Klimaschutzprojekt mit dem Goldstandard ausgezeichnet ist. „Diese Projekte genügen höchsten Maßstäben“, so Bader weiter.

  • Was kann man alles ausgleichen?
    So gut wie alles: der Versand von E-Mails, Briefen und Paketen, der Kauf von exotischen Früchten, Blumensträußen oder Laptops, Fahrten mit Fernbussen oder Schiffen. Am häufigsten werden jedoch Flugreisen kompensiert.

  • Wie viele Menschen nutzen freiwillige Kompensationsangebote?
    Mit dieser Frage hat sich Andreas Ziegler, Professor für Empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Kassel, beschäftigt. Er fand heraus, dass „nur elf Prozent der Befragten in Deutschland und 14 Prozent in den USA schon einmal eine CO2-Kompensation durchgeführt haben“ – und das, obwohl etwa die Hälfte der 2000 Umfrageteilnehmer glaubte, damit viel zum Klimaschutz beitragen zu können.

    Eine mögliche Erklärung für das mangelnde Engagement: In beiden Ländern bestehe noch eine große Unsicherheit und Unkenntnis über die Durchführung und die tatsächliche Klimawirksamkeit solcher Maßnahmen, so Ziegler. „Während der Kauf eines energiesparenden Produktes dem Konsumenten direkte finanzielle Vorteile bringen kann, sind die Auswirkungen von Kompensationszahlungen nicht unmittelbar für den Einzelnen sichtbar“, gibt der Forscher zu bedenken.

  • Ist die CO2-Kompensation überhaupt sinnvoll?
    Kritiker bezeichnen die CO2-Kompensation als eine zeitgenössische Form des Ablasshandels, der als Rechtfertigung für klimaschädliches Konsumverhalten missbraucht werden könnte. Andreas Ziegler, Professor für Empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Kassel, fand allerdings keine Bestätigung für diese Befürchtung. In seiner Untersuchung kam der Wissenschaftler im Mai 2015 zu dem Schluss, dass die CO2-Kompensation „den Ausgleich von schwer vermeidbaren Emissionen“ ermögliche, „was insgesamt zu mehr Klimaschutz führen sollte.“

    Auch Judith Bader vom Umweltbundesamt hält das Verfahren prinzipiell für sinnvoll, schränkt zugleich aber ein: „Wichtig ist, dass nur wirklich unvermeidbare Emissionen ausgeglichen werden.“ Die dauerhafte Verminderung des weltweiten Treibhausgasausstoßes müsse schließlich Vorrang haben.

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