Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung » OK
  • IMG_2288.JPG
    Verkehrsexperte Martin Randelhoff im Dresdner Hauptbahnhof
13.10.2014|Mobilität
Mobilität der Zukunft

Kaum noch Privatautos

Mobilität der Zukunft - Kurze Wege, ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr, ein dichtes Netz an Radschnellwegen und kaum noch privat genutzte Autos auf den Straßen: Im Interview erklärt Verkehrsexperte Martin Randelhoff, wie wir uns in Zukunft fortbewegen.

Martin Randelhoff, Jahrgang 1988, studierte Verkehrswirtschaft an der Technischen Universität Dresden. Seine Karriere als Verkehrsexperte begann 2010 mit der Gründung seines Blogs „Zukunft Mobilität“. Zu diesem Thema hält er Vorträge, meldet sich in Radio- und Fernsehsendungen zu Wort und erarbeitet Konzepte für Verkehrsunternehmen und -verbünde, Automobilhersteller und Parteien. 2013 gründete Randelhoff die Tagungsreihe Future Mobility Camp.

GWEN-mag: Herr Randelhoff, wie sehen zukunftsfähige und umweltverträgliche Mobilitätskonzepte in Städten aus?

Randelhoff: Wir brauchen unbedingt die Stadt der kurzen Wege. Alltägliche Bedürfnisse müssen wir in Zukunft in unserer Nachbarschaft befriedigen können. Dazu gehören auch lebendige soziale Netze. Es muss wieder möglich sein, dass Nachbarn füreinander einkaufen gehen.

GWEN-mag: Das ist gerade in Deutschland mit seiner alternden Bevölkerung wichtig.

Randelhoff: Eben. Klar ist auch, dass das Auto in Zukunft unmöglich die gleiche Rolle spielen kann wie heute. Die Zahl der Megacities – das sind Städte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern – steigt weiter, vor allem in Asien. Da kann nicht jeder mit dem eigenen Auto zur Arbeit fahren!

GWEN-mag: Wir ärgern uns ja auch in kleineren Städten heute schon über Staus und zu wenig Parkplätze. Gleichzeitig sehen wir im Fernsehen, wie chinesische Metropolen unter Smog leiden.

Randelhoff: Umso wichtiger sind deshalb gut ausgebaute Schienennetze mit einem sehr dichten Takt – möglichst sogar unter fünf Minuten. Gleichzeitig muss es attraktiv sein, zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren. Ein dichtes Netz an Radschnellwegen spielt dabei eine wichtige Rolle. Die gibt es in Deutschland bisher allerdings kaum. Da trifft es sich gut, dass die Forderungen nach mehr Radwegen und verkehrsberuhigten Zonen allmählich lauter werden.

GWEN-mag: Sehen sie sonst noch Chancen für ein Mobilitätskonzept, wie Sie es eben umrissen haben?

Randelhoff: Ja. Es ist zum Beispiel gut, dass es in Deutschland inzwischen verstärkt Diskussionen über den ruhenden Verkehr gibt. Riesige Flächen dienen einzig und allein dem Zweck, dort Autos abzustellen – oft sogar kostenlos. Das ist toter Raum! Den könnte man viel sinnvoller nutzen, für Urban Gardening zum Beispiel. Das dient der lokalen Versorgung mit Lebensmitteln. Ein Schritt in die richtige Richtung sind auch die immer strengeren Grenzwerte für Lärm und Feinstaub oder die wachsende Zahl von Mitfahrgelegenheiten.

GWEN-mag: Aber leider gibt es auch genug gegenläufige Entwicklungen.

Randelhoff: Richtig. Die Investitionen in den Schienen-, Rad- und Fußgängerverkehr sind zum Beispiel immer noch viel zu niedrig. Das ist aber nicht nur ein politisches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem. Viele Menschen lehnen es ab, dem Auto immer mehr Raum zu entziehen und wollen überall freie Fahrt. Auch der Einzelhandel hat die Vorzüge des öffentlichen Nahverkehrs noch nicht für sich entdeckt. Außerdem ist die Automobillobby hierzulande sehr mächtig und droht immer wieder mit Massenentlassungen. Und nicht zuletzt ist die Diskussionskultur in Deutschland mangelhaft. Es nörgelt zwar jeder, aber engagieren mag sich kaum jemand.

GWEN-mag: Welche Rolle spielt Carsharing in Zukunft?

Randelhoff: Eine sehr wichtige. Denn nur im Zusammenspiel mit Carsharing kann der öffentliche Nahverkehr den Automobilbesitz überflüssig machen. Aber dafür muss noch einiges passieren: Carsharing, Bahn und Bus müssen besser miteinander verknüpft werden. Warum gibt es keine Zugtickets, die Carsharing einschließen oder umgekehrt? Und auch beim Carsharing selbst liegt noch einiges im Argen: Angebote und Zahlungsweise sind mitunter von Stadt zu Stadt sehr verschieden. Außerdem muss Carsharing im Stadtbild präsenter werden und das geht nur, wenn es ein möglichst dichtes Netz an Fahrzeugen gibt.

GWEN-mag: Müssen wir nicht auch Abstriche machen, wenn wir in Zukunft sehr viel mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind?

Randelhoff: Eigentlich nicht. Mit Bahn und Bus unterwegs zu sein ist günstiger als ein eigenes Auto zu unterhalten – und vor allem in Städten meist schneller. Zugegeben: Wir müssen unsere Aktivitäten etwas besser planen. Aber dafür gibt es Fahrplan-Apps.

GWEN-mag: Gibt es Städte, in denen ein solches Mobilitätskonzept schon umgesetzt ist?

Randelhoff: Ja, Kopenhagen, Amsterdam oder Portland in den Vereinigten Staaten zum Beispiel. Paris und Barcelona sind auf einem guten Weg.

GWEN-mag: Und in Deutschland?

Randelhoff: Nicht wirklich. Berlin weist ein paar Elemente auf, die in diese Richtung gehen: Der öffentliche Nahverkehr ist flächendeckend ausgebaut und in Relation zur Bevölkerungszahl gibt es vergleichsweise wenig Autos. In den Kiezen ist außerdem die Stadt der kurzen Wege teils schon Realität geworden. Allerdings sind die Radwege nicht so besonders gut ausgebaut.

GWEN-mag: Herr Randelhoff, vielen Dank für dieses Gespräch.

Wie grün ist emobility wirklich?

E-Mobilität - Ist auch grün drin, wo grün draufsteht? Diese Frage nach der Ökobilanz von E-Mobilität darf erlaubt sein, und sie fällt, je nach Standpunkt, ziemlich ernüchternd aus.

Sauber über See

Frachtsegler – Das Schifffahrtsunternehmen Fairtransport kämpft für umweltfreundlicheren Güterverkehr ohne Abgase.

Per Anhalter über die Dörfer

Mitfahren – Auf den ersten Blick haben die Eifel, das Siebengebirge, der Schwarzwald und der Niederrhein nicht wirklich etwas gemein. In punkto Mobilität aber setzen sie alle auf diesselbe Art der alternativen Fortbewegung. Mitfahrerbänke ergänzen dort das oft dürftige ÖPNV-Angebot.

© 2014 - 2019 GWEN Magazine