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    Leibnizplatz in Bremen: In der Hansestadt gibt es sogenannte Mobilpunkte, an denen sich Haltestellen von öffentlichen Verkehrsmitteln, Abstellplätze für Fahrräder und Carsharing-Stationen konzentrieren.
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    Fahrradstraße Wachmannstraße in Bremen: Hier geben Radfahrer den Ton an.
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    Carsharing Nutzerin in Bremen: Bis 2020 sollen 6000 Privatautos in der Hansestadt überflüssig werden.
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    Fahrradweiche in der Stuttgarter Neckarstraße: Der ADFC sieht Fortschritte bei der Rad-Infrastruktur in der Schwabenmetropole.
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    Radweg in der Stuttgarter Neckartalstraße: Er ist Teil der Hauptradroute, die Stuttgart-Vaihingen mit Fellbach verbindet.
30.04.2015|Mobilität
Klimafreundliche Mobilität

Ehrgeizige Ziele

Klimafreundliche Mobilität – Neue Radwege anlegen, den öffentlichen Nahverkehr ausbauen, Carsharing und Elektromobilität fördern: Stuttgart und Bremen haben sich viel vorgenommen. Wird alles umgesetzt wie geplant, könnte das bis 2050 über 60 Prozent Treibhausgase einsparen.

Ein Talkessel ist eigentlich kein guter Ort für eine Großstadt. Aber vermutlich hatte Herzog Liudolf von Schwaben nicht die Luftqualität im Sinn als er im zehnten Jahrhundert ebendort sein Gestüt gründete. Und so ist Stuttgart spätestens seit es Feinstaubmessungen gibt berüchtigt für seine miserablen Werte: Das Neckartor gilt als dreckigste Kreuzung Deutschlands.

Probleme gibt es auch in der Hohenheimer Straße, mitten in der schlecht durchlüfteten Innenstadt: An 195 Stunden im Jahr überschritt dort die Konzentration giftiger Stickstoffdioxide alle zulässigen Grenzwerte. 18 Stunden sind erlaubt. Deutlich verbessern ließen sich die schlechten Messergebnisse dann aber ohne großen Aufwand: „Seit auf den Steigungsstrecken Tempo 40 gilt, sind die Werte pro Jahr nur noch an 21 Stunden erhöht und der Verkehr fließt insgesamt besser“, resümiert Wolfgang Forderer, Leiter derAbteilung Mobilität im Stuttgarter Rathaus.

Stuttgart baut Nahverkehr aus

Die gedrosselte Geschwindigkeit ist nur eine von vielen Maßnahmen, die das Verkehrsentwicklungskonzept 2030 und der Aktionsplan „Nachhaltig mobil in Stuttgart“ von Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) vorsehen, um die Schwabenmetropole lebenswerter zu machen: „Kostenlose Parkplätze wird es bald nicht mehr geben“, kündigt Forderer an. „Die 1000 zusätzlich benötigten Ticketautomaten beschaffen wir gerade.“

Im Gegenzug soll der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden: Busse und Straßenbahnen sollen abends länger im Zehn-Minuten-Takt verkehren und fast 4000 zusätzliche Jobtickets ausgegeben werden. Vorgesehen ist auch, dass Express-Buslinien das sternförmig auf Stuttgart zuführende S-Bahn-Netz um einige Querverbindungen ergänzen und Schnellzüge Stuttgart zu Stoßzeiten im Halbstundentakt mit weiter entfernten Städten wie Pforzheim, Heilbronn, Aalen oder Reutlingen verbinden.

Fussgänger und Radfahrer fördern

Nach den Plänen der Stadt soll der Individualverkehr in Zukunft bevorzugt leise summen und nicht mehr stinken: „Die Elektromobilität muss in den Alltag der Leute rücken und an Akzeptanz gewinnen“, benennt Forderer das Ziel. Geschehen soll das mit Aktionen zum Ausprobieren und Modellversuchen – so wie bereits im Sommer 2014: Beim Projekt „Shared E-Fleet“ teilten sich mehrere Unternehmen eines Technologieparks vier BMW i3 und testeten eine neue Software, mit der sich die Elektroautos für Dienstfahrten reservieren ließen.

Mit Wegweisern, ebenerdigen Überwegen und verlängerten Grünphasen stärkt Stuttgart zudem den Fußgängerverkehr. Ähnliches gilt für den Radverkehr: Gerade ist die erste Hauptradroute fertig geworden, die den Stadtteil Vaihingen mit Fellbach verbindet. „Bei der Rad-Infrastruktur gibt es Fortschritte“, bestätigt Frank Zühlke, Vorsitzender des ADFC Stuttgart. Allerdings habe die Stadt beim Fahrradklima-Test 2014, einer bundesweiten Umfrage des Vereins, nur die Durchschnittnote 4,0 erreicht und lande damit auf Platz 28 von 39.

Das Öko-Institut hat die visionären Konzepte der Stadt in einer Studie durchgerechnet. Das Ergebnis: Der Autoverkehr könne bis 2050 um 42 Prozent zurückgehen. „Im selben Zeitraum würden die CO2-Emissionen des Personen- und Güterverkehrs um 63 Prozent sinken“, fasst Studienleiterin Wiebke Zimmer zusammen.

Bremen erweitert Carsharing-Angebot

Ein ähnlich großes Einsparpotenzial sieht Zimmer in Bremen. Das Radfahren ist dort – anders als im hügeligen Stuttgart – zwar bereits weit verbreitet. Dennoch könnten die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen nach Berechnungen des Öko-Instituts zusätzlich „um mehr als 60 Prozent zurückgehen“. Erreichen will das Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne), indem er das Carsharing-Angebot in der Hansestadt weiter ausbaut. Das jedenfalls geht aus seinem Verkehrsentwicklungsplan bis zum Jahr 2025 hervor, der im September 2014 verabschiedet wurde.

„Unser Ziel ist es, dass bis 2020 rund 20.000 Menschen Carsharing nutzen und so zusammen 6000 Privatautos überflüssig machen“, sagt Michael Glotz-Richter, Referent für nachhaltige Mobilität im Bremer Rathaus. „Allein in diesem Jahr kommen 20 neue Carsharing-Stationen hinzu.“ Um das Angebot möglichst attraktiv zu gestalten, stehen dort neben Kleinwägen auch Kombis und Transporter bereit – für einen Mietpreis von 29 Cent pro Kilometer.

Gleichberechtigtes Miteinander

Gleichzeitig sieht der Verkehrsentwicklungsplan vor, einzelne Straßenbahnlinien bis ins niedersächsische Umland hinein zu verlängern. „Wichtiger ist jedoch die Förderung des Radverkehrs“, sagt Glotz-Richter. Acht Premium-Routen sollen in den kommenden Jahren neu ausgewiesen werden. Überall in der Stadt werden Kreuzungen umgestaltet und Stellplätze eingerichtet.

Einige Parkplätze für Privatautos fallen hingegen weg. „Dafür werden die Bürgersteige entsprechend breiter und Gehwegnasen erleichtern es Fußgängern, gefahrlos Straßen zu überqueren“, sagt Glotz-Richter. „Wir wollen ein gleichberechtigtes Miteinander aller Fortbewegungsmittel im Straßenverkehr.“ haw

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