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    Die blaue Anneliese ist ein echter Hingucker auf dem Teller.
02.10.2019|Gesundheit

Zurück zu den Wurzeln

Gesunde Nahrung – Früher war alles besser. Was die ältere der jüngeren Generation gerne mit auf den Weg gibt, trifft für unseren Konsum allemal zu. Alte Gemüse- und Obstsorten aber auch alte Tierrassen erleben ein Comeback.

Die Blaue Anneliese, Beckers Blaue, das Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind oder die gelbe statt roter Beete. Die Natur ist eigentlich sehr vielfältig, doch in den Supermärkten erhalten wir nur noch ein auf Ertrag getrimmtes Obst, Gemüse und Fleisch. Dabei bieten die alten Sorten und Rassen ein ganz anderes Geschmackserlebnis und sind von Natur aus widerstandsfähiger. Und letztendlich sind sie auch gesünder, da sie von Natur aus an die Gegebenheiten angepasst sind und Obst sowie Gemüse schon deshalb keinen chemischen Dünger zum Wachstum benötigen. Und auch die Tiere leben optimaler im Einklang mit der Natur. Ein Grund mehr, die alten Rassen wiederzubeleben.

Wissen, woher das Steak stammt

Landwirten, die so wirtschaften, spielt der Verbraucherwille zunehmend in die Hände. Denn der weiß immer häufiger das Gute vom Land zu schätzen, wie die Studie zum Essverhalten der Techniker Krankenkasse herausfand. Demnach greifen die Deutschen verstärkt auf regionale und Bio-Produkte zurück, essen weniger und wenn bewusst Fleisch. Ihnen ist es zunehmend wichtig zu wissen, woher ihr Steak oder Filet stammt und dass die Umwelt so wenig wie möglich belastet wird. Solches Fleisch stammt von eher kleinen Höfen, Massentierhaltung ist dort ein Fremdwort. Hinzu kommt, dass die alten Obst und Gemüsesorten wesentlich mehr ihrer Inhaltsstoffe enthalten.

Es gibt viele Höfe, die nachhaltig wirtschaften und dabei auf alte Rassen und Sorten setzen. Auf dem Klefhof im Bergischen Land in der Nähe von Köln etwa halten Ivgeny Ivanov und seine Frau Katrin Below-Ivanov eine überschaubare Anzahl an Landschweinen. „Unsere Landschweine zum Beispiel eignen sich hervorragend für die Weidehaltung, die wir auf jeden Fall bevorzugen“, sagt Ivanov. Auch seien sie weniger stressanfällig. Auch ihre Rinder sind an die speziellen Bedingungen für die Weidehaltung angepasst und robust, beanspruchen also weniger die Tierärzte.

In ihren Gewächshäusern ziehen sie außerdem neben klassischen Sorten auch alte Gemüsesorten heran. Auch diese sind besser an die Bedingungen angepasst und schmackhafter seien sie allemal. Für den Bioland-Hof haben die alten Sorten noch einen weiteren Vorteil, sie sind von Haus aus schädlingsresistenter. Denn als Biohof sind sie stark eingeschränkt, gegen Schädlinge vorzugehen.

Arche-Projekt für bedrohte Rassen

Für den Erhalt alter und zum Teil gefährdeter Nutztierrassen setzt sich auch die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) ein. Die alten Rassen seien robuster gegen Krankheiten und gehören zur ökologischen Vielfalt einfach dazu. Die moderne Tierzucht gerate mit der einseitig ausgerichteten Leistungszucht immer wieder in eine Sackgasse, so die Gesellschaft. Die Tiere werden heute ausschließlich zur Milch- und Fleischproduktion hochgezüchtet. Vielfalt ist dabei nicht gefragt, sondern ausschließlich Ertrag. Dass letzteres sich stark auf unsere Umwelt auswirkt ist längst kein Geheimnis mehr. Viele Menschen wüssten, dass Wildpflanzen und Wildtiere aussterben, aber nur wenigen ist bekannt, dass Ähnliches auch in der Landwirtschaft, gleich nebenan, mit Kulturpflanzen und Nutztieren passiere, heißt es auf der Webseite der GEH. Wenige Hochleistungssorten und -rassen produzieren heute die Nahrungsmittel der Menschheit. Gleichzeitig stirbt alle zwei Wochen eine Nutztierrasse aus - das heißt, eine an Klima und Standort angepasste Rasse, ein genetisches Erbe und ein Kulturgut zugleich.

100 Rassen stehen auf der Roten Liste

Nach Angaben der Gesellschaft stehen in Deutschland über 100 Rassen auf der „Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen“ der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.. Regelmäßig wird die Liste von Fachleuten und den Rassebetreuern der Gesellschaft aktualisiert. Hier kommt dem 1995 ins Leben gerufene Arche-Projekt eine bedeutende Rolle zu. Ziel ist es, die Rassen in der landwirtschaftlichen Produktion zu halten, ihr Leistungspotential und ihre besonderen Eigenschaften gezielt zu nutzen und so deren langfristige Erhaltung zu gewährleisten.

Schafe mähen auf natürliche Weise die Streuobstwiesen ohne die Bäume anzunagen, das Bunte Bentheimer Landschwein benötigt kaum einen Tierarzt, denn es ist robust und fügt sich in die Landschaft ein, nutzt ihr, aber schädigt sie nicht. Auch die natürliche Fruchtfolge, um die Böden nicht zu sehr zu beanspruchen ist vor allem für Biohöfe tägliches Geschäft. Die Zeit für ein Umdenken, auch in der Landwirtschaft ist allemal gekommen. (sw)

 

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