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    Angehörige zu pflegen, ist für viele Menschen eine große Herausforderung.
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    Beraterin Gabriele Tammen-Parr
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    Pflegetagebuch: „Sinnvoll, denn oft unterschätzen Familien den tatsächlichen Aufwand.“
19.05.2015|Gesundheit
Häusliche Pflege

Wenn Helfer Hilfe brauchen

Häusliche Pflege – Wenn ein Familienmitglied plötzlich pflegebedürftig ist, wird der Alltag für Angehörige schnell zur Herausforderung. Doch neue Gesetze und Beratungsstellen bieten Entlastung. Welche Möglichkeiten es gibt, hat GWEN-Autorin Ina Brzoska in Erfahrung gebracht.

Fast täglich berät Gabriele Tammen-Parr Frauen, die sich um Mutter, Vater oder Partner kümmern müssen. Die Sozialpädagogin leitet in Berlin den Verein „Pflege in Not“ und berät zusammen mit Juristen, Pädagogen und Psychologen pflegende Angehörige bei Überlastung oder Problemen mit Ämtern. Tammen-Parr ist immer wieder erstaunt, wie wenig pflegende Angehörige über ihre Rechte wissen. Dabei sieht das sogenannte Pflege-Neuausrichtungsgesetz einige Möglichkeiten vor, sich vom Staat unterstützen zu lassen.

GWEN-mag: Frau Tammen-Parr, seit einigen Monaten gelten neue Pflege-Gesetze. Wer profitiert davon?

Tammen-Parr: In erster Linie Frauen, denn fast alle pflegenden Angehörigen sind weiblich. Leider scheuen sich viele, Hilfe zu beantragen – wegen bürokratischer Hürden oder aus falschem Stolz.

GWEN-mag: Lohnt sich denn der Aufwand?

Tammen-Parr: Auf jeden Fall! Das Geld für alle Pflegestufen ist deutlich erhöht worden. Neuerdings erhalten sogar Betroffene der Pflegestufe null Leistungen. Dazu zählen Menschen, die erste Anzeichen einer Demenz aufweisen und sehr vergesslich werden oder Hilfe beim Einkaufen oder Zubettgehen benötigen. Sie erhalten monatlich 120 Euro Pflegegeld.

GWEN-mag: Wie stelle ich einen Antrag?

Tammen-Parr: Ein Zweizeiler an die Pflegekasse genügt; Datum und Unterschrift aber nicht vergessen. Stellen Sie den Antrag so schnell wie möglich, denn gezahlt wird ab Antragstellung. Spätestens nach 14 Tagen meldet sich ein Gutachter der Pflegekasse, um einen Termin zu vereinbaren. Ich rate dazu, sich vor seinem Besuch bei einer unabhängigen Stelle beraten zu lassen. Fragen Sie bei Pflegestützpunkten nach oder suchen Sie eine soziale Einrichtung von der Diakonie oder den Johannitern auf.

GWEN-mag: Der Medizinische Dienst der Krankenkassen teilt Betroffene in die jeweilige Pflegestufe ein. Je höher sie ausfällt, desto mehr Geld gibt es von der Kasse. Wie bereite ich mich da am besten vor?

Tammen-Parr: Es ist sinnvoll, ein Pflegetagebuch zu führen. Denn oft unterschätzen Familien den tatsächlichen Aufwand. Es macht zum Beispiel einen Unterschied, ob Sie Ihrer Mutter oder Ihrem Partner beim Essen Gesellschaft leisten oder ob Sie sie auch dazu motivieren müssen. Oft ist es auch so, dass der Gutachter den pflegenden Angehörigen fragt, wie viel Unterstützung er braucht, und der antwortet: keine. Notieren Sie sich deshalb zwei Wochen lang täglich, wie viel Minuten Sie für die Betreuung und Pflege aufwenden. Das fängt beim Frühstückmachen an und hört beim nächtlichen Toilettengang auf.

GWEN-mag: Wie sollte ich mich auf die Betreuung von Vater, Mutter oder Partner langfristig vorbereiten?

Tammen-Parr: Die Pflege des Partners dauert im Schnitt zwölf, die eines Elternteils rund zehn Jahre. Es beginnt oft schleichend. Der Partner wird vergesslicher, braucht Unterstützung beim Duschen oder beim Ankleiden. Egal ob Sie Vater, Mutter oder den Partner pflegen: Schaffen Sie sich Pausen, organisieren Sie Unterstützung von mobilen Pflegeteams und machen Sie mal Urlaub von der Pflege. Je eher Sie das organisieren, desto besser. Nur keine falsche Scheu!

GWEN-mag: Ab wann zahlt die Kasse ambulante Pfleger?

Tammen-Parr: Neuerdings schon ab Pflegestufe null. Statt des Pflegegeldes können auch Sachleistungen in Höhe von 225 Euro pro Monat in Anspruch genommen werden. Die Pflegekasse schließt in einem solchen Fall einen Vertrag mit dem ambulanten Dienst ab.

GWEN-mag: Wie sieht es mit der Unterstützung beim Umbau der Wohnung aus?

Tammen-Parr: Bei der Kasse kann ein Antrag auf diverse Hilfsmittel gestellt werden. Es gibt Zuschüsse zu Treppen- oder Badewannenliften oder zu speziellen Fußmatten. Selbst der Umbau von Duschbädern wird mit bis zu 2557 Euro gefördert. Es lohnt, sich genau zu informieren.

GWEN-mag: Was ist, wenn die pflegenden Angehörigen eine Auszeit nehmen wollen oder selbst einmal krank werden?

Tammen-Parr: Da gibt es die sogenannte Verhinderungspflege. Das ist eine tolle Möglichkeit, die kaum jemand in Anspruch nimmt. Die Verhinderungspflege ist so etwas wie Urlaub für Angehörige. Bis zu 28 Tage im Jahr können Sie auf diese Regelung zurückgreifen. Hierfür können 1550 Euro pro Jahr zusätzlich beantragt werden. Sie können dann entfernte Verwandte oder Bekannte finanziell entschädigen, wenn sie bei der Betreuung oder der Pflege einspringen. Sie können den Angehörigen für Ihren Urlaubszeitraum auch in einem Pflegeheim unterbringen.

GWEN-mag: Viele pflegende Angehörige gehen auch psychisch an ihre Grenzen. Wo kann man sich in dieser Hinsicht Unterstützung holen?

Tammen-Parr: Es gibt Pflege-Nottelefone oder Selbsthilfegruppen, an die man sich wenden kann. Vor allem bei Alzheimer verändern sich Betroffene stark. Sie reagieren plötzlich aggressiv oder apathisch, das kann pflegende Angehörige sehr belasten. Die Kasse übernimmt 25 Stunden Therapie für pflegende Angehörige. Trotz des leider herrschenden Mangels an Therapeuten habe ich festgestellt, dass es in den meisten Fällen nur ein paar Wochen dauert, bis ein Therapieplatz zur Verfügung steht.

GWEN-mag: Was halten Sie von Demenz-WGs?

Tammen-Parr: Ich finde den Trend sehr gut, denn diese Art des betreuten Wohnens entmündigt die Betroffenen weniger. Meist leben sechs bis acht Demenzkranke zusammen, um die sich mehrere Pflegekräfte und Betreuer kümmern. Die Bewohner helfen sich gegenseitig beim Kochen, Waschen und Putzen. Sie können außerdem selbst entscheiden, wann sie aufstehen möchten, und werden nicht so bevormundet, wie es in Pflegeheimen oft der Fall ist. Natürlich gibt es preisliche und qualitative Unterschiede. Familien sollten sich die Einrichtungen genau anschauen und Bewertungen im Internet durchlesen. Am besten ist es, das Gespräch mit Angehörigen zu suchen, die bereits jemanden dort betreuen lassen.

GWEN-mag: Wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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