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    Zahnpasta, Duschgel oder Seifen enthalten oft milimetergroße Plastikkügelchen, die den Peeling-Effekt bewirken. Nun wollen einige große Hersteller ihre Rezepturen ändern und auf natürliche Alternativen umsteigen.
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    Auch Synthetik-Kleider verursachen Mikroplastik: Über 1900 Kunstfasern zählten Wissenschaftler – pro Waschgang und Kleidungsstück.
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    Reifenabrieb bleibt am Straßenrand liegen. Regen spült die winzigen Gummi-Partikel in den nächstgelegenen Bach.
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    Die größte Quelle für Mikroplastik ist unsachgemäß entsorgter Kunststoff-Müll.
12.05.2015|Gesundheit
Mikroplastik

Unsichtbare Gefahr

Mikroplastik – Winzige, gesundheitsschädliche Plastikpartikel sind über den gesamten Erdball verteilt und längst auch im Essen. Eine der vielen Quellen: Körperpflegeprodukte. Nun überarbeiten die Hersteller ihre Rezepturen und suchen Alternativen. Dabei gibt’s die schon.

Mikroplastik gibt es sprichwörtlich wie Sand am Meer. Mittlerweile bestehen die Strände mancher Buchten bereits zu drei Prozent aus den unter fünf Millimeter großen Kunststoffpartikeln. Bei Flüssen und Seen sieht es nicht besser aus: Österreichische Hydrologen fanden 2010 und 2012 bei Stichproben in der Donau sogar mehr kleinteiligen Plastikmüll als Fischlarven. Selbst im abgelegenen Chöwsgöl Nuur, dem zweitgrößten See der Mongolei, sind Forscher 2013 fündig geworden.

„Die größte Quelle für die winzigen Partikel ist unsachgemäß entsorgter Plastikmüll“, sagt Hannes Imhof, Wissenschaftler an der Universität Bayreuth. „UV-Strahlung macht Kunststoff spröde und mechanische Prozesse zerkleinern ihn immer weiter.“ Etwa die Brandung, die Treibgut gegen Felsen schleudert. Oder der Wind, der Plastikmüll vor sich her treibt.

Längst ist Mikroplastik in der Nahrungskette

Auch Synthetik-Kleider verursachen viel Mikroplastik: Über 1900 Kunstfasern zählte ein internationales Forscherteam – pro Waschgang und Kleidungsstück. „Einen großen Teil davon filtern Kläranlagen wieder aus dem Abwasser heraus“, weiß Imhof. „Aber nur, wenn sie entsprechend ausgestattet und technisch auf dem neuesten Stand sind.“ Hinzu kommt: Vieles gelangt direkt ins Grundwasser, etwa der Reifenabrieb, der am Straßenrand liegen bleibt und dann vom Regen in den nächstgelegenen Bach geschwemmt wird.

Längst ist Mikroplastik in der Nahrungskette angekommen. In Fisch, Muscheln, Bier, Milch und Honig hat man es angeblich gefunden, wenngleich diese Ergebnisse in der Fachwelt umstritten sind. Uneinigkeit besteht auch bei der Frage, was die winzigen Partikel anrichten, wenn sie erst einmal in uns sind. „Der Nachweis, dass Mikroplastik krebserregend ist, steht bisher noch aus“, sagt Imhof. „Sicher ist aber, dass es zahlreiche schwer abbaubare Umweltgifte anzieht und die enthaltenen Weichmacher hormonell wirksam sind.“

Kosmetikbranche kündigt Verzicht auf Mikroplastik an

Und es gibt noch einen zweiten Weg in und an den Körper: über Pflege- und Kosmetikprodukte. „Tausende nur millimetergroße Plastikkügelchen können in Zahncreme, Duschgel, Peeling, Gesichtscreme, Seife oder Make-up stecken“, warnt Greenpeace. Da sind sie nicht etwa zufällig hineingeraten. Vielmehr geben sie die Hersteller absichtlich zu: Sie bewirken den Peeling-Effekt.

Längst kursieren im Internet lange Listen mit allen mikroplastikhaltigen Körperpflegeprodukten. Für mobile Endgeräte gibt es kostenlose Apps wie Beat the Microbead oder Codecheck, mit denen Drogeriekunden verdächtige Erzeugnisse abscannen können, ehe sie im Einkaufskorb landen. Die Protestaktionen von Umweltschutzverbänden und aufmüpfigen Verbrauchern finden durchaus Gehör in den Konzernzentralen. Auf Anfrage der GWEN-Redaktion erklärte der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW), die Kosmetikindustrie wolle künftig auf Mikroplastik verzichten.

Vorreiter und Nachzügler

Es gibt allerdings auch Hersteller, die diesen Schritt bereits vollzogen haben. So habe die Drogeriemarktkette dm die Rezepturen seiner Eigenmarken „dahingehend weiterentwickelt, dass diese keine Kunststoff-Mikropartikel mehr enthalten“, teilte Geschäftsführer Ulrich Maith auf Anfrage mit. Auch Colgate-Palmolive habe seine Produkte inzwischen „mit alternativen Inhaltsstoffen und neuen Formeln versehen“, versichert Sprecherin Nina Müller.

Unilever hat diesen Schritt zumindest teilweise vollzogen. Der weltumspannende Konzern setzt nach eigenen Angaben „in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktuell in keinem Produkt Mikroplastik ein“ und will die Umstellung 2015 auch global vollzogen haben. Gemächlicher lässt es der US-Konzern Johnson & Johnson angehen, zu dem Marken wie Bebe, Neutrogena oder Penaten gehören: Er verspricht, „bis 2015 weltweit etwa die Hälfte der bestehenden Produkte, die aktuell Mikroperlen enthalten, umzuformulieren“. Der weltgrößte Kosmetikhersteller L’Oréal lässt sich damit noch bis 2017 Zeit.

Natürliche Alternativen sind zahlreich

„Derzeit werden Alternativen zum Mikroplastik geprüft“, erklärt IKW-Sprecherin Birgit Huber. Gemahlene Nuss- und Kokosschalen, Aprikosen- oder Traubenkerne, Mandelkleie, Ton- und Kieselerde, Kreide, Kalk, Salz sowie Sand kommen in Frage. Forscher am Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik arbeiten außerdem an einem Mikroplastik-Ersatz aus Bienen-, Beeren-, Reis- oder auch Sonnenblumenwachs. Bei so viel Auswahl dürfte für jeden Zweck etwas Passendes dabei sein.

Es gibt allerdings auch Firmen, die mit der Suche nach Alternativen gar nicht erst beginn müssen: „Der Einsatz von Kunststoffpartikeln ist für hochwertige, zertifizierte Naturkosmetik grundsätzlich nicht erlaubt“, sagt Antal Adam, Unternehmenssprecher von Wala. Bei dem schwäbischen Naturkosmetik-Hersteller kommen stattdessen seit jeher Kaolin, Kieselerde oder Mandelmehl aus kontrolliert-biologischem Anbau zum Einsatz. Diese Stoffe, so Adam weiter, bewirkten eine sanfte, aber gründliche Reinigung und stehen konventionellen Produkten in nichts nach. haw

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