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    Das Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung bietet einen sechswöchigen Online-Kurs an, in dem Kiffer lernen, ihren Cannabisgebrauch zu reduzieren.
09.06.2016|Gesundheit
Sucht

Hilfe aus dem Internet

Sucht – Wer seinen Alkohol- oder Drogenkonsum nicht mehr im Griff hat, schämt sich häufig, das einzugestehen – und nimmt zu spät oder gar keine Hilfe in Anspruch. Deshalb werden Beratungen und Therapien immer öfter anonym über das Internet angeboten.

Einige der Programme funktionieren rein online-basiert, so wie das Portal CANreduce, das das Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) entwickelt hat. In einem sechswöchigen Kurs sollen Konsumenten lernen, ihren Cannabisgebrauch zu reduzieren. Das Programm besteht aus acht interaktiven Modulen, in denen Nutzer der Droge Fragen beantworten müssen, um dadurch etwas über ihren Konsum zu lernen. Es geht um Risikosituationen, die zum Kiffen verleiten, oder darum, wie man am besten mit Rückfällen umgeht. In einem Online-Tagebuch halten die Teilnehmer fest, wie oft sie zum Joint greifen, zusätzlich wird Wissenswertes über die Auswirkungen des Cannabisrauchens vermittelt.

Dabei fehlt der erhobene Zeigefinger: Neben den negativen Folgen wie Gedächtnis- und Konzentrationsschwierigkeiten werden auch positive Aspekte benannt – zum Beispiel das Gefühl, schwierige Situationen besser ertragen können, besser auf andere Personen zugehen können und öfter auf Alkohol zu verzichten. Jeder Konsument ist aufgefordert, für sich selbst Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen.

Kein Ersatz für Suchttherapien

Für Kiffer, die dringend mehr Hilfe benötigen, sind auch der Kontakt zum Zentrum für Suchtmedizin und Notfallnummern aufgelistet. In einer Studie wird derzeit verglichen, wie gut die vollautomatische Internet-Selbsthilfe wirkt – und ob eine zusätzliche, individuelle Suchtberatung per Chat die Erfolge verbessern kann. Ebenfalls vom ISGF entwickelt wurde Snowcontrol, ein Internet-Angebot mit Chatberatung für Kokain-Konsumenten.

Die Online-Programme sollen laut ISGF keinesfalls Suchttherapien ersetzen. Vielmehr hofft man, Konsumenten zu erreichen, die sonst keine Hilfe in Anspruch nehmen würden. Gerade wenn es um illegale Drogen geht, hätten viele Angst vor der Stigmatisierung. Für Konsumenten, die „erst an der Schwelle“ zur Abhängigkeit stünden, seien die Webangebote ein geeignetes Instrument.

„Abstinenz ist nicht oberstes Ziel“

An Menschen, bei denen bereits eine Abhängigkeit vorliegt, die sich aber aus persönlichen oder zeitlichen Gründen nicht in eine Therapie-Einrichtung begeben wollen, richtet sich das onlinegestützte Therapie-Angebot Weniger trinken online. Angesiedelt ist es an der Asklepios Klinik Nord in Hamburg. Psychologin Britta Stieglitz leitet das Projekt: „Wir erreichen damit zum Beispiel Berufstätige oder die Mutter, die zu Hause Kinder betreuen muss, aber auch viele jüngere, internetaffine Menschen“, sagt sie.

Bei „Weniger trinken online“ kommunizieren die Trinker über die Website mit Psychologen oder Ärzten, die erfahren in der Suchtbehandlung sind. Die Teilnehmer berichten über ihre Trinkgewohnheiten und bekommen schließlich eine persönliche Empfehlung dazu, wie sie diese verändern können. „Die Abstinenz ist dabei nicht das oberste Ziel“, sagt Stieglitz. Es gehe vielmehr darum, den Konsum wirksam und langfristig zu senken.

Online-Tools ermitteln Drogenkonsum

Das Programm ist damit ein Beispiel für einen Sinneswandel, der in den letzten Jahren in der Alkoholismustherapie durchgesetzt hat: So wird Abstinenz in vielen Fällen nicht mehr für zwingend nötig gehalten, wenn es Abhängige schaffen, dauerhaft weniger zu trinken. Den ersten Teilnehmern, die das Programm durchlaufen haben, scheint das gelungen zu sein: Tranken sie zu Beginn der Therapie durchschnittlich 22 Gläser Alkohol pro Woche, waren es am Ende nur noch durchschnittlich fünf. Dass nur gelegentlich persönliche Gespräche mit dem Therapeuten stattfanden, schien keinen zu stören, das habe eine erste Evaluation ergeben, sagt Stieglitz. „Die Teilnehmer waren alle sehr zufrieden mit der Behandlung.“

Eines sei aber auch klar, so Stieglitz: Die Online-Therapie sei für schwerer Erkrankte nicht das Richtige. „Bei starken Entzugserscheinungen braucht man eine medikamentöse Therapie.“ Daher muss sich jeder Teilnehmer zu Beginn einmal persönlich bei einem der Ärzte oder Therapeuten vorstellen – und kann, falls nötig, zur stationären oder ambulanten Behandlung weiter überwiesen werden.

Internet-Programme, die ganz auf den Therapeuten-Kontakt verzichten, dürften zwar kostensparender sein als weniger-trinken-online.de, das fast genauso viel kostet, wie eine normale Therapie. Stieglitz hält diese aber eher für ungeeignet, wenn bereits eine Alkoholanhängigkeit vorliegt. Aber auch Online-Tools, die vollautomatisch den eigenen Alkohol oder Drogengennuss analysieren, können wirken: indem sie helfen, sich über den problematischen Konsum bewusst zu werden. Und Selbsterkenntnis ist ja bekanntlich der erste Schritt zur Besserung. irh

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