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    Die östrogene Belastung in Wasser aus PET-Flaschen ist etwa doppelt so hoch wie in Wasser aus Glasflaschen
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    Biologen analysierten über drei Jahre das Wasser aus 30 Flüssen in England; sie fanden dabei einen Mix chemischer Substanzen.
07.01.2015|Gesundheit
Umwelthormone

Ein brisanter Cocktail

Umwelthormone − Mineralwasser gehört zu den Lebensmitteln, deren Qualität am strengsten überprüft wird. Dennoch fanden deutsche Umwelttoxikologen in zwölf von 20 getesteten Mineralwässern östrogen-aktive Substanzen.

„Wir mussten feststellen, dass Mineralwasser hormonell betrachtet in etwa die Qualität von Kläranlagenabwasser aufweist“, fasst Martin Wagner, Biologe an der Universität Frankfurt am Main den Befund zusammen. Verunreinigungen in dieser Größenordnung hatten Wagner und seine Kollegen nicht erwartet. Die Ursache für die gefundene Hormonaktivität liege, so die Forscher, zu einem überwiegenden Teil in der Verpackung.

„Die östrogene Belastung in Wasser aus PET-Flaschen ist etwa doppelt so hoch wie in Wasser aus Glasflaschen“, erklärt Wagner. Der Grund dafür liege vermutlich im industriellen Fertigungsprozess: Polyethylenterephthalat (PET) und andere Kunststoffe werden mit Weichmachern, UV-Blockern und anderen Zusätzen versehen, die im Lauf der Zeit in das Mineralwasser gelangen.

Allerdings fanden die Forscher auch Fremdhormone in Wasser aus Glasflaschen. Ihre möglichen Erklärungen: Das Wasser wurde beim maschinellen Abfüllprozess verunreinigt. Oder: Die Brunnen sind bereits damit verunreinigt.

Industrie und Behörden geben vorschnell Entwarnung

Industrie und Behörden bestreiten zwar immer wieder, dass Fremdhormone für den Menschen ein gesundheitliches Risiko darstellen. Doch Fakt ist: Die Auswirkungen sind bislang viel zu wenig erforscht, um Entwarnung geben zu können. Jörg Oehlmann, Leiter der Frankfurter Mineralwasser-Studie: „Unsere Ergebnisse belegen zwar, dass wir mit einer größeren Menge an Umwelthormonen in Kontakt kommen als bisher vermutet, allerdings wissen wir noch nichts über deren Aufnahme und Abbau im menschlichen Körper.“

Eine Studie der Harvard-Universität zur Aufnahme des Weichmachers Bisphenol A kam jedoch zu bedenklichen Ergebnissen: „Wir haben herausgefunden, dass das Trinken kalter Getränke aus Hartplastikflaschen den Bisphenol-A-Spiegel im Urin in nur einer Woche um mehr als zwei Drittel erhöht“, fasst Studienleiterin Karin Michels zusammen.

Fremdöstrogene schädigen offenbar das Sperma

In den vergangenen 60 Jahren registrierten Wissenschaftler vor allem in den westlichen Ländern eine Abnahme der Spermienmenge und -qualität bei Männern sowie eine beständige Zunahme von Brust- und Hodenkrebs. Ein Zusammenhang mit der Belastung durch Fremdöstrogene in der Umwelt wird seit langem diskutiert.

Biologen von der britischen Brunel-Universität analysierten über drei Jahre das Wasser aus 30 Flüssen in England. Sie fanden dabei einen Mix chemischer Substanzen, die bei Männern das Hormon Testosteron blockieren und damit die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. US-Forscher um Russ Hauser brachten in einer Untersuchtung DNA-Schäden in Spermien mit einer erhöhten Urinkonzentration an PCB, Insektiziden und Phthalaten in Verbindung.

An Mäusespermien zeigten Wissenschaftler die unmittelbaren Wirkungen von Fremdöstrogenen bereits: Die Samenzellen reifen vorzeitig und schütten Eiweißstoffe aus, die erst dann benötigt werden, wenn sie an der Eizellhülle andocken. Mit der vorzeitigen Ausschüttung verlieren die Spermien aber ihre Fruchtbarkeit.

Viele Mediziner erkennen die Gefährdung an, betonen jedoch, dass ungesunde Lebensgewohnheiten ebenso eine wichtige Rolle spielen: „Ein großer Anteil der Fruchtbarkeitsstörungen ist auch auf Nikotin-, Alkohol- und Drogenkonsum zurückzuführen“, so der Androloge Georg Pfau.

Kinder und Jugendliche besonders gefährdet

Kinder und Jugendliche sind der Gefahr durch Umwelthormone noch viel stärker ausgesetzt als Erwachsene. Denn bei ihnen steuern Hormone nicht nur die Ausprägung der Geschlechtsorgane, sondern auch die Entwicklung des Immunsystems und des Gehirns. „Säuglinge und Kleinkinder reagieren besonders empfindlich auf hormonartige Schadstoffe wie Bisphenol A“, sagt Ibrahim Chahoud, Toxikologe an der Berliner Charité.

Umso besorgniserregender sind die Ergebnisse zahlreicher Studien, die belegen, dass Kinder diese Umweltschadstoffe sogar verstärkt aufnehmen. Laut einer Analyse des Umweltbundesamtes war der Urin von 1.790 Kindern im Alter zwischen drei und 14 Jahren vor allem mit Plastikweichmachern belastet – einer Stoffgruppe, die immer wieder in Kinderspielzeug, Milchfläschchen oder Schnullern nachgewiesen wird. Nach Ergebnissen von Forschern der Adelphi-Universität in New York könnten diese bei Mädchen für die vorzeitige Pubertät verantwortlich sein.

Fast alle Lebensmittel könnten belastet sein

Umwelt- und Gesundheitsorganisationen haben zusammen mit Wissenschaftlern eine Liste mit insgesamt 270 gefährlichen Stoffen erstellt. Dazu gehören nicht nur Weichmacher in Nahrungsmittelverpackungen, Kinderspielzeug oder Textilien, sondern auch UV-Filter in Sonnencremes oder Konservierungsstoffe in Kosmetika. Ebenso können Antibiotika, Verhütungsmittel oder Reinigungsmittel Quellen von Fremdhormonen sein.

In den meisten Fällen zeigen sich die Hormonwirkungen eher per Zufall, beispielsweise durch ihre Effekte auf Tierpopulationen in der Umwelt. Andere wurden durch Verunreinigungen bei Laborversuchen aufgedeckt. Die Dunkelziffer ist deshalb hoch und Forscher vermuten, „dass nahezu die gesamte Bandbreite unserer Lebensmittel hormonell belastet ist“, so Oehlmann. Die Suche danach ist jedoch aufwändig: Weltweit sind zurzeit über 100.000 synthetische Chemikalien in Gebrauch.

Grenzwerte lassen sich nicht festsetzen

Lange Zeit gingen Forschungsinstitute und Bundesbehörden davon aus, dass sich Umwelthormone erst in Mikro- bis Milligramm-Mengen schädigend auf die menschliche Gesundheit auswirken. Seit etwa zehn Jahren belegen aber vor allem Studien aus den USA, dass schon deutlich niedrigere Konzentrationen das Hormonsystem von Menschen und Tier durcheinander bringen.

Hinzu kommt der unkalkulierbare Cocktail-Effekt. Deshalb lassen sich keine sinnvollen gesetzlichen Empfehlungen für einzelne Grenzwerte aussprechen, ebenso wenig wie für „tolerierbare tägliche Aufnahmemenge“. Im Gegensatz zu Staaten wie Kanada oder manchen Bundesstaaten der USA fordern deutsche und EU-Behörden dennoch weiterhin Einzelnachweise und Grenzwerte für potenziell gefährliche Stoffe – und bleiben deshalb tatenlos.

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