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    Ulrich Grober bei einer Lesewanderung im Saarbrücker Urwald.
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    Rituale fördern die Entschleunigung, zum Beispiel der tägliche Waldspaziergang.
13.10.2014|Gesundheit
Entschleunigung

„Ausklinken aus der Zeit“

Entschleunigung - Unser Leben wird bestimmt vom Takt der Maschinen – und der wird immer schneller. Wer nicht unter die Räder kommen will, muss den Alltag entschleunigen. Buchautor Ulrich Grober hat das getan. Im Gespräch mit der GWEN-Redaktion verrät er, wie’s geht.

GWEN-mag: Herr Grober, welche Mittel und Wege gibt es, den hektischen Alltag zu entschleunigen?

Grober: Wer entschleunigen will, muss erstmal fragen: Was sind eigentlich die Faktoren, die das Leben beschleunigen? Da sind zunächst einmal die motorisierten Verkehrsmittel. Gehen Sie, wo immer möglich, zu Fuß oder nehmen Sie Ihr Fahrrad. Ich habe für mich eine goldene Regel aufgestellt: Alle Wege im Radius von zwei Kilometern lege ich zu Fuß zurück, weitere Strecken bis zehn Kilometer bewältige ich mit dem Fahrrad.

GWEN-mag: Das geht aber auch nur, solange Sie mit wenig Gepäck unterwegs sind. Und weit herum kommen Sie so auch nicht.

Grober: Naja, was ich auf dem Wochenmarkt einkaufe, kann ich normalerweise im Rucksack tragen. Oder auf dem Gepäckträger meines Fahrrads transportieren. Ab zehn Kilometer Wegstrecke fahre ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auf das Auto versuche ich möglichst zu verzichten. Was uns zu schaffen macht, ist nicht die Geschwindigkeit an sich, sondern die Belastung des Nervensystems, die damit einhergeht. Dafür sind wir einfach nicht gebaut. Natürlich weiß ich: In Bussen und Zügen wälzen wir diese Strapazen auf den Fahrer oder Lokführer ab.

GWEN-mag: Ist Entschleunigung also der Weg zurück in die Zeit vor dem Verbrennungsmotor?

Grober: Das nicht, es ist aber der Weg vorwärts zu einer intelligenteren Nutzung aller Optionen. Wir sollten der Eigenbewegung im Alltag eine größere Rolle zubilligen. Das verschafft Freiheit und mehr Gelassenheit im Umgang mit der Motorisierung. Dasselbe gilt für den Umgang mit dem Gewummer der Unterhaltungselektronik und den Medien.

GWEN-mag: Was meinen Sie damit?

Grober: Es ist doch absurd: Der Mensch hat technische Geräte ersonnen und sollte sie eigentlich auch beherrschen. Das gelingt uns aber immer weniger. Stattdessen lassen wir uns von der Technik den Takt vorgeben. Wir unterwerfen uns ihrem Diktat, machen uns von ihr abhängig. Dabei lassen wir unsere eigenen Fähigkeiten und Sinne verkümmern. Wir verlassen uns lieber auf die Stimme aus dem Navigationsgerät, anstatt uns selbst zu orientieren. Es würde uns allen gut tun, wenn wir uns wieder mehr auf uns selbst verlassen und Maschinen nur noch dann zur Hilfe nehmen, wenn es wirklich nötig ist.

GWEN-mag: Und so werden wir gelassener?

Grober: „Gelassen“ kommt von „lassen“, also „etwas nicht tun“. Bevor wir etwas tun, sollten wir uns immer fragen: Was brauche ich wirklich? Was ist mir wirklich wichtig? Was tut mir gut? Und erst wenn wir uns darüber im Klaren sind, sollten wir es tun – oder eben lassen.

GWEN-mag: Leider geht das nur nach Feierabend.

Grober: Warum? Vielleicht sind die Spielräume im Berufsleben größer als wir denken. Der Raubbau an uns selbst liegt nämlich auch nicht im Interesse des Arbeitgebers. Unsere Kreativität, Produktivität und Arbeitskraft sind doch die eigentlichen Ressourcen – und das heißt auf Deutsch: sprudelnde Quellen. Kein Chef der Welt kann ein Interesse daran, dass sie versiegen. Wir sollten also auch im Beruf gelassen mit unseren Aufgaben umgehen dürfen.

GWEN-mag: Helfen Rituale, den Alltag zu entschleunigen?

Grober: Unbedingt! Ich habe es mir vor 20 Jahren zur Gewohnheit gemacht, jeden Tag auf derselben Strecke durch den Wald zu joggen – aber in gemächlichem Tempo. Und ich gehe zu jeder Jahreszeit wandern. Beides tut gut, weil ich mich so ausklinke aus der linearen Zeit. Im Wald zählt der Takt nicht, den uns die Uhr, Verkehrsampeln oder das Fernsehprogramm vorgeben. Der eigene Rhythmus tritt in den Vordergrund: die Körperbewegung, die Atmung, das Spiel der Muskeln – und der Zyklus der Jahreszeiten, die Rhythmen von Natur und Kosmos. Der Weg ist jedes Mal anders: Knospen, Blüten, zartes Grün, reifende Früchte, farbenprächtiges Laub, kahle Zweige im Nebel, an denen schon die neuen Knospen sitzen.

GWEN-mag: Herr Grober, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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