• Weiler Büllefest Zwiebeln (8).JPG
    Die Höri Zwiebeln auf dem Weiler Büllefest.
  • Horn (2).JPG
    Blick auf die Ortschaft Horn.
  • Weiler Büllefest Zwiebeln (3).JPG
    Die Höri Zwiebeln auf dem Weiler Büllefest.
  • Höri.jpg
    Blick auf die Halbinsel Höri am Untersee des Bodensees.
24.01.2018|Wohnen + Leben
Höri-Bülle

Zwiebel-Diva mit Bauch

Höri-Bülle - Mild und kapriziös: die rothäutige Höri-Bülle vom westlichen Ende des Bodensees ist etwas Besonderes. Sie war beinahe schon am Aussterben. Jetzt kümmert sich ein Verein um dieses kulinarische Kulturerbe.

Grob kommen darf man ihr nicht: die zarte Haut der Höri-Bülle verträgt keine harten Stöße und nicht viel Spritzmittel. Überhaupt ist diese Zwiebel sehr anspruchsvoll. Am liebsten mag sie den dunklen Moorboden auf der Höri, der kleinen Bodensee-Halbinsel zwischen Radolf­zell und Stein am Rhein. Es darf nicht zu trocken sein, weil sie dann nicht saftig und zu scharf wird. Regnen darf es zur Erntezeit aber auch nicht, denn sonst fault sie ruckzuck weg. Hagel verträgt sie schon gar nicht. Wenn es nach ihr geht, müssten sich die Bauern die ganze Zeit nur um sie kümmern.

 

Herkunft der sensiblen Knolle

Ihren alemannischen Namen hat die sensible Knolle möglicherweise vom lateinischen „bul­bus“; Mönche von der Insel Reichenau sollen im Mittelalter Zwiebeln aus dem Mittelmeer­raum eingeführt haben. Sicher ist, dass die Bülle bis in die 1970er Jahre das Hauptprodukt der Höri war. Wenn das Wetter passte, wurden rund 70 Tonnen geerntet und per Schiff zu den Märkten der Bodensee-Städte gebracht. Schließlich sieht die Bülle gut aus: bauchig-flache Form, weißes Fruchtfleisch und eine helle rotbraune Haut, die beim Schneiden nicht abfärbt. Außerdem kann sie roh gegessen werden: Ihre milde Schärfe passt bestens zu Wurstsalat, Schwartenmagen oder anderen kalten Gerichten.

 

Qualität, die man schmeckt

„Geschmack interessiert in der Lebensmittelindustrie keinen mehr, alles ist nur noch auf Ma­schinen und lange Haltbarkeit optimiert“, schnaubt Hubert Neidhart, der Wirt des Traditions­restaurants „Grüner Baum“ in Moos am Bodensee. Er schätzt, dass im Vergleich zur billigsten Massenzwiebel die Bülle „gut doppelt oder drei Mal so viel“ kostet: Ab August wird sie um­ständ­lich von Hand geerntet; spätestens Aschermittwoch sollte sie verbraucht sein. Trotzdem möchte Neidhart auf das empfindliche Gewürzmittel nicht verzichten: „Wir brauchen was Spe­­zielles, das uns abhebt. Bülle mit Apfel und Chili zum Steak - da braucht es kein Ketch­up. Man muss auch nicht immer Zitronengras oder Ingwer nehmen.“

 

Artenschutz und traditionelles Büllefest

Für den Schutz sanfter Arten sprechen praktische Argumente, findet Neidhart: „Man kann we­­sentlich mehr Bülle schneiden, bis man heult. Eine Taucherbrille hilft auch, sieht aber blöd aus.“ Mit einer Reihe Mitstreitern betrieb der Gastronom hartnäckig Bülle-Lobbying: Im Jahr 2008 kam die Höri-Zwiebel in die „Arche des Geschmacks“ der Slow-Food-Stiftung, später auch in die „Genießer-Galerie“ Baden-Württembergs. Und seit Herbst 2014 darf Bülle aus vier Gemeinden des Landkreises Konstanz mit dem EU-Siegel „geschützte geografische An­gabe“ vermarktet werden.

„Die Bülle war kurz vorm Aussterben“, berichtet Andrea Fürst, Gärtnerin und Vorsitzende des im Jahr 2015 gegründeten Vereins „Höri-Bülle“: „Die Samen kann man ja nicht kaufen und die eigene Nach­zucht ist sehr aufwändig. Jetzt wächst die Anbaufläche aber wieder.“ Fürst schätzt, dass nun rund zehn Vollerwerbs-Erzeugern die Bülle wieder ein Hauptanliegen ist. Wie viele Zwiebel-Hätschler es auf der Höri gibt, kann sie nicht sagen: „Nicht alle rücken mit der Sprache raus.“ Kleingärtner tun sich den Aufwand der Zertifizierung kaum an. So manche Bülle landet unregistriert in Maultaschen, Suppe oder gar Zwiebelgeist.

Rote Bülle werden oft zusammen mit gelblichen Zwiebeln der Sorte „Stuttgarter Riesen“ und Blumen zu Zöpfen geflochten, besonders schön für das Bülle-Fest, immer am ersten Oktober-Sonntag in Moos. Zöpfe sind nicht nur hübsch, sondern auch gut für die Lagerung, erklärt Andrea Fürst: „Bülle hat es gern trocken und kühl, nicht zu warm, nicht zu kalt. Sie sollte nicht auf einem Haufen liegen. Ideal ist ein bisschen Luftzug von allen Seiten.“

Aus Alt mach neu

Upcycling - Wegwerfen ist keine Lösung. Vor allem, wenn man wunderschöne Dinge aus "Müll" kreieren kann. Upcycling liegt im Trend und schont die Umwelt.

Tiny-Haus

Mini-Haus – Sie sind kaum größer als manches Schlafzimmer und doch wünschen sich immer mehr Menschen ein Tiny - also ein kleines Haus. Warum?

In aller Munde

Selbsternte – Reife Früchte hängen in den Bäumen, Kräuter stehen am Wegesrand. Man braucht sie nur zu pflücken. Doch darf man das? Wir sagen "ja", wenn dabei keine Eigentumsrechte verletzt werden, siehe unsere Mundräuber-Regel #1. Wir listen keine Flächen auf, unsere Community bzw. NutzerInnen tragen Standorte von Obtbäumen/-s

© 2014 - 2018 GWEN Magazine