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    Bienen bei der Arbeit: "Im Sommer blüht heute kaum noch eine Pflanze." (Hobby-Imker Volker Ovi Bachmann).
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    Bienenkönigin mit Volk: "Den Honigbienen geht es nach wie vor nicht besonders gut." (Bienenforscher Dr. Frank Neumann).
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    Helmut Fesseler bei der Arbeit
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    Varroa-Milbe: Besonders gut vermehrt sich der Parasit in milden Wintern
27.03.2017|Wohnen + Leben
Bienensterben

Ungelöstes Problem

Bienensterben – Weltweit steigt die Zahl der Imker schon seit Jahren und in Deutschland haben überdurchschnittlich viele Bienenvölker den vergangenen Winter überstanden. Doch das globale Bienensterben bleibt ein Problem, für das es bisher keine Lösung gibt.

„Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“. Dieses düstere Zitat, angeblich von Albert Einstein, wird immer wieder bemüht, um auf das weltweite Bienensterben aufmerksam zu machen. „Das ist eine Übertreibung“, findet Frank Neumann, Bienenforscher am Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamt (STUA) in Aulendorf. „Zwar verdanken wir den Bienen 80 Prozent unserer Nahrung. Aber sie sind eben nicht die einzigen Tiere, die Blüten bestäuben.“

Außerdem glaubt der Wissenschaftler nicht, dass die Honigbiene in absehbarer Zeit ausstirbt. Weltweit steige die Zahl der Bienenhalter schon seit Jahren. Auch in Deutschland ist das so, wie Zahlen des Deutschen Imkerbundes zeigen. Rund 115.000 Bienenhalter gab es hierzulande im vergangenen Jahr, schätzt der Verband. 2004 waren es nur rund 90.000. Damit stieg natürlich auch die Zahl der Honigbienen – allerdings weniger stark, weil die allermeisten Imker nur vergleichsweise wenige Völker halten.

 

Winziger Schädling bedroht Bienen

Für Helmut Fesseler hat das Jahr gut angefangen. Alle 80 Bienenvölker, die der Hobby-Imker zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern im oberschwäbischen Ellmannsweiler hält, haben den strengen Winter überlebt. Inzwischen haben seine Bienen mit der Brut begonnen, sodass ihre Zahl bis zum Sommer auf bis zu 60.000 Exemplare ansteigt – pro Volk. Bei vielen Bienenhaltern seien die Verluste überschaubar, berichtet Fesseler. In den vergangenen Jahren war das oft ganz anders.

„Den Honigbienen geht es nach wie vor nicht besonders gut“, stellt STUA-Forscher Neumann klar. Größtes ungelöstes Problem sei noch immer die Varroa-Milbe. Der blutsaugende Parasit, Ende der Sechzigerjahre aus Ostasien eingeschleppt, legt seine Eier auf die Bienenlarven in den verschlossenen Waben und ernährt sich von diesen. Das hat schwerwiegende Folgen, denn der winzige Schädling überträgt gefährliche Virusinfektionen.

 

Klimawandel begünstigt Milbenbefall

Besonders gut vermehrt sich die Varroa-Milbe in milden Wintern, weil die Bienen dann keine Pause einlegen, sondern ununterbrochen weiter brüten. „Da der Winter 2015/2016 praktisch ausgefallen ist, sind bis in den Sommer hinein zwischen 15 und 25 Prozent aller Bienenvölker ausgestorben – mehr als im Vorjahr und mehr als im Schnitt“, berichtet Neumann. „Manche Imker hatten sogar einen Totalausfall zu verkraften.“ Letztlich ist es also der weltweite Klimawandel, der das Bienensterben vorantreibt.

In weiten Teilen der Welt macht ein weiteres menschengemachtes Problem den Bienen zu schaffen: „Die Intensivierung der Landwirtschaft hat dazu geführt, dass es in Mitteleuropa heute kaum noch Brachflächen gibt“, beklagt Volker Ovi Bachmann, Hobby-Imker aus dem oberschwäbischen Unteressendorf. „Im Sommer blüht heute kaum noch eine Pflanze. Für die Bienen bedeutet das einen kräftezehrenden Nahrungsengpass.“ Seine Bienen muss Bachmann in dieser Zeit mit Zuckerwasser ernähren.

 

Kein wirksames Mittel gegen den Parasit

Bisher hat die Wissenschaft kein wirksames Mittel gegen die Varro-Milbe hervorgebracht. „Es gibt zwar Medikamente gegen die Varroa-Milbe“, sagt Neumann, „doch die bekämpfen nur 60 bis 70 Prozent des Befalls.“ Bachmann rückt dem Schädling mit Ameisensäure zuleibe und nimmt notgedrungen in Kauf, dass er damit auch seine Bienen schwächt.

Helmut Fesseler hat sich für die zeitintensivere Behandlung mit Oxalsäure entschieden, die natürlicherweise im Rhabarber vorkommt. Über den Winter hat er damit nach eigenen Angaben 96 bis 98 Prozent aller Milben getötet. Doch auch von diesem Schlag kann sich der Parasit erholen. „Der Bestand verdoppelt sich alle drei Wochen“, gibt Neumann zu bedenken. haw

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