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    Einblick in die Pflanzenaufzuchtstation
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    Das ehemalige Fabrikgebäude beherbergt heute das Projekt "The Plant"
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    Das Logo
08.08.2017|Wohnen + Leben
Recycling

Müllvermeidung mit Fischen

Recycling – Das Projekt „The Plant‟ in Chicago erprobt die wohl umweltfreundlichste Art, um Lebensmittel zu produzieren: den geschlossenen Kreislauf.

Im Keller drängen sich die Besucher um die riesigen Plastiktanks. In deren trübem Wasser kann man nur ein Wimmeln erahnen – es ist eine Zucht von Tilapia-Buntbarschen, schnellwachsenden Speisefischen. Ein paar Meter weiter stehen Paletten, aus denen Salatbüschel sprießen. Über Plastikschläuche und Rohre ist alles miteinander verbunden.

Was sich die Besucher im Keller ansehen, ist das Herzstück des Projekts „The Plant‟ in Chicago. In einem ehemaligen Fleischzerlegungsbetrieb wird hier das erprobt, was man einen geschlossenen Kreislauf nennt. Es ist die wohl umweltfreundlichste Weise, um Lebensmittel zu erzeugen. Tilapia-Barsche und Salat sind Teil eines sogenannten Aquaponik-Systems. Dabei wird eine Fischzucht mit einer Hydrokultur vereint, einer Pflanzenzucht ohne Erde. Ein junger Mann, der sich als Peter vorgestellt hat und ein grünes T-Shirt mit „The Plant‟-Logo trägt, erklärt, wie das funktioniert: Die Fische in den Tanks scheiden das Stoffwechselprodukt Ammonium aus. In zu hoher Konzentration wäre das giftig für sie, daher wird ständig Wasser abgeleitet. In anderen Tanks wird das Ammonium im Wasser durch Bakterien zuerst zu Nitrit und dann zu Nitrat umgewandelt – einen wichtigen Nährstoff für Pflanzen. Mit dem nitrathaltigen Wasser werden dann die Wurzeln des Salats geflutet. Nachdem die Pflanzen das Nitrat daraus aufgenommen haben, wird das Wasser wieder in die Fischtanks geleitet. „Das einzige, was wir von außen zuführen müssen, ist derzeit noch Fischfutter‟, sagt Peter. An Alternativen wird aber gearbeitet: Ziel ist es, die Fische eines Tages mit Abfällen von einem der im Haus angesiedelten Betriebe füttern zu können. Denn sie alle sind Teil des großen Experiments zur Nachhaltigkeit.

 

Waste is an opportunity

Peter führt die Besucher weiter durch das Gebäude von „The Plant‟. Einige Stockwerke weiter oben duftet es nach frischgebackenem Brot, hier befindet sich eine Holzofenbäckerei. Im Erdgeschoss schenkt eine Bar Bier der hausinternen Brauerei aus. Was auf den ersten Blick nicht erkennbar ist – sämtliche Produktionsabläufe sind miteinander vernetzt. Alle Betriebe, die im „The Plant‟-Gebäude untergebracht sind, versuchen, so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Was als Ausschuss bei der Herstellung entsteht, tauschen sie stattdessen untereinander aus, um es sinnvoll zu nutzen. Abfälle der Brauerei und einer Kaffeerösterei werden zur Anzucht von Speisepilzen verwendet. Mit überschüssiger Hefe aus der Bierherstellung backt die Bäckerei ein Bier-Brot. Und zum Heizen der Bäckerei-Holzöfen wird mit Bio-Briquettes aus Brauerei- und Röstereiabfällen experimentiert. Mit allem, was kompostierbar ist, düngt man einen großen Gemüsegarten im Freien. Insgesamt werden so 90 Prozent der Nebenprodukte, die hier entstehen, bereits wieder- oder weiter verwertet.

„The Plant‟ schone auch allein schon dadurch Ressourcen, erklärt Peter, dass man das alte Gebäude erhalten hat. Der Bau stammt aus dem Jahr 1925 und stand zuletzt einige Jahre lang leer. 2010 erwarb dann der Unternehmer John Edel mit seiner Firma Bubbly Dynamics das Haus. Das Gebäude abzureißen und einen Neubau zu errichten, hätte Rohstoffe und Energie gleichermaßen verschwendet. Stattdessen entschloss sich Edel, den alten Zerlegungsbetrieb umzunutzen und gründete das Projekt "The Plant".

 

Nachmachen erwünscht

„The Plant‟ ist auch ein Lehrprojekt – das zum Nachahmen anregen will. Schulklassen werden hier nachhaltige Produktionsabläufe erklärt. In Workshops kann jeder, der möchte, lernen, wie man selber Pilze züchtet, oder ein Aquaponik-System baut. Und zum regelmäßig stattfindenden „Farmers-Market‟ strömen Kunden aus der City, um lokal oder zumindest fair produzierte Produkte zu kaufen. Es gibt frisches Gemüse, Handarbeiten, Bio-Honig, und das hausgebackene Brot.

Genaugenommen ist „The Plant‟ aber noch gar nicht fertig. Denn ein wichtiges Puzzle-Teil fehlt bisher noch im System. Im Garten steht bereits eine riesige Vergärungsanlage für biologische Abfälle. In Zukunft will man mit ihr aus Biogas Energie gewinnen. Derzeit hat „The Plant‟ aber noch nicht genug Geld, um die Anlage wie geplant auszubauen und in Betrieb zu nehmen. Erst wenn das gelingt, wären sämtliche Produktionen nachhaltig mit Energie versorgt. Und erst so würde es gelingen, eine echte ökologische Balance des Systems zu erreichen. Der perfekte Kreislauf, das ganz große Ziel des Experiments – er wäre erst dann geschlossen.

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