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04.09.2017|Wohnen + Leben
Selbsternte

In aller Munde

Selbsternte – Reife Früchte hängen in den Bäumen, Kräuter stehen am Wegesrand. Man braucht sie nur zu pflücken. Doch darf man das? Wir sagen "ja", wenn dabei keine Eigentumsrechte verletzt werden, siehe unsere Mundräuber-Regel #1. Wir listen keine Flächen auf, unsere Community bzw. NutzerInnen tragen Standorte von Obtbäumen/-sträuchern, Nüssen und Kräutern ein. Gemüse zählt nicht dazu. Die Karte ist nicht nur bundesweit, sondern international zugänglich.

 

Spätsommer ist Erntezeit. Äpfel und Birnen sind reif, die Kartoffelernte hat längst begonnen und Salate und Kohlsorten werden regelmäßig vom Feld geholt. Doch was auf den Feldern wächst, dürfen Spaziergänger normalerweise nicht anrühren. Es sei denn, die Felder sind bereits abgeerntet. Von dem, was liegen geblieben und noch brauchbar ist, darf sich der Otto-Normal-Verbraucher bedienen, allerdings nur für den eigenen Bedarf. Bei Obstwiesen sieht es schon ganz anders aus, solange die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt sind. Viele Obstwiesen dienen aber der Allgemeinheit. Kosten darf dort jeder von den süßen Früchten. Viele Städte haben sogar den Trend der Selbsternte erkannt und berücksichtigen dies bei ihren Ausgleichs-oder anderen Neupflanzungen. Essbare Stadt nennen die Kommunen dies. 

Essbare Flächen in Städten und Gemeinden

Das Prinzip „essbare Stadt“ ist zu einem geflügelten Wort geworden. Köln hat es entdeckt, Berlin, aber auch viele kleinere Ortschaften. Wie Dr. Joachim Bauer, Leiter des Kölner Grünflächenamtes gegenüber gwen sagt, soll die essbare Stadt sogar ausgeweitet werden. Zumindest, was die Obstbäume angeht. Gemüsebeete in der Innenstadt hält Bauer nämlich für wenig sinnvoll. „Oder mögen Sie Salat essen, der entlang einer Hauptverkehrsachse gewachsen ist“?, fragt er. Trotzdem hat Köln einen Ernährungsrat gegründet. Dieser will in den nächsten Monaten Konzepte entwickeln, wie die Expertise von Kleingärtnern, Urban gardening Aktivisten mit dem Prinzip der essbaren Stadt verwoben werden können. Zwei Projekte sollen im kommenden Jahr anlaufen. Zunächst in den Sozialräumen. Sind sie erfolgreich, könnte es noch mehr essbare Flächen und Gemeinschaftsgärten im Stadtgebiet geben. Köln will gesunde Ernährung erlebbar machen.

Ob Urban gardening oder Obstbaumwiesen, das Prinzip ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Dank der Plattform „Mundraub“ können diese Ortschaften ganz einfach gefunden werden. 48.500 Fundorte sind mittlerweile von den 55.000 eingetragenen Nutzern dort vermerkt. Und wie Gründer Kai Gildhorn sagt, werden es immer mehr Menschen, die nicht nur ernten, was die Natur bereit hält, sondern sich auch um die Pflege etwa von Obstbäumen kümmern.

Frisch geerntet schmeckt am Besten

Die Idee für Mundraub entstand während einer Paddeltour im September 2009. Kai Gildhorn und Katharina Frosch waren auf der Unstrut in Sachsen-Anhalt unterwegs, als ihnen frei zugängliches Obst im Überfluss von Sträuchern und Bäumen schier in die hungrigen Münder wuchsen. Das Absurde daran: ihr Proviant bestand aus in Plastik verpackten Supermarktfrüchten. Äpfel, Birnen, Pflaumen - weit gereist und eingekauft. Diese vernachlässigten heimischen Obstbestände und ein offensichtlich fragwürdiges Konsumverhalten war für Kai und Katharina Grund genug: Keine Woche später wurde “Mundraub” geboren. Die Domain wurde gesichert und ein rudimentärer Blog gebastelt. „Wir trugen erste Fundorte in die Karte ein und legten so das Fundament für die heute existierende, Community-basierte Plattform.“

Im Laufe der Zeit wuchs die Karte um Tausende Fundorte, auch Projektpartner und Fördergelder wurden akquiriert. Mundraub wurde professioneller. „Heute bieten Aktionen und Gruppen Raum für Erfahrungs-Austausch und unser Mundraub-Blog liefert regelmäßig Neuigkeiten rund ums Thema Obst und Mundraub-Touren, Team-Tage sowie Umweltbildungs-Angebote für Kinder tragen die fruchtende Mundraub-Philosophie von der digitalen Plattform ins reale Leben hinaus“, sagt Gildhorn.

Auch in Köln soll die Community wachsen. Nicht über Mundraub, sondern unter Federführung des Grünflächenamtes. Vielerorts findet ein Umdenken statt und das Bedürfnis der Stadtgesellschaften wächst an der eigenen Ernte. (sw) 

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