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11.01.2017|Wohnen + Leben
Technik einfacher machen

Frugale Innovationen machen aus weniger mehr

Technik im Alltag kann immer mehr, wird deshalb komplizierter und teurer. Ein Gegentrend sind frugale Innovationen: Produkte die einfach, aber bezahlbar sind.

Waschmaschinen haben heute 20 Programme, Radiowecker Internetanschluss und in modernen Autocockpits macht sich gefühlt soviel Technik breit, wie in einem kleinen Raumschiff. Auf den ersten Blick kann das begeistern. Im Alltag merkt man dann schnell, dass man viele Funktionen gar nicht benötigt. Dann wird die Wäsche mit den gewohnten zwei Programmen gewaschen, oder der Radiowecker entsorgt, weil er mitten in der Nacht losgeht und die Bedienung zu kompliziert ist. Doch an überflüssiger Technik kommt man kaum noch vorbei. Sie wird mit jedem neuen Gerät mitgeliefert und schlägt sich noch dazu im Preis nieder. Die Alternative ist oft nur Billigware vom Discounter, die nach wenigen Wochen den Geist aufgibt.

 

Beschränkt auf wenige Funktionen

Seit einiger Zeit zeichnet sich nun ein neuer Trend ab: Frugale Innovationen sind Produkte, die auf wesentliche Funktionen beschränkt sind und dadurch bezahlbar bleiben. Ein Markt mit Zukunft, glaubt Liza Wohlfart vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). Sie beschäftigt sich seit einigen Jahren mit dem Gebiet und berät Unternehmen dabei, wie sie frugale Innovationen entwickeln können. Und sie kann gut erklären, was ein gutes frugales Produkt ausmacht.

 

Frugale Innovationen sind erschwinglich

„Das Prinzip frugaler Innovationen ist die Einfachheit‟, sagt Wohlfart. „Viele Produkte übersteigen heute an Komplexität und Funktionen das, was die Konsumenten brauchen. Bei frugalen Innovationen geht man den entgegengesetzten Weg. Sie haben weniger Funktionen und bleiben dadurch erschwinglich.‟ Früher sprach man daher auch von „low cost innovations‟, bis sich die Bezeichnung frugal durchsetzte, die sich vom lateinischen Wort für „einfach‟ ableitet. Frugale Innovationen sind von Billigware abzugrenzen, bei denen stark an der Qualität gespart wird, um die Preise niedrig zu halten. „Im Gegenteil, Qualität ist hierbei ein wichtiges Merkmal‟, sagt Wohlfart vom IAO.

 

Entscheidend ist die Zielgruppe

Frugale Innovationen richten sich stets an einer bestimmten Zielgruppe aus. Auf Elemente oder Funktionen, die für diese Gruppe unwichtig sind, wird dann verzichtet. Einzelne neue werden zum Teil hinzugefügt. Heraus kommt dann zum Beispiel ein Handy speziell für ältere Leute: ohne Internetzugang, MP3-Player oder Kamera. Dafür mit großen Tasten und besonders guter Sprachqualität. Zusätzlich werden oft neue Betriebswege geschaffen. Als einer der Vorreiter bei den frugalen Innovationen gilt etwa das Möbelhaus Ikea. Seine Produkte sind so designt, dass sie die Zielgruppe junger Menschen ansprechen. Der Lieferung fertiger Möbel nach Hause ist für diese Zielgruppe weniger wichtig, niedrige Preise schon. Um die Kosten zu senken, wurde daher der Möbel-Bausatz erfunden. Ein weiteres typisches Merkmal: Zusatzleistungen – bei Ikea sind es die Kinderbetreuung und familienfreundliche Restaurants – tragen dazu bei, die gewünschte Zielgruppe anzulocken.

 

Pleiten, Pech und Pannen

Nicht jede frugale Innovation ist ein Erfolg. So seien die sogenannten „Altenhandys‟ zum Teil gescheitert, erklärt Wohlfart. Denn viele Senioren wollen gar kein spezielles „Alten-Produkt‟, sie fühlen sich dadurch abgestempelt. Lieber möchten sie Smartphones haben, die sie von ihren Enkeln her kennen – auch wenn die Bedienung dann erst einmal schwer fällt.

Den größten Bedarf an frugalen Innovationen gibt es laut Wohlfart auf den neu entstehenden Märkten in Schwellenländern wie Indien oder China. Dort gibt es wachsende Mittelschichten, die Wert auf gute Produkte legen – aber noch nicht gleichermaßen zahlungskräftig sind wie die in reichen Industrienationen. Ein Kassenschlager auf dem indischen Markt ist zum Beispiel ein batteriebetriebener, tragbarer Kühlschrank. Er funktioniert unabhängig von der Stromversorgung und nimmt auf kleinem Wohnraum wenig Platz weg. Auf eine Gefrierfunktion wird dafür verzichtet.

Für jede frugale Innovation gilt: Preissenkungen sollten nicht allein durch Reduzierung erreicht werden, sondern durch genaues Abwägen von dem, was wirklich nötig ist – oder eben nicht. So wurde das für Familien gedachte Billigauto „Tata-Nano‟ des indischen Herstellers Tata Motors für umgerechnet nicht einmal 2000 Euro zum Flop. Der Hersteller entschied sich dann unter anderem bei der Sicherheit nachzurüsten – die Nachfolgeversion kostet nun fast 3000 Euro.

 

Medizintechnik ist gefragt

Gefragt seien frugale Innovationen in ärmeren wie in reichen Läden im Bereich der Medizintechnik, sagt Wohlfart. Hier gibt es einen Markt für abgespeckte Versionen teurer Diagnostik-Geräte, die trotzdem gute Qualität haben. Die Produkte können in indischen oder chinesischen Krankenhäusern zur Anwendung kommen, ebenso aber in Provinz-Krankenhäusern reicherer Länder, die vielleicht nicht genug Geld oder auch nicht wirklich Bedarf für die technisch anspruchsvolleren Versionen hat. Siemens stellt in China zum Beispiel einen besonders kostengünstigen Magnetresonanztomografen her – der nun auch in die USA verkauft wird.

 

Ingenieure für neue Funktionen

Doch wie konnte es überhaupt soweit kommen, dass technische Produkte mit oftmals überflüssigen Funktionen den Markt überschwemmen – und das Enfache neu erfunden werden muss? Wirtschaftsexpertin Wohlfart glaubt an ein „hausgemachtes‟ Problem in den Ingenieurswissenschaften. „Ingenieure sind Tüftler und denken sich gerne immer neue Funktionen für Geräte aus.‟ Um eine frugale Innovation zu schaffen, brauche man einen Sinneswandel. Schließlich könne es eine genauso spannende Herausforderung sein, Produkte zu entwickeln, die vielleicht weniger können – aber das eben gut.

Für Unternehmen bieten frugale Innovationen den Vorteil, dass sie neue Märkte erschließen können. Und für die Verbraucher? Für die auch, meint Wohlfahrt, wenn sie Produkte zu einem guten Preis bekommen, die genau zu ihren Bedürfnisse passen. Allerdings muss dass, was die Hersteller bei der Produktion einsparen, auch über den Preis an die Käufer weiterergeben werden: Sonst bekommen diese zwar ein Produkt, dass zwar weniger kann, aber im Verhältnis dazu zu teuer ist.

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