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    May-Britt Wilkens
18.01.2017|Wohnen + Leben
Bewusster essen

Eine Kuh zum Teilen

Auf Fleisch nicht verzichten, aber ganz bewusst darauf achten wo es herkommt ist die Idee hinter Besserfleisch. Das Startup verkauft Kühe aus artgerechter Haltung portionsweise über das Internet.

Die Idee für die Firma Besserfleisch kam May-Britt Wilkens im vergangenen Jahr, als sie gerade aus Peking zurückkehrt war. Drei Jahre lang hatte sie dort als Übersetzerin gearbeitet. In China wurde Fleisch zu fast jeder Mahlzeit serviert, „aber man wusste dort nie, woher es kam‟, sagt Wilkens. Zurück in Deutschland wollte sie endlich mal wieder mit gutem Gewissen Fleisch genießen. Als sie bei ihrer Mutter im niedersächsischen Nienburg war, suchte sie nach einem lokalen Bio-Metzger – und fand einfach keinen. Wilkens konnte es kaum glauben: „Dabei waren doch in der Umgebung überall Höfe.‟

 

Fleisch nur selten essen

May-Britt Wilkens ist es wichtig, Fleisch selten, dafür aber ganz bewusst zu essen und beim Kauf so viel wie möglich über die Art der Produktion zu erfahren. So wie ihr, dachte sie, müsste es doch auch anderen gehen. Weil die 31-Jährige ohnehin beruflich eine Abwechslung suchte, entschloss sie sich, Besserfleisch zu gründen. Über die Internetseite können Kunden Fleischpakete von einer Kuh erwerben. Diese wird erst dann geschlachtet, wenn genügend Abnehmer zusammengekommen sind. „Im Supermarkt wird die Ware weggeschmissen, wenn sie keiner kauft‟, sagt Wilkens. So etwas wollte ich verhindern.‟

Schon länger hatte sie außerdem gestört, dass es im Handel zwar Fleisch mit den verschiedensten Bio-Siegeln gibt, oft aber gar nicht klar ist, wofür diese stehen. Auch das Tierwohl steht dabei nicht automatisch so im Vordergrund, wie Wilkens es sich wünscht. Bei Besserfleisch geht es vor allem um zwei Dinge: eine möglichst artgerechte Haltung und Transparenz. Auf der Homepage und der Facebookseite können Kunden Videos und Fotos vom Krumbecker Hof einsehen, auf dem die Kühe gehalten werden. Den Betreiber Lukas Nossenheim hatte May-Britt Wilkens über einen Bekannten kennengelernt. Er erfüllt in der Landwirtschaft und bei der Tierhaltung die biodynamischen Richtlinien des Demeter-Verbands. Zum Teil geht er sogar darüber hinaus.

 

Tierhaltung nach biodynamischen Richtlinien

Von Mai bis Oktober sind Nossenheims Kühe auf der Weide im Freien. Den Winter verbringen sie im offenen Laufstall, fressen Heu und Kleegras-Silage aus hofeigener Herstellung. Da kein Futter zugekauft wird, ist die Ernährung der Tiere garantiert pestizid- und gentechnikfrei. Kälbchen wachsen über neun Monate zusammen mit der Mutter auf und können so ein gesundes Sozialverhalten ausbilden. Außerdem wird auf eine Enthornung der Tiere verzichtet, die Stress und Schmerzen verursachen kann. Nossenheim setzt auf robuste Rassen, die gut in der Gruppe gehalten werden können. Zum Schlachter bringt Nossenheim die Tiere einzeln und persönlich.

Wilkens ist nicht die einzige, die Kühe stückweise über das Internet verkauft. Plattformen wie kaufnekuh.de, mycow.de oder andere funktionieren nach dem gleichen Prinzip, das auch als „Cow-funding‟ bekannt wurde. Das besondere bei Wilkens ist vielleicht, dass für sie die artgerechte Haltung an absolut erster Stelle steht und für die Käufer nachvollziehbar sein soll. Geplant ist sogar, Hofbesuche anzubieten.

Das meiste bei Besserfleisch macht die junge Frau selbst. Ein halbes Jahr lang hat sie sich für den Aufbau der Plattform Zeit genommen. Sie lebt von ihrem Ersparten, beim Gestalten der Website hat ihr eine Freundin geholfen. Um mehr darüber zu lernen, wie man eine Kuh zerlegt, hat Wilkens stundenlang dem Schlachter zugesehen und Gulasch geschnibbelt. Das neue Wissen half ihr dabei, die Fleischpakete zusammenzustellen, die von einer Kuh verkauft werden soll. Insgesamt 40 Pakete zu je fünf Kilogramm werden von einem geschlachteten Rind verkauft. Je nach Art der enthaltenen Fleischstücke kosten diese von 99 bis 169 Euro. Eingeschweißt werden die Portionen deutschlandweit per Express verschickt. Zur Kühlhaltung verwendet Besserfleisch Säckchen mit Hanffasern, die genauso gut isolieren wie Styropor, aber biologisch abbaubar sind. Wem die Portionen zu groß sind, der kann sie mit Freunden teilen – oder ganz einfach tiefgekühlt aufbewahren. Weil das Rindfleisch nach dem besonderen Dry-age-Verfahren gereift wird, verliert es schon vor der Zubereitung überschüssige Flüssigkeit. Zum Einfrieren ist es dadurch besser geeignet und verliert dabei kaum an Qualität.

Eine ganz persönliche Beziehung

Seit einigen Wochen ist es nun soweit: Das erste Kuh ist schlachtreif. Ein 22 Monate altes rot-braun geschecktes Tier der Rasse Fleckvieh soll zu Filets und Rouladen für die Besserfleisch-Kunden werden. Wilkens wird vorher noch einmal auf dem Hof vorbeischauen. Es gibt letzte Details zu besprechen, das Verpacken der Ware muss sie noch üben. Am Schlachttag muss alles schnell gehen, damit das Fleisch möglichst frisch zum Verbraucher gelangt. Sie möchte sich auch von der Kuh verabschieden, die sie vorher schon ein paar mal besucht hat. „Ein kleines bisschen traurig‟ werde das wohl schon werden, sagt sie.

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