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    Gemüseauswahl
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    Möhren vor dem Laden
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29.03.2017|Wohnen + Leben
Lebensmittelverschwendung

Die Retterin

Lebensmittelverschwendung – Zu krumm, zu klein, zu alt. Was der Norm nicht entspricht, landet im Müll. Bei Nicole Klaski landen Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist oder optisch nicht ins klassische Warensortiment passen, in den Regalen ihres Reste-Ladens

The Good Food steht auf einem Transparent über dem großen Schaufenster, der weißen Altbaufassade. Wie eine Reste-Rampe sieht es nicht aus in dem kleinen Ladenlokal im Kölner Vorort Ehrenfeld. Im Gegenteil, in den Kisten und Körben lagern Möhren, Kartoffeln, Rosenkohl. Alles frisch. Aber warum sollten diese Dinge im Müll statt im Verkauf landen? „Die sind zu klein“, sagt Gründerin Klaski und nimmt eine handvoll Möhren in die Hand. Auch die Kartoffeln in der Kiste daneben sind gerade halb so groß wie ein kleines Hühnerei. Ansonsten ist alles in Ordnung. Und das Bier unter den Regalen? Was stimmt damit nicht? „Hier ist das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten“, sagt die 34-Jährige. Dass man es noch trinken kann, haben ihr die Macher bestätigt. „Es wird nicht schlecht, es schmeckt lediglich noch ein wenig malziger“, sagten sie ihr. „Und es stimmt“, bestätigt sie.  In der Regel durchlaufen die Produkte mit Mindesthaltbarkeitsdatum, die „The good food“ verkauft, zuvor eine Qualitätskontrolle bei den Lieferanten.

 

Mindesthaltbarkeit ist nur eine Empfehlung

Auch die Brötchen und Brotsorten, die in einem Korb vor der kleinen Theke lagern und ein Bäcker aus einem anderen Kölner Vorort spendet, sind noch nicht vergammelt, sondern vom Vortrag. „Die lege ich kurz in den Ofen dann sind sie wieder wie frisch gebacken“, sagt eine Kundin. Kekse, unverpackte Schokostreifen, veganes Grillsortiment, all das hat die Mindesthaltbarkeit überschritten „Aber das ist nur ein Richtwert. Schlecht sind die Waren nicht“, weiß Klaski aus langjähriger Erfahrung. Seit vier Jahren ernährt sich die studierte Juristin ausschließlich von sogenannten „Resten“. Früher gehörte sie sogar zu den „Mülltauchern“. Containern aber, wie sich das Wühlen in den Entsorgungsbehältern der Supermärkte nennt, ist strafbar. „Das kann eigentlich nicht sein, dass soviel gute Ware im Müll landet und dass das auch noch strafbar sein soll“, sagt Klaski kopfschüttelnd.

 

Kooperation mit Lieferanten

Mit ihrem Laden „The good food“ bewegt sie sich auf sicherem Terrain. Die Lieferanten sind Kooperationspartner. Bei den Landwirten, unter anderen ein Biohof in Kaarst bei Düsseldorf, gehen sie selbst aufs Feld und ernten, was sonst weggeschmissen werden würde. „Die Bauern müssen dafür sogar noch zahlen. Uns können sie die Ware umsonst mitgeben“, so die junge Frau, die betont, dass sie für nichts, was sie im Laden verkauft etwas bezahlt hat. Auch ihre Kunden dürfen das geben, was es ihnen wert ist. „Zahl, was Du möchtest“, steht auf den Schildern, die normalerweise für einen Kilopreis gedacht sind. Bei „The good food“ wird nichts weggeschmissen. Was Klaski nicht verkauft, wird eingekocht und so für Monatehaltbar gemacht. So stehen auch Gläser mit eingekochten Möhren in den Regalen.

 

Jeder zahlt, was er möchte

Reich wird sie mit dieser Methode nicht, aber die Kosten für Ladenmiete und Warentransport kommen rein. Die Arbeit im Laden ist Ehrenamt. Deshalb hat Klaski noch einen festen Teilzeitjob bei der Klimaschutz Community in Köln. Klaski ist eine Idealistin mit Zielen. Eines davon ist, dass sie schon Ende des Jahres Personal beschäftigen kann. Auch das Sortiment soll erweitert werden. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Kooperationspartnern.“  Wir das ist ihr Team. 17 mehr oder weniger aktive Mitstreiter zählt sie. Denn allein wäre der Aufwand der Selbsternte nicht zu stemmen.

 

Vereinsgründung steht bevor

„The good food“ soll gemeinnützig werden. Die Vereinsgründung ist vorbereitet, der Antrag gestellt. In den nächsten Wochen, so hofft Klaski soll es soweit sein. Es hätte vor allem steuerliche Vorteile aber auch das Konzept von „The good food“ lässt sich als Verein so besser vorantreiben. Bislang gibt es nur in Dänemark einen Supermarkt, der Lebensmittel vor der Tonne rettet. In Deutschland ist der Kölner Laden bislang einzigartig. Klaski hofft, noch mehr Menschen von ihrem Konzept des „restlosen Glücklichseins“ zu überzeugen. Ihre Kunden haben es schon verinnerlicht. Kurz bevor der Laden mittwochs um 11 Uhr öffnet, stehen die ersten bereits vor der Tür, um das beste Gemüse abzuholen. (swa)

 

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