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    Von links: Bürgermeister Axel Buch, Alexander Sobotta (Leader-Region Eifel), Silvia Fahle (Geschäftsführerin Dorfauto Gey), Margarete Lersch (Kreisverwaltung Düren), Ortsvorsteher Helmut Rösseler, Simone Handwerk (Leader-Region Eifel).
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    Im thüringischen Tonndorf ist das wohl kleinste Carsharing-Projekt Deutschlands angesiedelt.
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    17 Fahrzeuge gehören zum Carsharing-Projekt Öko-Mobil Pfaffenwinkel östlich des Starnberger Sees.
17.02.2015|Mobilität
Carsharing im Dorf

Die neue Lust aufs Land

Carsharing im Dorf – In Städten boomt das Geschäft mit den gemeinsam genutzten Autos. Anders auf dem Land. Doch auch dort sehen einige Anbieter einen Markt. Und die Kommunen entwickeln Ideen, wie Carsharing in dünn besiedelten Gegenden aussehen könnte.

Seit Mitte Januar 2015 steht an der Feuerwache in Gey, einem kleinen Eifel-Dorf in im Kreis Düren, ein gemeinsam genutztes Elektroauto, das Dorfauto Gey. „Bereits in der Testphase hatten wir 50 Nutzer“, sagt Ortsvorsteher Helmut Rösseler. „Wir werden erst jetzt richtig professionell.“ Denn erst jetzt wird das Angebot für die Nutzer kostenpflichtig. In der Pilotphase wurde es mit Geldern aus dem Topf „Leaderregio Eifel“ gesponsert. Ein Projekt, das die Mobilität nachhaltig im ländlichen Raum fördern soll.

Eines für alle

Das Dorfauto Gey ist eines der wenigen Carsharing-Projekte, das auf die Bedürfnisse der Landbevölkerung zugeschnitten ist. Hier funktioniert kein Car to go, bei dem der Wagen irgendwo in der Stadt abgestellt wird und der nächste registrierte Nutzer ihn dort holt. Auch eine feste Station in öffentlichen Garagen wie Cambio sie betreibt, ist für das Land nicht praktikabel. Auf das Dorfauto Gey können alle, die einen Führerschein haben, zurückgreifen. Es hat seinen festen Platz an der Feuerwache. Dort tankt es auch regelmäßig Strom. Der Schlüssel ist in einer kleinen Box deponiert. Reserviert wird der kleine Elektroflitzer per Telefon oder im Internet. Alles soll so flexibel wie möglich sein.

„Deshalb ist bislang auch keine Reservierung für feste Tage möglich. Unser Konzept ist, dass sich jeder sofort das Auto ausleihen kann“, erklärt Rösseler. Und am Abend gibt es das kleine Elektroauto sogar zum Diskotarif. Normalerweise kostet die Stunde zwei Euro, je Kilometer werden 20 Cent fällig. Der Diskotarif halbiert das Ganze.

Besondere Idee braucht das Land

Dass es Konzepte für das Land gibt, sei nicht neu, sagt der Geschäftsführer des Carsharing-Bundesverbandes Willi Loose. „Das Land haben Carsharing-Anbieter schon die ganze Zeit im Auge gehabt. Es ist nur in der Fläche noch nicht so verbreitet wie in größeren Städten.“ Auf dem Land seien besondere Ideen gefragt.

So wie im thüringischen Tonndorf. Dort teilen sich die rund 500 Einwohner sechs Autos. Es ist das wohl kleinste Carsharing-Projekt Deutschlands. Tonndorf und Gey – noch sind das seltene Fälle. Dabei lohne sich Carsharing für die Nutzer immer, sagt Loose. Auf der Anbieter-Seite komme es jedoch darauf an, ob es sich um wirtschaftlich betriebene Konzepte handele oder um Genossenschaften, Vereine oder sonstige Nutzungsformen. „Wer mit Carsharing Geld verdienen will, hat es in Ballungszentren leichter. 400 Euro kostet ein Auto im Schnitt jeden Monat. Das muss also auf jeden Fall zusammenkommen“, rechnet Verbandsgeschäftsführer vor.

Ford steigt ein

Schwierige Bedingungen also. Trotzdem wittern auch Automobilhersteller wie Ford ihre Chance, ins Carsharing-Modell einzusteigen. Die Händlervereinigung des Autokonzerns konzentriert sich speziell aufs Land und kleinere Städte. Wie eine Studie des Frankfurter Zukunftsinstituts 2014 im Auftrag von Ford herausgefunden hat, sind es vor allem die 25- bis 38-Jährigen, die Carsharing als die Lösung von Verkehrsproblemen und Beitrag zur Schonung der Umwelt betrachten.

Ähnlich wie bei den großen Anbietern Drive Now oder Car to go verteilen die Autohändler ihre Leihflotte über das Stadtgebiet. Mindestens drei Fahrzeuge müssen es sein, sonst lohne es sich nicht. Es sind vor allem Kleinstädte ab etwa 30.000 Einwohner, die die Händler im Visier haben. Dort steht es nämlich mit dem öffentlichen Nahverkehr nicht zum Besten: Busse fahren oft ab 21 Uhr nicht mehr. Dafür besitzt fast jeder Haushalt mindestens ein Auto, die meisten sogar zwei.

Dass Kommunen auf umweltschonende Elektroautos setzen, sei nicht die Regel, so Loose vom Carsharing-Bundesverband. „Eine tolle Idee, aber bislang nur Randerscheinungen einzelner Regionen, die dies im Rahmen von geförderten Modellen testen.“ swa

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